Kreis Pinneberg

107 Fälle seit März: Klinik baut Corona-Infrastruktur ab

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Joana Ekrutt
Dr. Stefan Sudmann ist Chefarzt der Zentralen Notaufnahmen Elmshorn und Pinneberg und Leiter des Krisenstabs.

Dr. Stefan Sudmann ist Chefarzt der Zentralen Notaufnahmen Elmshorn und Pinneberg und Leiter des Krisenstabs.

Foto: Christina Clasen

Der Covid-19-Patienten vorbehaltene Standort Elmshorn wird wieder normales Krankenhaus, Wedel schließt im August.

Elmshorn. Rund 200 Umzugskartons, 250 medizinische Geräte und mehr als 800 Mitarbeiter: Die Einrichtung eines Covid-19-Zentrums in der Elmshorner Regio Klinik war mit einem gewaltigen logistischen Aufwand verbunden. Nun heißt es: Alles und alle zurück. Die Regio Kliniken sind dabei, die Versorgungsnormalität wieder herzustellen. Der Umzug der urologischen Abteilung von Pinneberg zurück nach Elmshorn ist bereits vollzogen. Alle anderen Abteilungsumzüge folgen nun sukzessive und sollen bis Ende Juli/Anfang August bewältigt sein.

„Jetzt stellen wir uns auf eine neue Situation ein und halten uns an das landesweite Ampelkonzept. Derzeit befinden wir uns in einer grünen Phase. Das heißt, dass wir 15 Prozent der Intensivkapazitäten dauerhaft vorhalten müssen. Binnen 24 Stunden müssen wir die Kapazitäten um weitere 10 Prozent erhöhen“, sagt Dr. Stefan Sudmann, Chefarzt der Zentralen Notaufnahmen der Regio Kliniken und Leiter des Krisenstabs.

Einrichtung geschah unter enormem Erfolgsdruck

Durch die Einrichtung eines Covid-19-Zentrums sollte die wichtige Trennung von Corona-Patienten und denen ohne Infektion bestmöglich vollzogen werden. „Wir hatten eine Ahnung davon, was geschehen könnte, da wir gesehen haben, was in China und Italien passiert ist“, so Sudmann. Viel Zeit, sich auf das Schlimmste einzustellen, gab es jedoch nicht. „Statt einer monatelangen Vorbereitung mussten wir den Umzug unter enormem Zeitdruck organisieren und innerhalb von zehn Tagen vollziehen.“

Insgesamt wurden in den vergangenen Wochen 107 bestätigte Corona-Patienten im Elmshorner Klinikum behandelt. „Das Haus Elmshorn wurde komplett auf die Versorgung von Covid-Patienten und Covid-Verdachtspatienten ausgelegt, das sind 249 Betten“, sagt Birga Berndsen, Sprecherin der Regio Kliniken.

Zwischen dem 15. März und dem 15. Mai wurden in Elmshorn insgesamt 673 Patienten mit körperlichen Symptomen behandelt. Diese vergleichsweise große Zahl erklärt sich dadurch, dass auch Menschen mitgezählt werden, die gleich zu Beginn dieses Zeitraums aufgrund der politischen Vorgaben zur Kapazitätenerweiterung nach und nach entlassen oder verlegt wurden.

Strategie mit dem Corona-Zentrum war richtig

Zu den 107 Covid-19-Patienten sei eine große Menge an Verdachtsfällen mit entsprechenden Symptomen gekommen, die aber nicht positiv getestet wurden. „Wir hätten deutlich mehr Beatmungspatienten behandeln können“, sagt Gundolf Thurm, Geschäftsführer der Regio Kliniken. An der Strategie der Einrichtung eines Corona-Zentrums hält er auch rückblickend fest: „Unser Motto ist es, vor der Lage zu bleiben. Wir wollten uns lieber auf ein zu großes Szenario einstellen als abzuwarten und überrollt zu werden.“

Dieses Motto sei vor allem in Anbetracht der dynamischen Entwicklung der Fallzahlen im Kreis Pinneberg wichtig gewesen. „Die Umzüge waren ein sehr großer Schritt. Im Nachhinein war es der richtige Schritt.“ Auch das Land sei von größeren Fallzahlen ausgegangen. „Zu Beginn des Lockdown waren Kliniken angehalten, ihre Intensivkapazitäten zu verdoppeln.

Diese Vorgabe gibt es so aktuell nicht mehr“, sagt Thurm. In einer Anlage zu einem entsprechenden Erlass des Landes zur regelhaften Krankenhausversorgung in Schleswig-Holstein vom 30. April heißt es bereits: „Erfreulicherweise gestaltet sich die Entwicklung der Covid-19 Fallzahlen bisher weit weniger dramatisch als befürchtet.“

Patienten kommen wieder in die Notaufnahme

Neben den zahlreichen Lockerungen in anderen Lebensbereichen scheint also auch in den Krankenhäusern wieder etwas Normalität einzukehren. „Wir verzeichnen bereits einen deutlichen Anstieg von Patienten in den Notaufnahmen. Es ist gut, dass Patienten mit hochakuten Krankheitsbildern wieder zeitnah den Weg in die Klinik finden“, so Chefarzt Sudmann, der dennoch betont: „Das Thema Corona ist nicht weg. Wir beobachten das Geschehen sehr genau.“

Aufgrund der aufgestockten Kapazitäten sollen Corona-Patienten künftig auch weiterhin in Elmshorn behandelt werden. Allerdings soll dies auch wieder für Patienten aller Fachrichtungen unabhängig von einer Coronavirus-Infektion gelten. „Am Standort Elmshorn haben wir einen Bereich für Covid-Patienten definiert. Nicht positiv getestete Patienten werden in einem komplett abgetrennten Bereich behandelt. Auch alle Nicht-Covid-Patienten brauchen in Elmshorn keine Angst zu haben.“

Aktuell wird in den Regio Kliniken kein Corona-Patient mehr behandelt. „Wir haben Glück gehabt, da wir knapp an der Welle vorbeigekommen sind“, sagt Sudmann. Geschäftsführer Thurm hofft, dass ein erneuter Umzug demnach nicht nötig ist: „Wir arbeiten jetzt in vom Land definierten regionalen Clustern. Wenn die Kapazitäten erreicht sind, werden Patienten in andere Kliniken verlegt.“

Als Nächstes will der Klinikkonzern das Lungenzentrum in Elmshorn etablieren. „Die zwei letzten in Wedel ansässigen Abteilungen ziehen im August um: die Palliativstation nach Pinneberg, die Geriatrie nach Elmshorn“, sagt Thurm. Und: „Die Mitarbeiter haben fantastisch mitgewirkt.“

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