Wedel

Neue Elblinie: Premierenfahrt mit dem Katamaran „Japsand“

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Thomas Pöhlsen
Kapitän Tom Oldenburg aus Bremen ist der Mann am Steuer der „Japsand“

Kapitän Tom Oldenburg aus Bremen ist der Mann am Steuer der „Japsand“

Foto: Thomas Pöhlsen

Auf der Strecke Hamburg-Wedel-Stade wurde ein neuer, größerer Katamaran in Dienst gestellt. Das ändert sich.

Wedel.  Wer den etablierten Hamburger Fährleuten Konkurrenz machen will, muss sich erst einmal mit einem Platz am Rand der Fahrrinne zufriedengeben, also quasi am „Katzentisch“. Während die Hadag-Schiffe an der Flussseite des Pontons vor der Hamburger Fischauktionshalle anlegen und flott weiterfahren können, hat die „Japsand“ landseitig festgemacht. Zu ihrer Premierenfahrt muss Kapitän Tom Oldenburg den Katamaran erst zeitraubend rückwärts ausbugsieren und in den Fluss drehen. Dabei schaukelt es ein wenig. Doch dann geht es los, stromabwärts.

Mit der „Japsand“ erweitert die Watten Fährlinie ihr Angebot. Im Juli des vergangenen Jahres starteten die „Elblinien“, so der Name des Angebots der Reederei mit Sitz in Husum, in der Metropolregion. Die „Liinsand“, die zwischen dem Hamburger Fischmarkt, dem Willkomm Höft und Stadersand pendelt, hat am Freitagmorgen Verstärkung bekommen.

Die „Japsand“ fährt die gleiche Strecke, allerdings in umgekehrter Richtung. „Damit verdoppeln wir die Frequenz und halbieren die Wartezeit an den Anlegern“, sagt Geschäftsführer Sven Jürgensen. Die Verbindung zwischen Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg, Elbe-City-Jet genannt, war nach zehn Jahren Pause im August 2019 von den Watten Fährlinien wieder aufgenommen worden.

Zurzeit ist die Reederei noch in der Erprobungsphase

Dass die erste Fahrt zwar per Pressemitteilung und auf der Website des Anbieters angekündigt worden ist, allerdings ohne Passagier stattfindet, kann der Kapitän verschmerzen. „Das Schiff wird schrittweise in den Liniendienst überführt“, erklärt er. Abläufe werden erprobt, Zeiten müssen überprüft werden. Mit diesen Erfahrungen wird der Fahrplan bei Bedarf optimiert. Fahrgäste müssen in dieser Erprobungsphase damit rechnen, dass noch nicht alles hundertprozentig funktioniert.

Als wichtigste potenzielle Störfaktoren für einen geregelten Fährverkehr macht Superintendent Detlef Reiser die größten und die kleinsten Schiffe auf der Elbe aus. „Wenn einer der dicken Pötte auf der Elbe dreht, kann das zu Verzögerungen führen“, sagt der Mann, der in seiner Funktion als Nautiker die Fahrzeiten ausgerechnet hat.

Ferner sorgen sich überschätzende Freizeitskipper mit ihren Manövern manchmal für Stress. Ein weiteres Problem für einen Schiffsführer auf der Elbe kann das hohe Verkehrsaufkommen sein, sagt der Käpt’n. Wenn im Sommer viele Ausflugs-, Segel- und Motorboote unterwegs sind, zudem bei Hochwasser die großen Containerschiffe ein- oder auslaufen, kann es schon mal eng werden auf dem breiten Fluss.

Am Premierentag der „Japsand“ geht es allerdings beschaulich zu. Ein, zwei kleinere Schiffe sind in Sicht, ein Ausflugsdampfer überholt, ein paar Segelboote und zwei Kajaks ziehen vorbei. Und ein hölzerner Kutter mit den ausladenden Fischnetzen tuckert vorbei. Mehr maritimes Flair geht nicht auf der Elbe. Die „Japsand“ ist mit gemächlichen 9,2 Knoten unterwegs. Zehn Knoten sind höchstens erlaubt, erklärt der Kapitän.

