Pinneberg

Kommt der Gebühren-Erlass für die Außengastronomie?

| Lesedauer: 4 Minuten
Katja Engler
Mohammad Mohammadi, Geschäftsführer des Restaurants R 3 in der Pinneberger Innenstadt, das seit einigen Wochen wieder geöffnet hat.

Mohammad Mohammadi, Geschäftsführer des Restaurants R 3 in der Pinneberger Innenstadt, das seit einigen Wochen wieder geöffnet hat.

Foto: Katja Engler

Ratsversammlung entscheidet am Donnerstag, ob sie die durch Corona-Krise gebeutelten Gastronomen der Stadt entlasten möchte.

Pinneberg.  Gastronomie und Hotellerie sind von den Folgen der Corona-Pandemie mit am stärksten betroffen. Das macht der Pinneberger Wirtschaftsförderer Marco Bröcker auf Nachfrage deutlich. Heute entscheidet die Ratsversammlung, ob den Pinneberger Gastwirten und Bäckereien die Sondernutzungsgebühren für Außengastronomie dieses Jahr erlassen werden sollen.

Bröcker hatte sich neben anderen dafür eingesetzt, das Geld nicht einzuziehen: „Die Gastronomie ist zur Belebung der Innenstadt ganz wichtig“, sagt er. „60 Prozent der Besucher nutzen das gastronomische Angebot, kaufen dann aber noch in dem einen oder anderen Geschäft ein“, so der Wirtschaftsförderer. Das geht aus einer Umfrage von 2018 hervor, als Pinneberg sogar noch um einige Gastro-Attraktionen ärmer war. „Deshalb ist Gastronomie für uns unter anderem so wichtig“, sagt Bröcker. Die Stadt sei von Verbänden angeschrieben worden, die die schwierige Situation geschildert hätten.

„Elmshorn hat einen ähnlichen Beschluss gefasst, das war ein bisschen unser Vorbild“, sagt Bröcker. Gerade Gastronomen mit Außenflächen könnten die Abstandsregeln leichter einhalten und kämen so besser wieder auf die Füße. „Dort ist das auch leichter zu bewerkstelligen, weil so weniger Ansteckungsgefahr herrscht.“ Auch habe er beobachtet, dass „die Gäste in Restaurants, die anfangs noch sehr zurückhaltend waren, zunehmend wieder Vertrauen fassen“.

Um wenigstens für ein kleines bisschen Entlastung zu sorgen, die Innenstadt zu beleben und „mögliche Leerstände als Folge von Insolvenzen oder Schließungen zu reduzieren“, empfiehlt die Verwaltung folgerichtig, „die gastronomischen Betriebe von der Gebühr (...) zu befreien“, so die Beschlussvorlage.

Dieser Gebührenerlass für Gastronomen erstreckt sich ausschließlich über die Innenstadt, also über den Fahltskamp, den Rübekamp, die Dingstätte und die Bismarckstraße. Insgesamt elf Restaurants, Bäckereien und Cafés betreiben in der Pinneberger City Außengastronomie. Die Gebühren liegen zwischen 100 und 3000 Euro, je nach Fläche und Nutzungszeitraum. Der Stadt würden durch den Beschluss Einnahmen von 9684 Euro entgehen. „Eine überschaubare Summe“, meint Bröcker.

Pinneberger Neu-Gastronomen wie Reza Zare, der mit 17 Jahren Gastro-Erfahrung im Rücken sein italienisches Restaurant R 3 (hausgemachte Pasta und Pizza) an der Dingstätte im April 2019 eröffnet hatte, hatte während des Corona-Lockdown komplett zu. Er findet es „sehr fair, dass man jetzt zu solchen Maßnahmen greifen will, um uns entgegenzukommen. Wir sitzen alle im selben Boot: Einzelhandel, Gastronomie ...“ Seit drei Monaten hat Zare privat keinen Cent verdient, die Restaurant-Miete wurde gestundet, „die muss ich aber bis Ende 2020 zurückzahlen.“ Außerdem hätten viele Firmen wegen Corona ihre Weihnachtsfeiern verschoben, weshalb das Gastro-Jahr 2020 schon so ziemlich gelaufen sei. „Solche Hilfen sind also notwendig, sonst haben wir hier noch höhere Kosten als ohnehin“, sagt Zare.

Bröckers Gespräche mit Pinneberger Gastwirten haben ein sehr unterschiedliches Bild ergeben. „Einige sehen das sehr dramatisch, andere bleiben da nüchterner. Je weniger Außengastronomie vorhanden ist, desto schwieriger ist es“, so Bröcker. Anzeichen für eine Schließung gebe es in seinen Augen bisher aber nicht.

Im Gegenteil geht es mit der Gastronomie in Schleswig-Holstein bergauf: Neue Lockerungen erlauben, dass Restaurants, Bars und Kneipen im Land von Montag an wieder rund um die Uhr geöffnet haben dürfen. Auch Büfetts sollen wieder möglich sein.

„Alle nun anstehenden Schritte können wir nur gehen, weil die Menschen in Schleswig-Holstein so diszipliniert sind“, sagt Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Er hoffe, dass die Menschen weiterhin so verantwortungsvoll mit den neuen Freiheiten umgehen. „Vergessen Sie bitte auch bei schönem Wetter und dem verdienten Feierabendgetränk nicht die immer noch nötigen Abstands- und Hygieneregeln!“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg