Corona-Krise

Auswanderer: Von Norderstedt nach Mallorca – und zurück

Kathrin Helmrich und Matthias Huhn haben ihr Glück nach ihrer Rückkehr in Henstedt-Ulzburg gefunden. Dort betreiben sie wieder eine Werkstatt.

Kathrin Helmrich und Matthias Huhn haben ihr Glück nach ihrer Rückkehr in Henstedt-Ulzburg gefunden. Dort betreiben sie wieder eine Werkstatt.

Foto: Annabell Behrmann

Matthias Huhn und Cathrin Helmrich wanderten aus und betrieben auf der Insel eine Autowerkstatt – dann kam das Coronavirus.

Henstedt-Ulzburg.  Ein Jahr haben Matthias Huhn und Cathrin Helmrich gebraucht, um die Entscheidung zu fällen, nach Mallorca auszuwandern. Mit der Zeit hat sich das Gefühl, einfach mal raus zu müssen, bei dem Paar immer weiter verstärkt. „Unsere Akkus waren leer“, sagt es. Huhn betrieb seit 25 Jahren eine Autowerkstatt in Norderstedt, rückte zudem ständig als stellvertretender Gemeindewehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichsgabe zu Einsätzen aus. Beide Jobs hat der 56-Jährige geliebt. „Aber gerade bei der Feuerwehr habe ich viele tragische Einsätze miterlebt, die mich sehr belastet haben“, sagt er. Irgendwann ist eine Sättigung eingetreten. Ein Tapetenwechsel musste her.

Huhn und Helmrich vermieteten ihr Haus in Hasenmoor, das sie 2015 gebaut hatten. Dann brachen sie im Januar 2019 mit dem Auto auf nach Mallorca, wie schon so oft die Jahre zuvor. Doch diesmal war alles anders. Sie wollten nicht nur Urlaub auf ihrer Lieblingsinsel machen. Sondern ein neues Leben beginnen. „Was wir in Deutschland können, können wir auch auf Mallorca“, sagten sie sich und mieteten in der Gemeinde Santanyí eine Autowerkstatt an. „Wir haben sie neu eingerichtet und eineinhalb Jahre echt erfolgreich gearbeitet“, sagt die 37 Jahre alte Helmrich. Dann erreichte das Coronavirus Europa. Und traf Spanien besonders hart.

Corona-Krise: Auswanderer fanden auf Mallorca keine Kunden mehr

Das Land verhängte zum Schutz der Bevölkerung eine strenge Ausgangssperre. Wochenlang durften die Auswanderer das Haus nur verlassen, um mit den beiden Hunden im Umkreis von 100 Metern spazieren zu gehen oder zum Einkaufen zu fahren. „Den Kassenbeleg mussten wir immer mitnehmen, um bei einer Kontrolle zu beweisen, dass man wirklich einkaufen war“, berichtet Helmrich. Sie hätten nicht einmal zu zweit im Auto sitzen dürfen, sondern mussten immer alleine fahren. Von Mallorca aus hat das Paar verfolgt, was sich während der Pandemie in der Heimat abspielte. „Wer sich in Deutschland beschwert hat, seine Grundrechte seien eingeschränkt, darüber konnten wir hier nur schmunzeln.“

Doch mit Corona schwand nicht nur die Freiheit, auch die Kunden von Huhn und Helmrich verließen schlagartig die Insel. Fast ausschließlich Deutsche ließen ihre Autos in der Werkstatt reparieren – aber diese setzten sich so schnell wie möglich in das nächste Flugzeug, zurück in ihr sicheres Heimatland. Werkstätten durften einzig systemrelevante Menschen wie Ärzte versorgen. Aber einheimische Betriebe hatten Vorrang. „Es war einfach keiner mehr da, den wir hätten umwerben können“, sagt Helmrich. Lockerungen seien zudem nicht in Sicht gewesen. „Und von Luft und Liebe lässt sich schwer leben. Da fiel unsere Entscheidung relativ schnell, auch zurück nach Deutschland zu gehen.“

Die neue Werkstatt in der alten Heimat

Seit Mai dieses Jahres lebt das Paar wieder in seinem Haus in Hasenmoor. Die Option hatte es sich offen gehalten. Die Möbel aus Santanyí brachte dieselbe Spedition zurück, die sie auch schon hingebracht hatte. „Das war die richtige Entscheidung. Wir können mit erhobenen Hauptes uns überall blicken lassen, weil wir an der Situation keine Schuld hatten. Das war höhere Gewalt“, betont Helmrich. Trotz allem sei die Zeit sehr wertvoll und nützlich gewesen, um von dem gewohnten Alltagstrubel mal Abstand zu gewinnen. Und sich von Altlasten zu lösen – sowohl im materiellen als auch menschlichen Bereich. „Unsere Akkus sind nun wieder aufgeladen.“

Nach ihrer Rückkehr – und zwei weiteren Wochen in Quarantäne – hat sich das Paar auf die Suche nach einer neuen Werkstatt in der alten Heimat gemacht. Nach nur drei Wochen ist es fündig geworden. Hinter der Aral-Tankstelle an der Hamburger Straße in Henstedt-Ulzburg stand eine leere Servicehalle. Huhn und Helmrich haben sie gepachtet, seit Juli reparieren und bereiten sie hier wieder Autos auf. Auch TÜV, Inspektion und Wartungsarbeiten bieten sie an. Ihre Geschichte ist nicht nur besonders, weil sie das Abenteuer Mallorca so glimpflich überstanden haben. Für sie schließt sich mit ihrem neuen Betrieb auch ein Kreis.

"Jetzt sind wir wieder zu Hause"

Vor acht Jahren haben sich die beiden kennen, aber ganz und gar nicht lieben gelernt. Huhns Werkstatt in Norderstedt lag damals – so wie heute – hinter einer Aral-Tankstelle, die wiederum Cathrin Helmrich gehörte. „Es war eine Hassliebe“, sagt der Kfz-Meister und lacht. „Immer wieder hat er seine Autos auf meinem Grundstück geparkt, das hat mich so genervt“, entgegnet Helmrich. Huhn kontert: „Wenn sie kam, habe ich immer gesagt: Oh nein, nicht die schon wieder.“ Irgendwann haben sich die beiden Streitenden zusammengesetzt und ein „Weinchen“ getrunken – und am Ende lernten sie sich doch noch lieben.

Das Kapitel Mallorca ist für sie beendet. Einen zweiten Versuch wollen sie nicht wagen: „Das war eine tolle Zeit. Aber jetzt sind wir wieder zu Hause.“ Mit mehr Energie denn je.