Kreis Pinneberg

Tote Tante: Neffe aus Holm muss lebenslang in Haft

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Alexander Sulanke
Burkhard M. zum Auftakt des Mordprozesses im Landgericht Münster mit seinen Hamburger Verteidigern (v. l.) Dietmar Cyrus und Matthias Domsch.

Burkhard M. zum Auftakt des Mordprozesses im Landgericht Münster mit seinen Hamburger Verteidigern (v. l.) Dietmar Cyrus und Matthias Domsch.

Foto: Alexander Suanke / Alexander Sulanke

Landgericht Münster spricht Burkhard M. aus Holm wegen Mordes schuldig. Leiche von Agnes Maria M. war in Appen gefunden worden.

Münster/Holm.  Burkhard M. aus Holm bleibt im Gefängnis, nach aktuellem Stand der Dinge sogar für sehr, sehr lange Zeit. Der 52-Jährige ist am Donnerstag vor dem Landgericht Münster des Mordes aus Habgier für schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Die Richter gehen davon aus, dass der Wirtschaftsingenieur am 2. August vergangenen Jahres seine damals 68 Jahre alte Tante Agnes Maria M. tötete, die ein 25.000-Euro-Darlehen fristgerecht von ihm zurückgefordert hatte.

„Die Kammer ist davon ausgegangen, dass er seine Tante mit der Vorstellung besucht hat, sie umzubringen“, sagt der Münsteraner Gerichtssprecher Steffen Vahlhaus gegenüber dem Abendblatt. „Er hat vorher eine Plane und Seile gekauft.“ Sie hätten zunächst im Haus der Tante gemeinsam gegessen, „dann hat er sie mit den Händen erwürgt.“

Burkhard M. plante den Mord an seiner Tante

Erwiesen ist das allerdings nicht. Wie berichtet, hat der Ende Februar begonnene Prozess nicht einen einzigen Beweis, zum Beispiel DNA-Spuren, hervorgebracht. „Die Kammer hat aber viele einzelne Umstände gewürdigt“, sagt Gerichtssprecher Vahlhaus und nennt beispielhaft drei.

Da ist das Tatmotiv. So sei die Rückzahlung des schriftlich fixierten Darlehens für kurz vor der Tat vereinbart gewesen, M. habe aber kein Geld gehabt, um die Summe zurückzuzahlen. „Außerdem war er der Letzte, der seine Tante lebend gesehen hat“, so Vahlhaus weiter. „Sein Handy und das der Tante haben gleichzeitig das Haus verlassen“, das hätten Auswertungen ergeben. „Und die Wohnung der Toten sah aus, als sei sie überstürzt verlassen worden. Das passte nicht zu ihr.“ Schließlich spreche der Ablageort der Leiche gegen Burkhard M.

Eine Spaziergängerin fand Agnes Maria M. am 30. August tot an einem Teich nahe dem Schäferhofweg bei Appen, 292 Kilometer von ihrem Wohnort im Münsteraner Stadtteil Kinderhaus entfernt; nach Überzeugung des Gerichts hat Burkhard M. sie am 2. August im Kofferraum seines Autos gen Norden geschafft und dort abgelegt. Zum Zeitpunkt des Leichenfunds richteten sich bereits seit mehr als zwei Wochen Ermittlungen der Mordkommission gegen den Holmer.

Holmer hat bis zum Schluss seine Unschuld beteuert

Er galt zu diesem Zeitpunkt bereits als Beschuldigter, als die Person, die etwas mit dem Verschwinden seiner Tante zu tun haben könnte. Am 14. August früh am Morgen hatten Kriminalbeamte seine weiße Doppelhaushälfte in einer Sackgasse in Holm durchsucht, seinen Firmenwagen vom Typ Volvo V 90 zur Spurensicherung mitgenommen und dann auch den 52-Jährigen gebeten, zur Vernehmung mit zur Polizeiwache zu kommen. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei nahm ihn am Morgen des 4. September zu Hause in Holm fest, er kam in Münster in Untersuchungshaft.

Burkhard M. hat die Tat bis zum Schluss bestritten, auch wenn der Selbstverteidigungsexperte, der beim TSV Wedel unterrichtet hatte, vor Gericht lange „Verteidigen durch Schweigen“ vorzog. Erst gegen Ende des Prozesses sagte er aus, und auch am Donnerstag beteuerte er in seinem letzten Wort noch einmal seine Unschuld. Dabei bestritt er niemals, in Münster gewesen zu sein und seine Tante besucht zu haben.

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Seine Version der Geschehnisse ergibt sich aus einem Protokoll, das auf Ersuchen der Münsteraner Polizei am 9. August im ersten Stock des Pinneberger Polizeireviers erstellt wurde; damals hatte M. noch Zeugenstatus. Seiner Schilderung zufolge fuhr er am 2. August nach Münster, weil sich seine Tante von ihrer Tochter Nele und ihrem neuen Freund – eine Internetbekanntschaft aus dem Ruhrpott – bedroht fühlte. Was lag denn in so einer Situation auch näher, als ihr mal ein bisschen Selbstverteidigung beizubringen?

Burkhard M.s Verteidiger kündigt Revision an

Sie hätten zusammen zu Mittag gegessen. „Nach dem Essen haben wir geübt“, auch, wie man sich aus einem Würgegriff am Hals befreit, sagte M. dem im Prozess verlesenen Protokoll zufolge damals. Aber: „Ich habe sie nie wirklich gewürgt.“ Danach will Burkhard M. wieder nach Hause gefahren sein – ohne tote Tante im Kofferraum seines Volvos. Er hätte noch mal zu ihrem Haus zurückfahren wollen, es jedoch nicht getan. Deshalb mache er sich Vorwürfe.

Burkhard M.s Verteidiger hatten schon vor dem Urteilsspruch angekündigt, im Falle einer Verurteilung in die Revision gehen zu wollen.

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