Wedel

Der „Batavia“-Käpt’n zeigt seinen Kuba-Film

| Lesedauer: 4 Minuten
Kitty Haug
Hannes Grabau bereist die Insel Kuba in den Wintermonaten 1993 und 1994 mit einer Videokamera im Gepäck und drehte einen Film über das Leben und Überleben der Menschen auf der Karibik-Insel.

Hannes Grabau bereist die Insel Kuba in den Wintermonaten 1993 und 1994 mit einer Videokamera im Gepäck und drehte einen Film über das Leben und Überleben der Menschen auf der Karibik-Insel.

Foto: Hannes Grabau

Hannes Grabau bereiste Kuba 1993 und 1994. Er zeigt diesen Sommer auch noch andere Filmschätze aus seinem Bestand.

Wedel. Die rote „Batavia“ im Aue-Hafen ist Kneipe, Theater, Musikdampfer, Szenetreff, Ausflugsziel, Galerie und aus Wedel so wenig wegzudenken wie der Roland oder das Schulauer Fährhaus. Der Platz vor dem idyllisch gelegenen Theaterschiff ist in den Sommermonaten aber auch ein Freiluftkino: Wenn langsam die Sonne untergeht und die letzten Sonnenstrahlen die Wedeler Marsch erhellen, rollt das Team um Hannes Grabau die Leinwand aus – und das seit 45 Jahren.

Auch in diesem Jahr organisiert „der Käpt’n“, wie Hannes Grabau respekt- und liebvoll genannt wird, das beliebte Freilichtkino. Vier Termine sind bislang vorgesehen. Den Auftakt bildet die zweiteilige Wedel-Nacht, die bereits am vorherigen Sonnabend startete. „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Ich habe mich entschieden, in diesem Jahr Filme zu zeigen, die wir in der Konserve haben“, so der Theaterchef. „Ich bin ein sparsamer Mensch. Die Leihgebühren für neue Produktionen sind einfach zu teuer. Die Corona-Krise hat auch uns getroffen“, erklärt der Schiffseigner. „Aber, wir haben nicht geklagt.“ Die Zeit des Shutdown wurde für Renovierungsarbeiten genutzt. Jeden Tag waren Handwerker an Bord, während Kapitän Grabau nach dem Rechten sah und kräftig mit anpackte. „Jetzt ist alles wieder gut“, so der 80-Jährige. Er freut sich, dass zum ersten Open-Air-Event am Sonnabend, 3. Juli, 60 Gäste kamen.

Die Filme wurden von Wedeler Bürgern gespendet

Vor 45 Jahren fing er mit dem Freilichtkino an der „Batavia“ an. Seitdem versammeln sich Jahr für Jahr bis zu 300 Cineasten vor dem Kulturdampfer, um Komödien, Dramen oder auch filmische Raritäten über die Leinwand flimmern zu sehen. Grabau verdient mit dem Freilichtkino am Brooksdamm nichts, wie er sagt. Wenn es gut laufe, bleibe eine schwarze Null stehen. Kein Wunder: Eintritt kann Grabau auf dem öffentlichen Platz nicht verlangen, lediglich eine Sparbüchse stellt er hin. Kosten für Aufbau, Gastrokräfte und (vor Corona) Vorführgebühren bleiben an ihm hängen, auch wenn es schüttet und keiner kommt. Es ist die große Leidenschaft zum Freiluftkino, die Grabau seit Jahrzehnten trotzdem an diesem Format festhalten lässt. Und, „es sind Filme, die ich immer schon mal zeigen wollte“. So wie bei der Wedel-Nacht-Reihe.

Gezeigt werden am kommenden Freitag, 10. Juli, historische Filmaufnahmen von 1936 bis heute über Wedel. Es sind Kurzfilme, die der Cineast von Bürgern der Rolandstadt geschenkt oder gespendet bekommen hat. In den historischen Aufnahmen geht es unter anderem um das Reepschlägerhaus oder das Ernst Barlach Haus. Die Filme sind „ein Muss für Neubürger und alteingesessene Wedeler“.

Auch ein Auswanderer-Film wird gezeigt

Am Sonnabend, 18. Juli, steht ein Werk von Filmemacher und Regisseur Ronald Urbanczyk über deutsche Auswanderer, die zum Teil schon seit den 70er-Jahren auf der Aussteigerinsel La Gomera leben und arbeiten, auf dem Programm. In „Wenn der Winter zum Sommer wird“ erzählen Hippies, Rebellen, Künstler und Menschen ihre ganz persönliche Geschichten über das Valle Gran Rey.

Zum Abschluss des Open-Air-Spektakels flimmert der Streifen „Cuba libre“ über die Leinwand. Es ist eine 90-minütige musikalische Reisegeschichte von Havanna nach Santiago de Cuba. Diese Eigenproduktion drehte der Theaterchef während seiner Kuba-Reisen 1993 und 1994 und berichtet darin über das Leben und Überleben der Menschen auf der Karibik-Insel.

Die Vorstellungen beginnen um circa 22 Uhr. Sie finden nur bei guten Wetter statt, und die Plätze müssen vorbestellt werden. Es gelten die dann vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln.

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