Medizin

Mehr Licht! Erster Blick in Pinnebergs neuen Super-OP

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Burkhard Fuchs
Kein Schattenwurf mehr: OP-Managerin Eefje Barber zeigt die neue Lichttechnik in einem frischen OP-Saal. Sechs Säle gibt es im Neubau – im Gegensatz zu früher kann sogar bei Tageslicht operiert werden.  

Kein Schattenwurf mehr: OP-Managerin Eefje Barber zeigt die neue Lichttechnik in einem frischen OP-Saal. Sechs Säle gibt es im Neubau – im Gegensatz zu früher kann sogar bei Tageslicht operiert werden.  

Foto: Burkhard Fuchs

Das Klinikum Pinneberg hat jetzt sechs neue Säle. Die Regio Kliniken investieren 21,1 Millionen Euro in schattenfreie Technik.

Pinneberg. Im Pinneberger Krankenhaus können jetzt die Patienten noch besser, schneller und moderner am Blinddarm, an der Wirbelsäule oder nach Unfallverletzungen operiert werden. Die Regio Kliniken haben alle sechs OP-Säle in einem neuen zweigeschossigen Anbau komplett neu errichtet und ausgestattet. Zusammen mit der Zentralen Notaufnahme, die sich seit August 2019 im Erdgeschoss desselben Neubaus befindet und die Behandlungsplätze mit 26 mehr als verdoppelt hat, hat das Unternehmen nun 21,1 Millionen Euro in die Modernisierung investiert. Mit knapp 15 Millionen Euro ist dieses Projekt vom Land Schleswig-Holstein gefördert worden.

Die erste Operation in den neuen OP-Sälen hätten die Chirurgen bereits am 16. März ausgeführt, sagt Eefje Barber. Weil dann plötzlich der Corona-Lockdown verkündet wurde, mussten die Bauarbeiten zunächst gestoppt werden. Nun seien alle OP-Säle fertig. Nur die Umkleideräume für die 80 Ärzte und Pflegekräfte, die hier täglich im Einsatz sind, sowie Materialschleusen und Einschlaf- und Aufwachräume für die Patienten müssten noch erneuert werden. Ein neuer Fahrstuhl werde die Ver- und Entsorgung der OP-Säle einfacher und schneller gestalten „Wir sind jetzt mit den Bauarbeiten etwa vier Monate im Verzug und werden voraussichtlich bis zum Frühjahr 2021 alles fertiggestellt haben“, erklärt die OP-Managerin der Regio Kliniken. Vier Jahre wird dann der gesamte Neubau gedauert haben.

Die neuen Säle lösen auch ein Platzproblem

Grund für die Modernisierung der OP-Räume seien vor allem die technischen Anforderungen, die heute im Sinne einer modernen „Apparate-Medizin“ immer mehr Platz für die Geräte und die damit verbundenen Abstandsregeln wegen der gestiegenen hygienischen Bestimmungen bräuchten, erläutert die OP-Fachfrau. Bestimmte aufwendige Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse oder der Wirbelsäule konnten nur noch in zwei der sechs Säle ausgeführt werden. Das habe nicht nur den medizinischen Ablauf und die ganze Krankenhaus-Logistik gestört.

Auch die Patienten hätten manchmal aus Platzmangel unnötig warten müssen, wenn gerade der einzig dafür in Frage kommende OP-Saal anderweitig benötigt worden sei. Insgesamt hat sich die Nutzfläche in den sechs Operationssälen und ihren Ver- und Entsorgungsräumen im Pinneberger Krankenhaus durch den Neubau von 1871 auf nun 2476 Quadratmeter erhöht. Jeweils zwei OP-Säle stünden nun für gynäkologische und HNO-Eingriffe sowie Unfall- und Wirbelsäulenchirurgie oder der Allgemeinen Chirurgie zur Verfügung. Das sei der theoretische Raumplan, so die OP-Managerin. „Aber wir sind ja ein Akut-Krankenhaus, in dem es oft unbeständig zugeht.“

Auch das Arbeiten für die Kollegen sei nun viel leichter und angenehmer als vorher, erklärt die OP-Managerin. Erstmals können sie in den lichtdurchfluteten Räumen jetzt bei Tageslicht operieren, was vorher im mehr als 20 Jahre alten fensterlosen OP-Trakt des Krankenhauses unmöglich war. „Das hebt die Stimmung und die Chirurgen sind begeistert über die schönen hellen und modernen Räume. Ihnen fällt die Arbeit jetzt leichter.“

Wenn nötig, kann das Außenlicht durch elektrische Jalousien wieder ausgesperrt werden. Eine hypermoderne Sensor-Lichttechnik sorgt dafür, dass die neuen Lichtstrahler keinen Schatten werfen und der Arzt jederzeit die offene Wunde voll im Blick hat, selbst wenn eine Hand sie kurzzeitig verdecken sollte. Ohnehin stellen große, neue Monitore in allen OP-Sälen das gesamte Operationsgeschehen dar und zeichnen es auf.

Patienten mit einem Gewicht von bis zu 320 Kilogramm können operiert werden

Das sei vor allem bei den „Schlüsselloch-OPs“ vonnöten, wenn der Chirurg sich auf die Kameratechnik verlassen müsse, mit der er das Skalpell im Körper des zu operierenden Patienten steuert. Völlig neu sind auch die OP-Tischsäulen, an die die Liege des Patienten, auf der er in den OP-Saal transportiert wird, während des gesamten chirurgischen Eingriffs fest verankert wird.

Diese könnten zur Seite gekippt, geklappt und je nach Bedarf hoch und runter gefahren werden, damit der Chirurg auch an komplizierte Stellen herankommen kann. Zudem seien sie nun so stabil ausgelegt, dass das Regio Klinikum jetzt auch ganz besonders schwere Patienten operieren könnte, die vorher an andere Häuser verwiesen werden mussten, erklärt Eefje Barber.

Vorher habe das Limit bei 230 Kilogramm je Patient gelegen. Nun dürften die Patienten bis zu 320 Kilogramm auf dem OP-Tisch wiegen. Diese Extrembelastung sei zwar sehr selten, könne aber durchaus mal vorkommen. Zudem hätten die Regio Kliniken ihren OP-Neubau so gestaltet, dass die Wurzeln der beiden unter Denkmalschutz stehenden alten Eichen vor dem Krankenhaus keinen Schaden nehmen können.

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