Kreis Pinneberg

Moorrege wählt einen neuen Bürgermeister

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Thomas Pöhlsen
Der neue Bürgermeister Wolfgang Balasus (CDU, l.) und Carsten Niedworok (FWM).

Der neue Bürgermeister Wolfgang Balasus (CDU, l.) und Carsten Niedworok (FWM).

Foto: Thomas Pöhlsen

Die pensionierte Realschulrektor und CDU-Politiker Wolfgang Balasus ist neues Gemeindeoberhaupt von Moorrege. Er will Eintracht statt Zwist.

Moorrege.  Kampfabstimmungen, rechtliche Streitigkeiten, Sitzungsunterbrechung, Palaver um Tagesordnung und Veranstaltungsort sowie einige Zuschauer, denen wegen der Corona-Regeln der Zutritt zum Versammlungsort verwehrt wurde: Die Gemeinderatssitzung zur Wahl des neuen Moorregen Bürgermeisters am vergangenen Mittwochabend war über weite Strecken von politischem Hickhack geprägt. Am Ende stand dann aber ein eindeutiges Wahlergebnis – und mit Wolfgang Balasus (CDU) ein Gemeindeoberhaupt, das eine neue Form des politischen Miteinanders beschwor.

Los ging es mit einem längeren Disput zwischen dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Jan Schmidt und dem amtierenden Bürgermeister Carsten Niedworok (FWM). Der Christdemokrat kritisierte den zu kleinen Versammlungsort der Turnhalle der Grundschule. Außerdem hatte Niedworok ursprünglich vorgesehene Tagesordnungspunkte gestrichen. Niedworok verteidigte sich mit Hinweis auf die Corona-Regeln des Landes. Schmidt hatte Niedworok schon im Vorfeld der Sitzung kritisiert, weil der Freie Wähler die Bürgermeisterwahl verzögert habe (das Abendblatt berichtete). Auf Antrag von Schmidt wurde die Tagesordnung mit den Stimmen von CDU, Grünen und SPD erweitert und umgebaut.

Dann schlug Schmidt den gerade als Ersatz für Weinberg in den Rat eingezogene Wolfgang Balasus als Bürgermeister vor, FWM-Sprecher Michael Adam nominierte Ulrich Möller. Beide Bewerber verzichteten auf eine persönliche Vorstellung. Mit den Stimmen der die Geschicke der Gemeinde lenkenden Allianz aus CDU und Grünen sowie der SPD wurde Balasus gewählt. In seiner Antrittsrede versprach er, „jederzeit ein offenes Ohr für die Bürgerinnen und Bürger zu haben, sowohl für Sorgen und Nöte, als auch für Ideen und Vorschläge“. Er wünsche sich einen „Dialog auf Augenhöhe“ und wolle sich in Einzelne, Andersdenkende und Minderheiten hineinversetzen, mit ihnen gemeinsam nach Lösungen suchen. Es sei ihm ein wichtiges Anliegen, mit der Gemeindevertretung zu kooperieren.

Der öffentliche Streit in der SPD ist noch nicht beigelegt

Der pensionierte Realschulrektor setzt auf vertrauens- und respektvollen Umgang. Balasus will kein Einzelkämpfer sein. Er sieht sich selbst „als Mannschaftsspieler, der von jetzt an die Spielführerbinde trägt“. Balasus strich Sachkompetenz, Engagement und Loyalität der Mitarbeiter des Amtes Geest und Marsch Südholstein heraus, auf die er in Zukunft angewiesen sein wird. Zwar verfüge er nicht über eine langjährige Erfahrung als Gemeindevertreter, aber ein Seiteneinstieg habe auch seine Vorteile. Der Außenblick nehme oft das große Ganze wahr und vermeide Scheuklappen, so der Pädagoge. Der neue Bürgermeister erntete lang anhaltenden Applaus.

Immer wieder für Diskussionen sorgte die zerstrittene SPD-Fraktion. Das begann mit der offiziellen Bekanntgabe des Fraktionsvorsitzenden. Diesen Posten reklamierten sowohl Thomas Kasimir als auch Janina Schildt für sich. Der Alt-Vorsitzende Kasimir war in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von innerparteilichen Gegnern abgewählt und durch Janina Schildt ersetzt worden (wir berichteten). Nach der Prüfung der von beiden Seiten eingereichten Unterlagen kam der Büroleitende Beamte des Amtes Geest und Marsch Südholstein, Frank Wulff, allerdings zu dem Schluss, dass die Wahl von Janina Schildt nicht rechtmäßig zustande gekommen ist. Kasimir bleibt also Fraktionssprecher. Der CDU-Fraktionsvorsitzende versuchte Janina Schildt noch beizuspringen, indem er auf ihre aus seiner Sicht überzeugenden juristischen Expertisen verwies. „Bis zu einer endgültigen Klärung“ müsste jedoch von der Rechtsauffassung des Amtes ausgegangen werden, so Schmidt.

Der öffentliche SPD-Streit ging weiter, als Ausschusssitze eines zum 31. Dezember zurückgetretenen Genossen neu vergeben werden sollten. Kasimir schlug mit Christoph Wulf und Gerd Linkhorst zwei Kandidaten vor, die bereits während eines internen Treffens im Januar gefunden worden waren. Doch nun schlug Janina Schildt mit Peter Gottschalk und Dirk Benisch zwei Vertreter als Gegenkandidaten für die eigenen Parteifreunde vor.

Die Kampfabstimmungen endeten mit Überraschungen. Die offiziellen SPD-Kandidaten Wulf und Linkhorst wurden mit den SPD-Stimmen von Kasimir und Regina Wulff sowie den fünf Freien Wählern gewählt. Gottschalk und Benisch fielen durch.

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