Kreis Pinneberg

Der Ehrenbürgermeister und der teuerste Skat seines Lebens

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Karl-Heinz Weinberg war 26 Jahre Moorreger Bürgermeister. Jetzt ist er Ehrenbürgermeister.

Karl-Heinz Weinberg war 26 Jahre Moorreger Bürgermeister. Jetzt ist er Ehrenbürgermeister.

Foto: Thomas Pöhlsen

Moorreger CDU-Politiker während der Kontaktbeschränkung mit Skatfreunden im Gemeindehaus erwischt. Wie viel er zahlen muss.

Moorrege.  Der Moorreger Ehrenbürgermeister muss büßen. 180 Euro hat die Kreisverwaltung Karl-Heinz Weinberg für einen Verstoß gegen die Corona-Regeln aufgebrummt. Auf Abendblatt-Anfrage bestätigt der im März zurückgetretene Christdemokrat den Erhalt des Bußgeldbescheides. „Thema durch“, kommentiert der 77-Jährige.

Weinberg hatte seine im Dorf wohlbekannte Skatrunde aus Kaufleuten und Handwerksmeistern während der Corona-Beschränkungen ins damals geschlossene gemeindliche Zentrum An’n Himmelsbarg eingeladen. Damit hatten sie gegen die Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes verstoßen. Ausgerechnet der nach seinem Rücktritt amtierende Bürgermeister Carsten Niedworok (FWM) erwischte die Honoratioren­runde. Niedworok hatte einst den Vorsitz der Moorreger CDU nach einem Streit mit Weinberg und weiteren Parteifreunden hingeschmissen, war aus der Partei ausgetreten und gehörte zu den Gründern der Wählergemeinschaft.

Weinberg hat die 180 Euro schon bezahlt

Weinberg, der mehr als 26 Jahre an der Spitze der Gemeinde stand und dafür während der jüngsten Ratssitzung zum Ehrenbürgermeister gewählt worden war (wir berichteten), hat nach eigenen Angabe das Bußgeld genauso bezahlt wie die anderen Teilnehmer der Skatrunde. Ein bisschen scheint ihn die Angelegenheit doch zu wurmen, denn an die Adresse von Niedworok und Rainer Jürgensen, Amtsdirektor des Amtes Geest und Marsch Südholstein, sagt er noch: „Vielen Dank, dass sie das an den Kreis gemeldet haben.“

Es ist kein Einzelfall, der Kreis Pinneberg hat nicht nur gegen Weinberg und seine Skatfreunde ermittelt, sondern insgesamt 85 Bußgeldverfahren wegen Verstößen gegen die Corona-Regeln eingeleitet.

50 Verfahren wegen Missachtung des Versammlungsverbots

Nach Angaben des Kreissprechers Oliver Carstens richten sich allein 50 Verfahren gegen die Missachtung des Versammlungsverbotes. Das heißt, zu viele Menschen aus unterschiedlichen Familien oder Haushalten hatten sich auf Kreisgebiet getroffen – und wurden dabei vom Ordnungsamt oder der Polizei erwischt. Jedem Beteiligten droht nun ein Bußgeld in Höhe von 150 Euro.

„Derzeit verlässt viel Post das Kreishaus“, hat Kreissprecher Carstens dem Abendblatt Ende Juni gesagt. „Wir verfolgen alle Verfahren strikt, es wird keine Ausnahmen geben.“

Die Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsverbot beziehen sich unter anderem auch auf die sogenannten „Corona-Partys“ der Vergangenheit. Wie berichtet, hatten sich vor allem Jugendliche über die geltenden Verbote hinweggesetzt und gemeinsam alkoholgeschwängerte Partys unter freiem Himmel gefeiert.

( pö/nib )

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