Kreis Pinneberg

Rellingen sagt dem Dauerstau den Kampf an

Bürgermeister Marc Trampe (l.) und Bauamtsleiter Tom Rasmussen an der Kreuzung Hauptstraße/Tangstedter Chaussee in Rellingen.

Bürgermeister Marc Trampe (l.) und Bauamtsleiter Tom Rasmussen an der Kreuzung Hauptstraße/Tangstedter Chaussee in Rellingen.

Foto: Katja Engler

Nach jahrzehntelanger Diskussion rückt Umbau der Kreuzung Hauptstraße/Tangstedter Chaussee in greifbare Nähe. Im Oktober geht’s los.

Rellingen.  Den gordischen Knoten von Rellingen zu durchschlagen dürfte nicht leicht gewesen sein, aber jetzt ist es gelungen: Ab sofort können sich alle Autofahrer, die sich tagaus, tagein durch den Ort quälen, darauf freuen, dass der Verkehr auf der Hauptstraße demnächst besser fließen wird. Der jahrzehntelang diskutierte Wunsch, die Kreuzung mit der Tangstedter Chaussee umzubauen, rückt jetzt nämlich in greifbare Nähe. Dass Bürgermeister Marc Trampe viel zum Gelingen beigetragen hat, versucht der vergeblich zu verschweigen.

„Die Kreuzung ist für uns ein Jahrzehnte-Projekt“, sagt Trampe. „Im Ort ist sie der neuralgische Punkt, wo die Hauptstraße auf die Kreisstraße trifft.“ Das ist sofort zu sehen: Sogar nach Abklingen des Berufsverkehrs stauen sich am Montagvormittag an dieser Stelle eigentlich ständig die Autos. Die Straße trage eine besonders hohe Verkehrslast, weil Rellingen – Fluch und Segen – ringsum von vier Abfahrten der Autobahn 23 umgeben sei, sagt Trampe. „Das dürfte in dieser Dichte deutschlandweit einmalig sein.“ Pluspunkt sei, dass Rellingen dadurch schnell und von vielen Seiten erreichbar sei.

„Wenn’s aber Probleme auf der Autobahn gibt, merken wir das entweder auf der Kellerstraße in Krupunder oder eben auf der Hauptstraße, die ja die offizielle Umleitungsstraße ist“, so Trampe. Schon lange ist das Problem an der Kreuzung bekannt. Im ersten Schritt waren vor ein paar Jahren andere Ampeln aufgestellt worden. Statt zwei Fußgängerampeln hatte die Gemeinde drei Übergänge geschaffen, „dadurch haben sich Erleichterungen ergeben“, erklärt Bauamtsleiter Tom Rasmussen. Letztlich seien das aber nur Versuche gewesen, den Verkehrsfluss im Bestand zu optimieren. Halbherzige Versuche, wie die darauf folgenden Jahre gezeigt haben. Denn auf der verkehrsplanerischen Skala steht der Rellinger Knotenpunkt auf der allerletzten Stufe, ist also „nicht leistungsfähig“, so Rasmussen.

Fakt ist, dass aus Pinneberg kommend auf der winzigen Linksabbiegerfläche vor der Ampel Richtung Tangstedter Chaussee nur ein einziges Fahrzeug Platz hat und der Verkehr sich deshalb ständig zurückstaut. Das soll sich künftig ändern, vorausgesetzt, das Land stimmt den Plänen zu. Die Umsetzung liegt eh bei der Gemeinde Rellingen, die Kosten von gut 500.000 Euro trügen dann aber das Land und der Kreis. „Das Land hat uns in Aussicht gestellt, dass wir die Genehmigung für die Umbauten bekommen“, sagt Trampe.

Den drei Rellinger Grundstückseigentümern, die jeweils ein paar entscheidende Quadratmeter an die Gemeinde verkauft haben, ist der Bürgermeister „sehr dankbar“. Um wen es sich dabei handelt, darüber sei Stillschweigen vereinbart worden, ebenso über die Kosten. Künftig soll die Linksabbiegespur so verlängert werden, dass darauf fünf bis sechs Fahrzeuge Platz haben, sie würde dann etwa in Höhe Lohhof beginnen.

Damit das Ganze überhaupt umsetzbar wird, muss das Eiscafé die Tische der Außengastronomie anders aufstellen und verliert vor allem Parkplätze direkt vor der Tür. Die verschwinden aber nicht, sondern werden etwas weiter Richtung Pinneberg verlegt und bleiben auf derselben Seite. Künftig wird dort geparkt, wo jetzt die Bushaltestelle Tangstedter Chaussee ist. Diese Bushaltestelle wiederum wandert ebenfalls – um etwa 30 Meter in Richtung Pinneberg. Der Bus hält dann fortan auf der Straße, was aber nichts ändert, denn schon jetzt passt bei Gegenverkehr kaum ein Auto am haltenden Bus vorbei. Die Genehmigung dafür hat der Eigentümer erteilt, das letzte Grundstück für die gesamte Baumaßnahme hat die Gemeinde am vergangenen Freitag erworben.

„Das ist jetzt nicht die ganz große Lösung, wird die Situation aber deutlich verbessern“, sagt Marc Trampe. Sein Bauamtsleiter ergänzt: „Der Umbau wird zur Verstetigung des Verkehrs führen“. Damit meint er: Der Verkehr fließt, es gibt deshalb weniger Stopps, weniger Anfahrten, Abgase und Lärm. Den Baubeginn schätzt Tom Rasmussen auf Mitte bis Ende Oktober – „wenn alles glatt geht.“ Der Herbst wurde gewählt, um dem allseits beliebten Eiscafé nicht das Sommergeschäft zu verderben. Die Ausschreibungen sind bereits in Vorbereitung.

„Wir haben jetzt ein Paket geschnürt, wo die Nachteile ausgeglichen werden“, meint der Bürgermeister. Die Straße komme zwar dem Eiscafé und dem Orthopädie-Schuhfachgeschäft Tritschoks näher, das werde aber durch Vorteile kompensiert und bringe auf jeden Fall „kaum Beeinträchtigungen“. Wegen der begrenzten Fläche seien dort nicht alle Wünsche erfüllbar, Rasmussen nennt da den Kompromiss eines gemeinsamen Fuß- und Fahrradweges. An dieser Stelle habe der Autoverkehr baulich den Vorrang, für Radfahrer verbessere sich leider nichts. „Eine Landesstraße hat ja auch primär die Funktion, überörtlichen Verkehr aufzunehmen“, sagt Rasmussen.

Um die Umbauten machen zu können, sind Teil- und sogar Vollsperrungen des Kreuzungsbereiches unvermeidlich. Rasmussen: „Wie und über welche Nebenstraßen wir dann umleiten, müssen wir mit den Fachbehörden beim Kreis besprechen. Vorübergehend wird es da zu Beeinträchtigungen kommen.“ Danach läuft es dann um so besser.