Tourismus

Helgoland putzt sein Entree heraus

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Joana Ekrutt
Helgolands Tourismusdirektor Lars Johannson im Hafen, der derzeit noch eine Baustelle ist.

Helgolands Tourismusdirektor Lars Johannson im Hafen, der derzeit noch eine Baustelle ist.

Foto: Joana Ekrutt / HA

Binnenhafen soll neues touristisches Zentrum werden. Die Insel berappelt sich nach Corona-Shutdown langsam wieder.

Helgoland.  Beim Einlaufen in den Hafen von Helgoland erwartet Besucher derzeit ein getrübter Anblick. Baustellenkräne und Absperrgitter statt freier Sicht auf die bunten Hummerbuden. Doch auch ohne Großbaustelle waren der Südhafen, an dem die Schiffe vom Festland anlegen, und der Binnenhafen, den man auf dem Weg ins Zentrum passiert, nicht gerade eine Augenweide. Das soll sich künftig ändern.

„Der Plan ist, dass der gesamte Hafen zur nächsten Saison nutzbar gemacht wird und der Binnenhafen das neue touristische Zentrum Helgolands wird“, sagt Hotelier und Ur-Insulaner Detlev Rickmers, der insgesamt sieben Hotels und einen Fischimbiss in einer der Hummerbuden betreibt und einer Familie entstammt, deren Geschichte auf der Insel 500 Jahre zurückreicht. Trotz seiner Liebe zu Helgoland sieht er im Hafenbereich im Vergleich zu anderen Inseln einen entscheidenden Nachteil: „Der Hafen wurde baulich bedingt nicht genutzt. Hier konnte man nicht flanieren und keinen Kaffee mit Blick aufs Wasser genießen.“ Und: „Die Gäste kommen an der schlechtesten Ecke an, die Helgoland zu bieten hat.“

Börteboote dürfen zurzeit nicht genutzt werden

Um ein touristischeres Hafenerlebnis entstehen zu lassen, wird das Hafenbecken ausgebaggert und tiefer gelegt, damit dort in Zukunft auch Sportboote festmachen können. Zudem wird die Mole saniert und wird ein Weg mit hellen Holzbohlen vom Südhafen zum Binnenhafen angelegt, der als Flaniermeile dienen und mehr Platz zum Laufen und Sitzen bieten soll. Mit den Veränderungen erhoffe man sich auch mehr Ansiedelung von Geschäften und Gastronomie in den teils ungenutzten Hummerbuden. „Der Frachtverkehr soll raus, damit aus dem Gewerbehafen ein touristischer Hafen wird“, fasst Helgolands Tourismusdirektor Lars Johannson zusammen. Kostenpunkt für die Umbauten: Rund 40 Millionen Euro.

Außer der Baustelle müssen Besucher der Insel derzeit noch eine weitere Einschränkung in Kauf nehmen. Aufgrund der Corona-Pandemie können die traditionsreichen Börteboote, die sonst zwischen dem Südhafen und der Landungsbrücke hin und her schippern, um die Passagiere von den ankommenden Schiffen auf die Insel zu bringen, nicht fahren. Wann sie wieder genutzt werden können, ist noch nicht absehbar. „Die Börteboote an sich sind wichtig für uns. Nicht zuletzt deshalb, weil sie seit 2018 immaterielles Kulturerbe sind“, sagt Johannson. „Wir hoffen, dass wir die Tradition über Corona hinaus erhalten können.“ Da allerdings nicht klar ist, wann das „ausbooten“, also der Personentransport vom Anleger mit den kleinen Schiffen, wieder möglich ist, werde alternativ auch über deren Nutzung für Angel- oder Inselrundfahrten nachgedacht.

Obwohl Helgoland seit dem 18. Mai wieder besucht werden kann, hat die Corona-Pandemie nach wie vor auch entscheidenden Einfluss auf das Gästeaufkommen. Zwar dürfen Hotels unter Einhaltung der geltenden Hygieneregeln wieder alle Zimmer vermieten, doch für die Schiffe, die die Insel ansteuern gilt das nicht. Sie dürfen nur die Hälfte der möglichen Passagiere transportieren, was eine nur 50-prozentige Auslastung der Insel zur Folge hat. „Durch die Begrenzung der Schiffskapazität haben wir auf Helgoland nicht das Problem, dass wir zu volle Strände haben“, scherzt Tourismusdirektor Johannson. Doch das sei auch nicht der Fall, wenn die Insel komplett voll ist. „Wer Strand will und Abstand sucht, ist hier genau richtig.“

Gästerückgang um 99 Prozent während des Shutdown

Während des Shutdown hatte Helgoland jedoch mit weit gravierenderen Einbußen zu kämpfen. „Im April 2020 hatten wir im Vergleich zu 2019 einen Gästerückgang von 99,1 Prozent.“ Die langfristigen Folgen für Hoteliers, Händler und Gastronomen seien noch nicht abschätzbar. „Noch ist keiner insolvent, aber die Einbußen waren teilweise massiv. Wir müssen gucken, ob alle den Winter überstehen“, so Johannson. Die Nachfrage nach einem Inselbesuch bleibt jedoch ungebrochen. Auch wenn die Schiffe derzeit nur 50 Prozent ihrer Kapazitäten zur Verfügung stellen, seien diese komplett ausgebucht. „Man sollte rechtzeitig ein Ticket buchen.“

Die neue Hafenmeile soll 2021 nach insgesamt dreijähriger Bauzeit fertig sein. Hotelier Rickmers glaubt: „Damit erfüllen wir einen wichtigen Punkt in der Erwartungshaltung der Gäste für ein gelungenes Urlaubserlebnis.“ Schon jetzt hat die Insel jedoch ein entscheidendes Argument für Besucher: „Wir sind und waren komplett Corona-frei.“

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