Kreis Pinneberg

Von einem Schnüffler, der überall willkommen ist

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Der Gasschnüffler kommt. Stefan Uden (40) geht im Auftrag von Schleswig-Holstein Netz die Gasleitungen im kreis Pinneberg ab.

Der Gasschnüffler kommt. Stefan Uden (40) geht im Auftrag von Schleswig-Holstein Netz die Gasleitungen im kreis Pinneberg ab.

Foto: Ulrich Stückler

Stefan Uden ist Gasspürer für Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz. Ein Job, in dem er viele Paar Schuhe verbraucht.

Westerhorn.  Es scheint perfektes Wetter für eine Freilufttätigkeit zu sein. Die Sonne strahlt von einem blauen Himmel, der nur einige wenige Wolken aufweist, auf Westerhorn hinab. Ein leichter Wind sorgt zumindest jetzt um 10 Uhr dafür, dass das Thermometer dennoch nicht über die 22-Grad-Marke klettert. Alles gut, oder? „Wenn ich ehrlich bin, habe ich es doch lieber bewölkt“, sagt Stefan Uden.

Der 40-Jährige hat guten Grund, dem Himmelsgestirn ein wenig zurückhaltend gegenüberzustehen. Noch bis Oktober wird der aus dem Landkreis Aurich stammende Mann nahezu jeden regenfreien Tag auf den Straßen und Wegen im Kreis Pinneberg verbringen. „Ich möchte nur ungern die Sonnenbrille aufsetzen oder mich eincremen müssen, warm wird mir auch allein schon durch die Bewegung. Ich habe nur eine Anforderung ans Wetter“, sagt der Mann, dessen nicht wirklich dünner, windabweisender Arbeitsanzug leuchtend gelb und weiß das Licht reflektiert. „Der Boden muss trocken sein.“

Bei Feuchtigkeit funktioniert die Technik nicht

Wäre das Erdreich feucht, bekäme Udens Nase nichts zu riechen. Nicht seine sehr wohl geschulte Nase in dem sonnengebräunten Gesicht, sondern die elektronische, die der gelernte Gas- und Wasserinstallateur an einer Stange auf einem Rollgestell mit sich führt. Verkabelt ist diese Sensor-Konstruktion mit einem Tablet, das Uden – an einem Halsgurt befestigt – vor seinem Bauch trägt, und einer kleinen Pumpe. Diese hängt lässig per Gurt an seiner linken Hüfte und saugt die Luft vom Bereich direkt überm Boden durch die Apparatur zu den Messfühlern. „Einen feuchten Boden würde eventuell aus den Leitungen austretendes Erdgas nicht durchdringen, die Erde wäre quasi versiegelt“, sagt der Mann, der im Auftrag von Schleswig-Holstein Netz nach eben solchen Leckagen sucht.

Der „Gasschnüffler“ ist ein eminent wichtiger Mann für den Netzbetreiber. „Wir haben im Land rund 15.000 Kilometer an Gasleitungen aller Druckstärken verlegt“, sagt Fabian Dahlem aus der Kommunikationsabteilung von Schleswig-Holstein Netz und Tourbegleiter an diesem Tag. „Mitarbeiter wie Herr Uden nutzen jeden trockenen Tag, um in regelmäßigen Intervallen jeden Meter dieses Netzes abzugehen und seine Sicherheit zu überprüfen. Je höher der Druck im jeweiligen Netzabschnitt, desto häufiger die Kontrolle.“

Heute geht es zu Fuß durch Westerhorn. Erster Prüfabschnitt ist das Gebiet westlich vom Bahnhof Dauenhof. Zuletzt hat Stefan Uden hier vor vier Jahren nach dem Rechten gesehen – pardon: geschnüffelt. Vor Tourbeginn orientiert sich der Techniker mit dem freundlichen, wettergegerbten Gesicht auf einem Faltplan aus Papier über das zu checkende Areal. Dann ist Schluss mit „old fashioned“ – das Tablet mit seiner GPS-gesteuerten, digitalen Leitungskarte ist fortan die einzige Orientierung.

Metergenau folgt Uden mit der Elektronase der Leitung

Auf den Meter genau folgt Uden dem Leitungsverlauf – so, wie ihm das Tablet den Weg vorgibt. „Unser Verantwortungsbereich sind alle auf öffentlichem Grund verlegten Leitungen und deren Abzweigungen über Privatgrund bis hin zum Hausanschluss“, erklärt Fabian Dahlem, während Stefan Uden aufmerksam das Display beobachtet und mit
der rollenden Nase den Plan abfährt. „Erst vom Übergabepunkt an ist der Hauseigner in der Pflicht.“

Dass der Netzbetreiber seine Verantwortung ernst nimmt, spiegelt sich in der Empfindlichkeit des Messgeräts wider, mit dem Uden den Leitungen folgt. „Dieser Sensor kann eine Teilchendichte von einem ppm, also einem Teilchen auf einer Million Teilchen, registrieren“, sagt der Gasspürfachmann. „Zum Vergleich: Die feinsten menschlichen Nasen schaffen so um die 200 ppm.“

Der Gasspürer legt seine Prüfung alle vier Jahre neu ab

Doch ein blindes Verlassen allein auf die Technik gibt es nicht; der korrekte Umgang mit den Gerätschaften hat jederzeit gewährleistet zu sein. Also hält sich auch Stefan Uden ständig technisch auf dem Laufenden. „Und alle vier Jahre muss ich meine Prüfung zum Gasspürer neu ablegen. Das ist angesichts der Verantwortung, die wir in diesem Job tragen, auch völlig legitim“, sagt der Mann, der sich durch seinen Job über mangelnde Fitness nicht beklagen kann.

Rund 220 Kilometer Leitungsstrecke soll Uden bis Oktober im Kreis Pinneberg abgehen. „Im Jahr gehe rund
800 Kilometer reine Leitungsstrecke ab – davon etliche Meter doppelt, rauf aufs Grundstück und wieder zurück zur Straße. Drei Paar Schuhe verbrauche ich da schon im Jahr…“

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