Kreis Segeberg

Tornesch: Anschlag mit Auto nicht nachweisbar

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Das Landgericht in Itzehoe (Symbolbild).

Das Landgericht in Itzehoe (Symbolbild).

Foto: Bodo Marks / dpa

Anklage nach Auseinandersetzung am Tornescher Bahnhof. Der Hauptvorwurf wird fallengelassen: Angeklagten sei kein Vorsatz nachzuweisen.

Tornesch/Itzehoe.  Nach einer Auseinandersetzung auf dem Bahnhofsvorplatz in Tornesch vom 2. November 2019 gingen die Ermittler anfänglich von einem versuchten Tötungsdelikt aus. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe in der Sache Anklage erhoben – und diesen Vorwurf fallengelassen. „Ein Vorsatz war dem Angeklagten nicht nachzuweisen“, so Peter Müller-Rakow, Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe.

Kurz nach 21 Uhr an diesem Sonnabend war es auf dem Bahnhofsvorplatz zu einer Auseinandersetzung von Mitgliedern zweier Familien gekommen, die seit langem miteinander im Streit liegen. Mehrere Personen schlugen mit Schlagwerkzeugen auf einen zum damaligen Zeitpunkt 20-jährigen Mann ein, der sich wiederum mit Pfefferspray zur Wehr setzte.

Schließlich setzte sich ein heute 22 Jahre alter Mann hinter das Steuer eines Wagens und steuerte diesen direkt auf das Opfer, das hinter einem Betonpoller Schutz gesucht hatte. Laut der damaligen Polizeimeldung soll der Autofahrer versucht haben, den Kontrahenten „gezielt und bewusst zu überfahren“. Der Wagen habe jedoch nur frontal den Betonpoller getroffen, hinter dem sich das Opfer in Sicherheit gebracht hatte. Danach sei der heute 22-Jährige mit dem Fahrzeug geflohen, ehe er im Rahmen einer Fahndung gestellt werden konnte.

Einen Tag nach der Tat erließ ein Richter gegen den Autofahrer einen Haftbefehl wegen versuchten Totschlags, die weiteren Ermittlungen übernahm die Mordkommission Itzehoe. Doch während der Hergang unstrittig war, kamen bald Zweifel auf, ob der junge Mann sein Fahrzeug tatsächlich als Mordwaffe einsetzen wollte. „Letztlich konnten wir ihm das nicht nachweisen“, so Müller-Rakow weiter.

Die Angaben des Beschuldigten, er sei von dem Pfefferspray im Gesicht getroffen worden und habe daher kaum noch sehen können, wohin er fuhr, seien nicht zu widerlegen gewesen. Daher kam der heute 22-Jährige bereits wenige Wochen nach Erlass des Untersuchungshaftbefehls wieder auf freien Fuß. Ihm wird jetzt nur noch eine gefährliche Körperverletzung zu Lasten des Opfers vorgeworfen sowie eine Unfallflucht, weil er nach dem Unfall mit dem Poller geflüchtet ist.

Zwei weiteren 25 und 39 Jahre alten Männern wird in Zusammenhang mit der Auseinandersetzung ebenfalls ein Körperverletzungsdelikt vorgeworfen. Alle Angeklagten stammen aus Uetersen beziehungsweise aus Hamburg. Die Anklage wurde zum Strafrichter beim Amtsgericht Elmshorn erhoben. Ein Verhandlungstermin in dieser Sache steht noch nicht fest.

( kol )

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