Elmshorn

Ermittlungen gegen Polizisten eingestellt

Das Regio Klinikum in Elmshorn.

Das Regio Klinikum in Elmshorn.

Foto: Reimer Wulf

Beamte hatte an Silvester in der Elmshorner Psychiatrie auf Patienten geschossen, der die Beamten mit einem Brotmesser angriff.

Elmshorn.  Sechseinhalb Monate, nachdem ein Polizist in der Elmshorner Psychiatrie auf einen renitenten Patienten geschossen hat, ist das Ermittlungsverfahren gegen den Beamten eingestellt worden. „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Waffengebrauch gerechtfertigt war“, so Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow, Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe.

Gegen 14.30 Uhr am Silvestertag rief das Personal der psychiatrischen Station der Regio Klinik Elmshorn die Polizei zu Hilfe, nachdem es einen 27 Jahre Jahre alten Patienten nicht zu bändigen vermochte. Als die Beamten eintrafen, hielt der 27-Jährige drohend ein Brotmesser in der Hand und ging auf die Polizisten zu. „Verbale Beruhigungen durch die eingesetzten Polizeikräfte schlugen fehl“, so Müller-Rakow weiter.

Weil offenbar ein Angriff auf die Beamten bevorstand, habe einer der Polizisten seine Dienstwaffe gezogen und den Mann aufgefordert, sofort stehen zu bleiben. Dieser habe jedoch nicht darauf reagiert, sondern sei weiter auf die Polizisten zugegangen und habe Stichbewegungen in Höhe ihres Kopfes ausgeführt. Daraufhin habe ihn der Beamte mit einem gezielten Schuss in den Oberschenkel gestoppt.

„Laut unserer Bewertung war das Verhalten der Polizisten durch das Landesverwaltungsgesetz gedeckt, da eine Gefahr für ihr Leib und Leben bevorstand“, so der Oberstaatsanwalt. Ein milderes Mittel, um sich gegen den Angreifer zur Wehr zu setzen, habe ihnen nicht zur Verfügung gestanden. Für den Einsatz des Schlagstocks hätten sie die Distanz zu dem 27-Jährigen derart verringern müssen, dass mit einer Verletzung durch das Messer zu rechnen gewesen wäre. Gleiches hätte für einen Einsatz von Pfefferspray gegolten. Zumal wäre zweifelhaft gewesen, ob dies den Angreifer tatsächlich gestoppt hätte.

Laut Müller-Rakow handelte der Polizist in einer Notwehrsituation, zudem konnte er sich laut Strafgesetzbuch auf eine Nothilfe berufen, da der Messermann auch seinen Kollegen attackierte. Daher sei das Ermittlungsverfahren gegen den Polizisten, das wegen eines Körperverletzungsdeliktes eingeleitet worden war, einzustellen gewesen.

Ermittelt wird dagegen weiter – und zwar gegen den Psychiatriepatienten. Er wird sich zu einem späteren Zeitpunkt für den Angriff auf die Polizisten und das Pflegepersonal vor Gericht verantworten müssen. Der 27 Jahre alte Angreifer war zwangsweise in der Psychiatrie untergebracht. Er erlitt einen glatten Oberschenkeldurchschuss, Arterien wurden nicht verletzt. Die Wunde wurde gleich darauf in der Klinik versorgt.

Die Elmshorner Einrichtung hat 104 stationäre und 20 tagesklinische Plätze. In solchen Fällen ist sie eigentlich nur Zwischenstation. Behandelt werden dort depressive Störungen, Psychosen, psychosomatische Störungen, Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Belastungsreaktionen und altersbedingte Leiden. Herausfordernde Patienten kommen nach richterlichem Beschluss meist in die Forensik des Landeskrankenhauses in Neustadt.