Etwas überraschend ist, dass achtern der Danebrog flattert. Die Erklärung gibt der Kapitän. Das Schiff wurde in Dänemark gekauft, die Umflaggung – ein bürokratischer Prozess – nimmt Zeit in Anspruch. Im kommenden Jahr soll die „Japsand“ unter Deutscher Flagge fahren. Mit 19,85 Meter Länge bietet sie maximal 118 Passagieren Platz. Außerdem ist die Mitnahme von bis zu 30 Fahrrädern möglich. Die „Liinsand“ ist für maximal 50 Fahrgäste und 15 Fahrräder ausgelegt.

Wegen der Corona-Regeln fahren zurzeit sowohl „Japsand“ als auch „Liinsand“ mit reduzierter Anzahl von Sitzplätzen.

Unterwegs begegnet die „Japsand“ noch zwei weiteren Schiffen. Auf Höhe des Leuchtfeuers Wittenbergen kommt das Schwesterschiff entgegen. Die beiden Schiffe sind übrigens auf Namen von Sandbänken im friesischen Wattenmeer getauft worden. Und kurz nach dem Ablegen in Schulau überholt der „Halunder Jet“ auf seinem Weg nach Helgoland.

Gut eine Stunde dauert der Törn

„Aktive Menschen“ macht der Superintendent als potenzielle Kunden aus. Das beginnt bei den 30-Jährigen. Und ein 100-Jähriger konnte auch schon an Bord begrüßt werden, so Reiser. Kapitän Oldenburg, der zusammen mit dem Ersten Offizier Per Blum und dem Schiffsmechaniker Moritz Hoppe die Crew bildet, fuhr im vergangenen Jahr bereits auf der „Liinsand“. „Rentner, Ausflügler, Fahrradfahrer“ machte er als die drei wichtigsten Nutzergruppen aus. In der aktuellen Situation ist nach Auskunft Reisers aber die Zurückhaltung der Menschen spürbar. Wirtschaftliche Ziele möchte sich der Watten-Fährlinien-Geschäftsführer deswegen nicht setzen. „In Zeiten von Corona ist das unmöglich geworden“, so Jürgensen.

Gut eine Stunde braucht die „Japsand“ vom Hamburger Fischmarkt nach Wedel. 40 Minuten dauert der Törn dann noch bis Stade. Ohne Halt in Wedel geht es zurück zum Hamburger Fischmarkt in 70 Minuten.

Der Kapitän des Katamarans kommt übrigens aus der Stadt, der die größte Konkurrenz zu Hamburg nachgesagt wird, nicht nur in allen maritimen Dingen. Oldenburg ist gebürtiger Bremer. Nach der Realschule lernte er Schiffsmechaniker. Dann ging’s zur Schifffahrtsschule. Die Konkurrenz der Hansestädte sieht Oldenburg gelassen. „Beide Städte haben ihre schönen Seiten“, sagt er entspannt.

Mit dem Stade Marketing und Tourismus hat die Reederei von der Nordseeküste einen starken Partner an der Elbe gefunden. So können Tickets nicht nur über die Fährdienst-Website, sondern auch über die Touristiker aus dem Alten Land gebucht werden. Außerdem werden gemeinsam Sonderfahrten angeboten. Und die Niedersachsen können mit einem weiteren Pfund wuchern. Busse der KVG Stade bringen die Fahrgäste von der Anlegestelle Stadersand in die Kreisstadt. Die beiden Endpunkte des Elbe-City-Jets mit den Hansestädten Hamburg und Stade sind die wichtigsten Stationen der Elblinien. Hauptsächlich stiegen die Passagiere in Stade und Hamburg-Fischmarkt zu, so Reiser. In Wedel am Willkomm-Höft sind es nur wenige Ausflügler. Wenn es um die Werbung geht, sind die Wedeler allerdings top. Die einzigen Flyer, die derzeit auf der „Japsand“ eingesammelt werden können, stammen vom Schulauer Fährhaus.

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