Pinneberg

Neues Kleid für den Bahnhofsvorplatz Quellental

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Katja Engler
Entwurf für das Bahnhofsumfeld von oben. Beide neuen Tunnel-Zugänge, um etliche Meter seitlich verrückt, erhalten eiförmige Vordächer.

Entwurf für das Bahnhofsumfeld von oben. Beide neuen Tunnel-Zugänge, um etliche Meter seitlich verrückt, erhalten eiförmige Vordächer.

Foto: Deutsche Bahn

Weil die Zusagen für Fördermittel von Land und Bund jetzt da sind, rückt die Umgestaltung des südlichen Bahnhofs-Vorplatzes in greifbare Nähe.

Pinneberg. Die Förderbescheide sind da, bald geht’s los – mit Sitzgelegenheiten, viel Fahrradplatz und völlig neuer Anmutung. Nachdem auf der Nordseite des Pinneberger Bahnhofes mit dem Busbahnhof und sichtbaren Bauarbeiten bereits allerhand passiert ist, war auf der Südseite alles wie immer. Bis jetzt. Denn das soll sich 2021 ändern, kündigt Bürgermeisterin Urte Steinberg an. Mit der Planung und vor allem mit der Umsetzung des Umbaus des südlichen Bahnhofsumfeldes könne begonnen werden.

Die Gestaltungsaufgabe für den südlichen Bahnhofs-Vorplatz zum Quellental ist ungleich komplexer als auf der Fahltseite, weil dort mehr Interessen und mehr Funktionen unter einen Hut gebracht werden müssen. Auch ist das gesamte Umfeld im Umbruch, denn dort, wo früher die ILO Motorenwerke standen, wächst ein ganz neues Quartier mit 350 Wohneinheiten und etwa 25.000 Quadratmetern Gewerbeflächen heran.

Das Gesamtkonzept beruht auf dem Begriff „Shared Space“

Der Schwerpunkt der Planung liegt jetzt offenbar nicht mehr auf der weiteren Optimierung des Autoverkehrs, auch wenn die Zahl der Park-and-Ride-PKW-Parkplätze von 87 auf 127 gesteigert wird. Urte Steinberg sagt, es gehe darum, Pinneberg für die Anforderungen des nächsten Jahrhunderts zu rüsten: „In den nächsten Jahren wird eine Steigerung der Anzahl der täglich den Bahnhof nutzenden Personen auf 24.000 prognostiziert. Allein aus Gründen des Klimaschutzes wird der Öffentliche-Personen-Nahverkehr eine immer größere Bedeutung erhalten“, sagt die Bürgermeisterin. Die Baukosten für den Südbereich des Bahnhofes liegen bei rund 3,9 Millionen Euro, die Stadt erhält rund 2,85 Millionen Euro an Fördermitteln.

Die neue Philosophie schlägt sich in einem Konzept nieder, das alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt behandelt und sich mit dem modernen Begriff des „Shared Space“ beschreiben lässt. Es wird in immer mehr Städten umgesetzt. Weil es den öffentlichen Raum gerechter aufteilt, die Lebens- und Aufenthaltsqualität massiv steigert, Abgas- und Lärmemissionen senkt und klimafreundlichere Mobilitätsformen sehr viel attraktiver macht.

In Pinneberg bedeutet das: Wo heute Fußgänger in Bahnhofsnähe warten müssen, bis Autos und LKW vorbeigefahren sind, sollen sich künftig Fußgänger, Radler und Autofahrer gleichberechtigt im Schritttempo begegnen und aufeinander Rücksicht nehmen. Im Zuge dessen werden der Heinrich-Christiansen-Weg und die daran anschließende Fußgängerbrücke über die Mühlenau, die kürzlich notdürftig ausgebessert wurde, in den nächsten zwei Jahren verbreitert.

Der Fußgänger-Zugang zum neuen Tunnel unter den Bahngleisen rückt wesentlich weiter nach hinten, so dass er schräg gegenüber dem denkmalgeschützten ehemaligen ILO-Empfangsgebäude an der Straße An der Mühlenau herauskommt. Dadurch entsteht viel neuer Platz. Parallel zu den Gleisen werden vier neue Fahrradhäuschen gebaut: 128 räumlich abschließbare Stellplätze, 640 überdachte und 131 offene Fahrrad-Stellplätze sind geplant – eine stolze Zahl. Wer nur mit dem Auto jemanden absetzen will, nutzt einen der elf neuen Kurzzeit-Parkplätze -- weit genug entfernt vom Bahnhofseingang, um Stress durch Ballung zu vermeiden.

Damit auch ortsfremde Verkehrsteilnehmer künftig sofort erkennen können, dass der südliche Bahnhofsvorplatz verkehrsberuhigt ist, wird das gesamte Areal einheitlich gepflastert. Ein Hauch Quartiers-Charme soll auch dadurch einziehen, dass vereinzelte, locker verstreute Bauminseln geschaffen werden, die gänzlich oder teilweise in die Fahrspur eingerückt sind, um zu schnelles Fahren oder rücksichtsloses Verhalten zu erschweren.

Die Entwürfe der Planungsbüros Stationova und TGP Landschaftsarchitekten schlagen für solche Inseln zwei Alternativen vor. Einzelne große, schwere Steine könnten zum einen die Fahrspur begrenzen, zum anderen als Sitzmöbel dienen, in Gruppen über den gesamten Platz verteilt. Alternative: Statt der runden, glatten Steine ohne Lehne werden Stühle mit Lehnen aufgestellt.

Als neue Straßenlaternen sind entweder funktionale Stelen angedacht, die im oberen Teil LED-Leuchten haben -- oder moderne, elegante Mastleuchten, deren Grundlinien ein wenig an alte Straßenlaternen erinnern, weil die Metallkonstruktion oben ein kreisrundes LED-Leuchtfeld hält.

Nächster Schritt am Fahlt – das alte Bahnhofsgebäude

„Mit dem Bau dieses gut organisierten und repräsentativ gestalteten Bahnhofsvorplatzes können wir in den nächsten Jahren die Neugestaltung des gesamten Bahnhofsumfeldes auf der Südseite weitgehend abschließen“, sagt Bauamtsleiter Klaus Stieghorst. Auf der Nordseite bleibe dann noch die Erneuerung des historischen Empfangsgebäudes, der Bau des Nebengebäudes und des davor liegenden Platzes sowie das geplante Fahrradhaus.

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