Kreis Pinneberg

Wie Pinnebergs Unternehmen die Krise bewältigen

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Burkhard Fuchs
Sehen Signale einer positiven Entwicklung: Ken Blöcker (v.l.), Michael Hentrich und Sebastian Koch vom Unternehmensverband.

Sehen Signale einer positiven Entwicklung: Ken Blöcker (v.l.), Michael Hentrich und Sebastian Koch vom Unternehmensverband.

Foto: Burkhard Fuchs

Eine Umfrage zeigt, dass Corona zu harten Einschnitten geführt hat. Aber unter den Firmen macht sich auch wieder Optimismus breit.

Kreis Pinneberg. Die Corona-Pandemie und der verhängte Lockdown haben die Betriebe im Kreis Pinneberg hart getroffen. Und zwar in einem ähnlich starken Ausmaß wie es bei der weltweiten Finanzkrise vor elf Jahren der Fall war. Das geht aus der aktuellen Umfrage des Unternehmensverbandes Unterelb-Westküste zur konjunkturellen Lage hervor, an der sich 33 Mitgliedsunternehmen aus dem Kreis Pinneberg beteiligt haben.

Erstmals seit vielen Jahren ist es nicht mehr der große Fachkräftemangel (42 Prozent), der den Unternehmern die größten Sorgen bereitet, sondern die Einschränkungen durch Corona-Schutzmaßnahmen (55 Prozent), fehlende Aufträge (43 Prozent) und gestörte Lieferketten (42 Prozent).

Dank der Kurzarbeiter-Regelung, von der jedes dritte Unternehmen der Region Gebrauch machte, sei bislang aber so gut wie kein Arbeitsplatz im Kreis Pinneberg verloren gegangen, führte Verbandsgeschäftsführer Ken Blöcker aus. „Wir gehen zurzeit davon aus, dass es auch im zweiten Halbjahr nicht zu einer Entlassungswelle kommen wird.“

Auch wenn für viele Betriebe ein Ende der Krise noch nicht in Sicht sei, zeigt die aktuelle Halbjahresumfrage zum Teil „dramatische“ Auswirkungen, was die Einbrüche in Auftragsbestand und Investitionstätigkeit angeht, wovon jeweils etwa vier von zehn Unternehmen akut betroffen seien, so Blöcker. Gleichwohl sage jeder zweite Unternehmer, dass ihn die Corona-Krise überhaupt nicht getroffen hätte (37 Prozent) beziehungsweise die Talsohle bereits durchschritten sei (19 Prozent).

Unternehmen im Kreis sind die zuversichtlichsten der Region

Das mag aber auch damit zu tun haben, erklärt Verbandsmitgeschäftsführer Sebastian Koch, dass unter den 400 Mitgliedern zwar auch Kleinbetriebe und Solo-Selbstständige (zusammen etwa 15 Prozent), aber vor allem große Industriebetriebe seien. Gastronomen und Veranstaltungstechniker, die das ganze Ausmaß der Corona-Verbote zu spüren bekämen, vertrete der Verband kaum.

Und so macht sich bereits erster Zweckoptimismus im Wirtschaftsleben des Kreises Pinneberg breit. Fast jeder zweite befragte Unternehmer (45 Prozent)gehe davon aus, dass die Krise spätestens in einem Jahr wieder vorbei ist. 42 Prozent erwarten das bereits für das laufende Jahr.

Das sei der bei weitem beste Wert in den vier Kreisen Schleswigs-Holsteins, die der Unternehmensverband von Sylt bis Wedel vertritt. Nur in Nordfriesland sind die Unternehmer ähnlich zuversichtlich wie hier. In den Kreisen Steinburg und Dithmarschen glaubt nur jeder vierte bis sechste Betriebschef wieder daran, bis zum Jahresende wieder steigende Aufträge zu erhalten.

Diese positiven Signale bestätigen sich auch bei der Inanspruchnahme von Soforthilfen. Lediglich jeder achte Betrieb im Kreis Pinneberg habe Soforthilfen des Bundes oder Landes in Anspruch genommen, sagt Blöcker. In den Nachbarkreisen sei dieser Anteil mehr als doppelt so hoch gewesen. Entsprechend fürchten hier nur 16 Prozent der befragten Betriebsinhaber um ihre Existenz, während es 84 Prozent nicht tun, was angesichts der hervorragenden Ausgangslage der letzten Boom-Jahre für den Verbandssprecher bereits „die Alarmglocken bei uns schrillen lässt“.

Großes Lob erteilen die befragten Unternehmer vor allem der Bundesregierung, deren Arbeit von 71 Prozent als gut bis sehr gut eingestuft werde. Während die Jamaika-Koalition in Kiel jeweils mit 41 Prozent gut und befriedigend erhält. „Ich hätte nicht gedacht, dass unsere Regierung so handlungsfähig in der Krise ist“, lobt Blöcker die Arbeit der Politik. Auch die Hilfsgelder seien in den meisten Fällen schnell und flexibel ausgezahlt worden.

Zudem habe sich in der Corona-Krise der „große Vorteil“ unseres Sozialsystems gezeigt, in dem 36 Prozent der Betriebe durch Kurzarbeit Entlassungen verhindern konnten, sagt Koch. Denn wegen des akuten Fachkräftemangels wollen weiterhin nur drei Prozent der Unternehmen im Kreis Pinneberg Personal abbauen und 92 Prozent an der Zahl ihrer Ausbildungsstellen in diesem Jahr festhalten.

Großer Gewinner der Krise ist auch die Heimarbeit. 84 Prozent der befragten Betriebe bieten inzwischen ihren Mitarbeitern Homeoffice an. Vor einem halben Jahr waren das erst 58 Prozent im Kreis Pinneberg. „Aber einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice lehnen wir ab“, sagt Blöcker.

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