Kreis Pinneberg

Corona-Festival: Zuschauen per Livestream

| Lesedauer: 5 Minuten
Joana Ekrutt
Sängerin Jasmina Will wird von Ralf Götzenberger am E-Piano begleitet.

Sängerin Jasmina Will wird von Ralf Götzenberger am E-Piano begleitet.

Foto: Medienkapitän / Instagram:@wir.sind.elmshorn

Elmshorner Stadtblog-Gründer lassen beim „Streamstival“ lokale Künstler im Liether Wald auftreten. Projekt soll zu Serie ausgebaut werden.

Elmshorn. Leises Vogelgezwitscher, Sonnenlicht, das durch Baumkronen bricht, grüne Blätter, die sich sanft im Wind wiegen – mittendrin ein weißes E-Piano und ein Mikrofon. Eine besondere Bühne in besonderen Zeiten. „Spiel mir ein Lieth“ heißt das Format, dass sich die Betreiber des Instagram-Accounts „Wir sind Elmshorn“ ausgedacht haben. Die Idee: Künstler treten im Liether Wald auf und die Konzerte werden per Livestream auf dem Instagram-Blog übertragen. Ein Festival unter Einhaltung der geltenden Kontaktbeschränkungen.

„Streamstival“ nennen die Elmshorner Stadtblog-Betreiber ihr Corona-Musik-Projekt. Ein gestreamtes Non-Profit-Festival. „Die Kulturszene benötigt in Zeiten von Corona Unterstützung auf beiden Seiten: Die Bands wollen live auftreten – die Fans wollen die Musik konsumieren“, erklärt Alex Matzkewitz, der die Veranstaltung moderiert und mit seinen vier Kollegen Sascha Heydorn, Simon Heydorn, Aldan Rohlfs sowie Filmproduzent Florian Nickel das „Streamstival“ auf die Beine stellt. Sie alle sind Teil der Online-Marketing-Agentur „Medienkapitän“, die sich aus dem Elmshorner Blog-Projekt entwickelt hat.

„Spiel mir ein Lieth“ ist an diesem Sonnabend bereits in die zweite Runde gestartet. Trat bei der Premiere vor rund einem Monat noch ein Musiker auf, waren es dieses Mal gleich vier. „Es sollte wie ein Festival in digitaler Form rüberkommen“, so Matzkewitz. „Wir haben in der Corona-Zeit gemerkt, dass Livestreams beliebter geworden sind.“ Insgesamt viereinhalb Stunden übertrugen die „Medienkapitäne“ die Auftritte der Künstler live aus dem Wald. Im Anschluss war das Mini-Festival noch 24 Stunden als Aufzeichnung auf dem Instagram-Kanal abrufbar.

Das Line-Up bestand mit der Sängerin Jasmina Will, Lokalmatador Frank Ramson, Sänger und Gitarrist Luki Drop und Rapper Ilatch aus Elmshorner Musikern. In den Umbaupausen gaben Poetry-Slammer aus der Region ihre Texte zum Besten. Ralf Götzenberger von der Modern Music School Elmshorn unterstützte das Projekt neben Einlagen am Klavier auch mit seinem Know-How, um einen guten Klang bei der Übertragung zu gewährleisten. Daran haperte es laut ein paar Zuschauern, zumindest bei den ersten beiden Songs der „Spiel mir ein Lieth“-Premiere. „Wir sind offen für Kritik“, betont Werbetexter Matzkewitz. Der Austausch mit der Instagram-Community liege den Stadtblog-Gründern besonders am Herzen. „Dieses Mal haben wir nur Lob bekommen.“ In den heimischen Gärten sei demnach richtige Festival-Stimmung aufgekommen.

Und auch den Musikern hat der Auftritt im Grünen gefallen: „Mitten im Wald ohne viel Publikum, aber vor einigen Kameras zu spielen und zu singen, war mal etwas ganz anderes und für mich total neu“, sagt Sängerin Jasmina Will. „Es war eine tolle Erfahrung und ich würde es wieder machen – auch nach Corona.“ Für Rapper Ilatch sei auch der lokale Aspekt von Bedeutung: „Elmshorn bedeutet mir alles und hier fing alles an. Man spürt diese Energie hier im Wald und dann noch das gute Wetter. Ein sehr besonderer Auftritt.“

Sonntagmittag hätten sich bereits rund 700 Personen den Livestream oder die Aufzeichnung des kleinen Festivals auf Instagram angesehen, sagt Matzkewitz. „In Zeiten, in denen Großveranstaltungen nicht stattfinden können, erreicht man auf diese Weise viele Leute.“ Mittlerweile hätten sich auch Firmen bei den Medienprofis gemeldet. „Wir haben bereits einige Anfragen von potenziellen Kunden erhalten, die ebenfalls gerne für ihre Followerschaft live gehen möchten.“

Daneben hätten sich viele regionale Künstler gemeldet, die ebenfalls Lust haben, im Wald aufzutreten. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele Leute in Elmshorn gibt, die Musik machen“, sagt Matzkewitz und lacht. Aus der „Schnapsidee ohne Alkohol“ planen die „Medienkapitäne“ jetzt eine Reihe zu machen. „Am liebsten einmal im Monat.“

Schlechtes Wetter schreckt die Initiatoren dabei nicht ab. „Wir haben ja das Blätterdach, da ist auch ein bisschen Regen nicht schlimm. Und über das Technikpult stellen wir einfach einen Pavillon.“ Die Ideen gehen den „Wir sind Elmshorn“-Gründern jedenfalls nicht aus. So werde sich bereits über einen „Night-Stream“, eine Übertragung bei Nacht mit besonderer Ausleuchtung, oder einen Winter-Livestream im Schnee Gedanken gemacht. Langfristig soll auch über die Stadtgrenzen hinaus geblickt werden. „Für nächstes Jahr haben wir bereits bundesweit bekannte Top Acts angefragt“, so Matzkewitz.

Die dritte Folge von „Spiel mir ein Lieth“ soll bereits Ende Juli an den Start gehen. Alle Auftritte können auch zeitversetzt auf dem „Medienkapitän“-YouTube-Channel angeguckt werden. Das Ziel der Elmshorner: „Diese Stadt weiter zu digitalisieren und gleichzeitig für eine tolle, kulturelle Unterhaltung für Jedermann zu sorgen.“

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