Kreis Pinneberg

Wird es doch keine Hausboote im Wedeler Hafen geben?

| Lesedauer: 7 Minuten
Joana Ekrutt
So stellt sich Messebauer Peter Preuss die Hausbootlandschaft am Schulauer Hafen vor. Eine Konkurrenz zu Hotels in der Nähe sieht er nicht, er sieht „Synergien“.

So stellt sich Messebauer Peter Preuss die Hausbootlandschaft am Schulauer Hafen vor. Eine Konkurrenz zu Hotels in der Nähe sieht er nicht, er sieht „Synergien“.

Foto: Preuss Messebau

Verwaltung ist skeptisch, sie habe erst aus dem Abendblatt von der Idee erfahren. Auch die Grünen haben Bedenken.

Wedel. Eine Belebung des Schulauer Hafens ist in Wedel ein politischer Dauerbrenner. Etliche Ideen lagen bereits auf dem Verhandlungstisch. An der Umsetzung haperte es jedoch bislang. Der jüngste Vorschlag: Wohnyachten, die im Hafen festgemacht werden (das Abendblatt berichtete). Die Idee stammt von der Firma Preuss Messe aus Holm, einem global aktivem Messebauunternehmen. Aber es scheint bei der Idee zu bleiben.

Der Familienbetrieb betreibt bereits zwei der exklusiven Hausboote im Yachthafen Sonnenbrücke im Zentrum von Travemünde. Geschäftsführer Peter Preuß kann sich in Wedel mehr als zehn Wohnschiffe im Hafen vorstellen. Dafür müssten Käufer beziehungsweise Investoren gefunden werden, die die Hausboote professionell vermieten.

Hausboote am Schulauer Hafen: Wedels Politiker sind skeptisch

Um einen Mangel an Interessenten mache sich die Firma keine Gedanken. Doch vorher muss die Politik zustimmen. Und das dürfte schwierig werden, wie die Antwort der Wedeler Verwaltung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion zeigt, die dem Abendblatt vorliegt.

Eines der Hauptanliegen der Fraktion ist die Frage, ob die Sanierungsvereinbarung zwischen Wedel und den externen Geldgebern eine Wohn- oder gewerbliche Unterkunftsnutzung im Hafenbereich überhaupt zulässt. Aus der Verwaltung heißt es: „Die rechtliche Zulässigkeit einer solchen Nutzung wurde beim Fördermittelgeber, dem Ministerium für Inneres, ländliche Räume, Integration und Gleichstellung, abgefragt.“ Aus dem Innenministerium liege jedoch noch keine Antwort vor.

Ob es für eine solche Nutzung Einschränkungen aufgrund der Tatsache gibt, dass der Hafen am Rande einer Bundeswasserstraße und im Gezeitenbereich der Elbe liegt, wollten die Grünen auch wissen. In diesem Punkt verweist die Verwaltung auf die Pflicht des Betreibers, mögliche Risiken durch die Gezeiten und der Strömungen durch die Bundeswasserstraße abzuklären.

Die Grünen sehen zudem die Gefahr, dass eine gewerbliche Vermietung der Boote eine Konkurrenz für das geplante Hafenhotel sein könnte. „Vertraglich sind mit dem Hotelbetreiber keine Einschränkungen für die Nutzungen im übrigen Hafengebiet vereinbart“, heißt es in der Verwaltungsantwort.

Grüne befürchten Lärmbelästigung für Anwohner

Daraus geht überdies hervor, dass die Firma Preuss bislang noch nicht an die Stadt herangetreten sei. Die Stadt habe erst über den Abendblatt-Artikel von der Idee erfahren. „Wir arbeiten derzeit einen Planungsvorschlag bezüglich einer optimalen Nutzung des Hafens aus“, sagt Peter Preuß, Geschäftsführer von Preuss Messe auf Abendblatt-Anfrage.

Eine Konkurrenz zum Hafenhotel sieht er in den Hausbooten nicht. Im Gegenteil: „Ich sehe Synergien.“ Die Firma sei bereits dabei, mit den Gastronomen des Hotels ins Gespräch zu kommen. „In Travemünde sind die Gastronomen begeistert, weil die Hausboot-Urlauber alle abends essen gehen.“

Ein weiterer Kritikpunkt der Grünen bezieht sich auf das Thema Lärm als potenziellen Konflikt – sowohl für die Anwohner als auch für die im Hafen Übernachtenden. Die landseitigen Flächen in diesem Bereich seien schon heute Wedels touristischer „Hotspot“, heißt es in der Anfrage.

Auch die Verwaltung sehe „das Risiko eines neuen, zusätzlichen Nutzungskonfliktes zwischen Freizeitbereich, Hotel, Wohnbebauung, anderen Hafennutzern und den eventuellen Hausbootbewohnern“. Eine Schließung von Bereichen des Hafens für die Allgemeinheit würde die Stadt zudem nicht befürworten.

Hausboote sind akustisch und thermisch gut isoliert

Preuß betont: „Von den Booten geht in keiner Weise Lärm aus.“ Und auch die Bewohner der Boote wären gegen Lärm von draußen geschützt. „In den Schiffen werden neueste Dämmungen und Isolierungen sowie eine Dreifachverglasung verwendet. Sie sind thermisch und akustisch isoliert.“ Zudem habe er bereits zahlreiche positive Anwohnerreaktionen erhalten. „Die befürworten das sehr, wenn Leben in den Hafen kommt.“

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Die Wohnschiffe, die nicht für Fahrten ausgelegt sind, werden am Firmensitz in Holm gebaut. Auf 59 Quadratmeter verteilen sich zwei Schlafzimmer für je zwei Personen, eine offene Küche mit angrenzendem Wohn- und Essbereich sowie ein Bad mit Dusche. Hinzu kommt eine rund zehn Quadratmeter große Terrasse. Bis zu vier Personen können gemeinsam auf der Wohnyacht ihren Urlaub verbringen.

Die Nutzungsmöglichkeiten seien jedoch weitaus vielfältiger: ob als Ferienhaus, Homeoffice oder Wohnsitz. „Gerade ältere Ehepaare wollen sich verkleinern“, weiß Preuß. Auch aus Wedel habe er bereits von älteren Menschen positives Feedback erhalten. „Sie begrüßen die Idee, insbesondere dann, wenn sie sich innerhalb der Stadtgrenzen verkleinern wollen.“ Laut Verwaltung schließt die Änderung „Teilbereich Hafenkopf“ im Bebauungsplan für den Schulauer Hafen dauerhaftes Wohnen jedoch aus.

Hausboote könnten an Größe des Hafenbeckens scheitern

Die Grünen wollten auch wissen, ob die Verwaltung „ein Nebeneinander von Wohnyachten, Schlängeln für Tagesgäste und Dauerlieger, dem Traditionsschiff-Anleger und gegebenenfalls einem Teil der ,Siemers-Nutzungen’ im Hafenbecken“ für möglich halte. „Theoretisch ist ein Nebeneinander verschiedener Nutzungen möglich“, heißt es in der Antwort.

Aufgrund der Größe des Hafenbeckens in der angefragten Form sei das jedoch eher unrealistisch und vermutlich nicht konfliktfrei. „Bei den Beratungen über ein Konzept müssen daher je nach Kombination der Nutzungen die dann erst erkennbaren individuellen Probleme in den Blick genommen werden.“

„Ich finde Wohnen auf dem Wasser schön“, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzender Olaf Wuttke dem Abendblatt. „Ich glaube aber, es passt an dieser Stelle nicht zusammen.“ Und: „Wir können nicht das ganze Hafenbecken dicht machen.“ Sollte in Wedel eine andere Fläche gefunden werden, an der die Hausboot-Idee realisiert werden könnte, sei er jedoch aufgeschlossen.

Hausboote am Schulauer Hafen: Beschluss nicht vor September

Einen Vorschlag habe er ebenfalls bereits: Die Hafenfläche unterhalb des Businessparks, der frühere Tankschiff-Anleger, der als „Schnalles Hafen“ bekannt war. „Da sind keine Wohnungen, was eher passen würde als im Schulauer Hafen.“

Bis ein endgültiger Beschluss vorliegt, könnte es allerdings noch eine Weile dauern. Die Grünen-Anfrage wurde bereits in die Tagesordnung der kommenden Sitzung des Planungsausschusses am 11. August aufgenommen. Die Hafen AG, die am 19. August wieder tagt, wird sich des Themas dann umfassend annehmen und die Ergebnisse in den darauffolgenden Planungsausschuss einbringen. Mit einem Beschluss ist somit nicht vor September zu rechnen.

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