Kreis Pinneberg

Der erste Flohmarkt nach der Corona-Pause

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Kitty Haug
Hobby-Verkäuferin Nicole Röll freut sich, dass an ihrem Stand nach vier Monaten Corona-Zwangspause wieder gefeilscht werden kann.

Hobby-Verkäuferin Nicole Röll freut sich, dass an ihrem Stand nach vier Monaten Corona-Zwangspause wieder gefeilscht werden kann.

Foto: KITTY HAUG / Kitty Haug

Am Sonntag konnte in Prisdorf erstmals seit Beginn der Pandemie wieder gefeilscht werden. Wartezeiten schreckten Besucher nicht ab.

Prisdorf. „Da hat mir doch einer eben 50 Euro geben wollen, damit ich ihn reinlasse“, erzählt Kevin Kraus und blickt am Sonntag auf die lange Warteschlange am Eingang zum Flohmarkt. Der 18-Jährige ist Sicherheitsmann auf den Märkten, die sein Vater Uwe Kraus in Schleswig-Holstein und im Hamburger Randgebiet ausrichtet.

Kevin ist einer von acht Männern, die auf Einhaltung der Corona-Regeln auf dem Parkplatz an der Straße Peiner Hag in Prisdorf achten. „Wir sind verpflichtet, uns an diese Corona-Regeln zu halten. Das halten wir strikt ein. Und da lassen wir uns auch nicht bestechen“, erklärt Uwe Kraus. Schließlich ist das die Voraussetzung dafür, dass seine Flohmärkte auch in der Corona-Pandemie weiter fortgeführt werden können.

Laut der aktuellen Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung in Schleswig-Holstein dürfen Flohmarkt-Veranstalter nur maximal 250 Besucher im Außenbereich zeitgleich reinlassen. Die Akzeptanz für diese Maßnahme ist groß, auch wenn es teilweise zu langen Wartezeiten an Eingang kommt. „Es wird wenig gemeckert. Die Menschen sind froh, dass es wieder los geht“, meint Thomas Schönwald.

Seit 4 Uhr morgens ist der 53-jährige Sicherheitsmann im Dienst: Das rund 10.000 Quadratmeter große Gelände wird mit rot-weißem Flatterband abgeteilt, der zentrale Ein- beziehungsweise Ausgang eingerichtet. Aushänge, die auf die vorgeschriebenen Abstands- und Hygienemaßnahmen hinweisen, werden gut sichtbar aufgestellt. Und auch die Händler erhalten vor Aufbau einen grünen Handzettel mit Sicherheitshinweisen. Die nummerierte Pfand-Besuchermarken für zwei Euro werden desinfiziert und zur Kasse am Imbissstand gebracht, denn nur mit ihrer Hilfe kann sichergestellt werden, dass sich nur die erlaubte Personenzahl gleichzeitig auf dem Gelände befindet.

Um 8 Uhr geht das Stöbern und Feilschen auf dem Marktkauf-Parkplatz in Prisdorf erstmals seit dem Lockdown wieder los. Dieser riesige Flohmarkt ist vor allem so beliebt, da hier fast nur private Aufsteller ihre Ware anbieten. Die ersten Händler treffen bereits um 5 Uhr ein. „200 Verkäufer beteiligen sich“, sagt Kraus. 50 weitere musste er wieder nach Hause schicken. Die Standgröße dürfe die maximale Länge von sechs Metern nicht überschreiten und zwischen den Ständen ist ein Abstand von zwei Metern einzuhalten.

„Die Märkte sind jetzt kostenintensiver. Wir haben weniger Platz, dafür mehr Personal. Aber das ist Okay, rote Zahlen erwarte ich nicht“, erklärt Kraus. Und er freut sich, denn ab dem heutigen Montag sind Veranstaltungen mit wechselndem Publikum, bei denen Abstände überwiegend eingehalten werden können – beispielsweise Messen oder eben Flohmärkte – mit bis zu 500 Personen außerhalb und 250 Personen innerhalb geschlossener Räume unter erhöhten Sicherheitsanforderungen zulässig. „Dann kann es wieder richtig losgehen!“

Was das Angebot angeht, müssen die Kunden keine Abstriche machen. Ob Praktisches oder Schönes, Altes oder Neues, Großes oder Kleines – an den Ständen ist der typische Flohmarkt-Mix zu finden. All das, was in Speichern, Kellern, Schuppen oder Garagen gesichtet und für den möglichen Verkauf eingestuft wird, ist dabei. Sehr stark vertreten sind Bekleidung, Spielwaren, CDs und DVDs sowie Bücher. Aber auch Haushaltswaren, Werkzeug, Porzellan, Kristall und Schmuck werden feilgeboten.

Drei Jungen im Grundschulalter und ihre Eltern wühlen begeistert in einer großen Kiste mit Spielzeugautos. Hier schlagen Kinderherzen angesichts von Schätzen für lediglich einen Euro höher. Kinderspielzeug und -kleidung verkauft auch Nicole Röll an ihrem bunten Stand. „Der Lockdown war eine doofe Zeit“, meint die Hobby-Verkäuferin. „Es ist jetzt erfreulich viel los. Es ist zwar nicht so brechend voll wie sonst, aber immerhin“. Und sie sagt weiter: „Es ist schön, Stammkunden wiederzusehen und mit den anderen Händlern zu quatschen.“ Einen hohen Umsatz erziele sie nicht, aber die Standgebühr bekomme sie raus.

Die Gefahr von dichtem Gedränge besteht nicht an diesem Flohmarkt-Tag, was viele Besucher zu schätzen wissen. So auch Verena Schmidt, die sich an einem großen Haushaltswarenstand zwei Frischhaltedosen sichert. Angesichts der langen Warteschlange habe sie schon ein schlechtes Gewissen, langsam über den Markt zu bummeln. Aber so könne sie sich alles in aller Ruhe ansehen. Ihr Eindruck: Besucher und Händler halten sich an die Auflagen, was der 61-Jährigen Sicherheit gibt. Das reduzierte Angebot stört sie nicht. „Lieber habe ich diese abgespeckte Version als gar nichts“, sagt die Pinnebergerin.

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