Kreis Pinneberg

Neubaupläne: „Kultdisco Eberts“ in Schenefeld droht das Aus

| Lesedauer: 4 Minuten
So kennen die meisten Besucher die Disco „Eberts“ in Schenefeld – ein Hort der guten Laune (hier an Silvester).

So kennen die meisten Besucher die Disco „Eberts“ in Schenefeld – ein Hort der guten Laune (hier an Silvester).

Foto: Eberts

Der Eigentümer plant einen Abriss. Danach sollen auch Wohnungen entstehen. Dann wäre kein Platz mehr für laute Partys.

Schenefeld. Ist das das Ende eines der letzten großen Vergnügungstempel im Kreis? Der Schenefelder Rat hat während seiner Sitzung am Donnerstagabend eine Änderung des Bebauungsplanes für den Bereich Friedrich Ebert-Straße/Lornsenstraße mehrheitlich beschlossen. In den Gebäuden befindet sich derzeit unter anderem die Discothek „Eberts“. Der Immobilienbesitzer will den Komplex abreißen. Nach dem Abriss soll dort ein Gebäude für kombiniertes Wohnen und Gewerbe entstehen.

Der bestehende Bau sei in die Jahre gekommen und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr sanierbar, erläuterte der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, Mathias Schmitz (Grüne). Es gebe in der Immobilie Leerstand. Der Besitzer sieht nur eine Möglichkeit: abreißen und neu bauen. Dazu muss der Bebauungsplan geändert werden. Für das Vorhaben nördlich der Friedrich-Ebert-Allee auf Höhe der Hausnummern 3 bis 9 ist ein dreigeschossiges Gebäude plus Staffelgeschoss mit einem Innenhof geplant. 53 Wohnungen auf gut 5000 Quadratmetern sollen entstehen.

189 Parkplätze sind vorgesehen – mehr als jetzt

Dazu kommen noch einmal 2000 Quadratmeter für Gewerbe. Der gesamte Planungsbereich umfasst knapp 6500 Quadratmeter. Zweifelhaft, ob Schlaf suchende Bewohner und Partygänger nebeneinander existieren können.

Während der Beratungen im Februar war der Anteil der Gewerbeflächen kritisch diskutiert worden. Die Architektin hatte daraufhin die Pläne überarbeitet. Die neue Planung führt zu einem Verlust an Gewerbeflächen von 15 Prozent auf dem Gesamtgrundstück. Auf dem Gelände sollen zudem 189 Parkplätze entstehen, zwölf mehr als vorhanden. Damit werden die Forderungen der Stadt übererfüllt. Während den Ausschussberatungen im Februar war das Verhältnis noch schlechter, die Architektin hatte auch diesen Punkt zur Ratssitzung nachgebessert. Ebenfalls Nachbesserungsbedarf hatten die Politiker in dem Bereich Versiegelung gesehen, die um 15 Prozent reduziert wurde.

Im Parterre sind Geschäfte geplant, in den oberen Stockwerken Wohnungen. Nach Ansicht von Schmitz könnten das derzeit in dem Komplex befindliche Restaurant und der Blumenladen einen Platz im neuen Gebäude finden. Mit dem modernisierten Rewe-Markt auf dem gleichen Grundstück sowie weiteren Discountern und Einzelhandelsgeschäften in unmittelbarer Nähe würden attraktive Einkaufsmöglichkeiten entstehen, sagte der Ausschussvorsitzende. „Es würde den Bereich enorm aufwerten.“

Schießerei brachte die Disko in die Schlagzeilen

Kritik an den Plänen kam vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Hans-Jürgen Rüpcke. „Das wird das Gebiet total verändern.“ Aus dem Gewerbegebiet wird faktisch ein Mischgebiet von Wohnen und Gewerbe. In seinen Augen sollte es in diesem Bereich keine Wohnbebauung dieses Ausmaßes geben. Außerdem ist das Gebäude für den Christdemokraten viel zu groß und zu wuchtig im Vergleich zu den Gebäuden der näheren Umgebung geplant.

Probleme könnte es mit einem in unmittelbarer Nähe befindlichen metallverarbeitenden Betrieb geben. Rübcke befürchtet eine Einschränkung der gewerblichen Nutzung in diesem Bereich, wenn in unmittelbarer Nähe Menschen wohnen. „Es ist erschreckend, wie mit Einzelanforderungen umgegangen wird, ohne auf das Ganze zu schauen.“

Rübcke monierte, dass so tiefgreifende Veränderungen erfolgen ohne die Verabschiedung eines Stadtentwicklungskonzeptes abzuwarten.

Zu den weiteren Plänen – und damit auch zur Zukunft des Eberts – möchte sich Oliver zur Mühlen für den Besitzer des Komplexes, der Grundstücksgesellschaft Schumacher, nicht äußern. Die der Stadt eingereichten Unterlagen bezeichnet er als „Idee“. Es müsse gesehen werden, wie sie umgesetzt werden kann.

Das Eberts ist der Dino unter den Diskotheken im Großraum Hamburg. 1988 in einem ehemaligen Möbelmarkt eröffnet, hat es sich als eine feste Anlaufstelle für Nachtschwärmer etabliert. Das Eberts hatte den Ruf, ein guter Ort für einsame Herzen zu sein, die nicht mehr einsam bleiben wollen. Unter den Schenefelder hieß es, dort geht „man“ nicht hin. In der Stadt zeigte man sich allerdings immer wieder gut informiert, was im Eberts gerade los war. Auf dem in den vergangenen Jahren stetig schrumpfenden Markt der Tanztempel konnte es sich behaupten. Traurige Bekanntheit über die Stadtgrenzen hinaus erlangte die Disco 2015 durch eine Schießerei im Eingangsbereich. Derzeit ist die „Kult-Disco“, wie sie von dem Betreiber genannt wird, Corona-bedingt geschlossen. Die Geschäftsführerin des Eberts war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

( HA )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg