Pinneberg

An Pinnebergs Bahnhof geht es spürbar voran

| Lesedauer: 5 Minuten
Katja Engler
Diese fünf Männer sind momentan dabei, den Bahnsteig eins mit einer neuen Decke zu versehen. Auch in brütender Hitze.

Diese fünf Männer sind momentan dabei, den Bahnsteig eins mit einer neuen Decke zu versehen. Auch in brütender Hitze.

Foto: Katja Engler

Über den Bahnsteigen 4 und 5 ist gerade das neue, 130 Meter lange Dach installiert worden. Im Spätsommer 2021 soll alles fertig sein.

Pinneberg.  20.000 Pendler passieren jeden Tag den Pinneberger Bahnhof und müssen sich seit Herbst 2018 über eine Baustelle quälen: Kommt eine S-Bahn an, gehen sie massenhaft über den teils abgeriegelten, aus zerbrochenen Gehwegplatten bestehenden Fußweg und die Straße. Oft müssen sie rennen, um ihren am ZOB wartenden Bus noch zu kriegen. Das Ende dieser Situation ist aber absehbar, die Modernisierung und der barrierefreie Ausbau nehmen langsam Gestalt an. Schritt für Schritt wird es dort komfortabler und schöner. Ein Baustellenbesuch.

Zurzeit sind 25 Bauarbeiter rund um den Bahnhof im Einsatz. Sie haben in den vergangenen Tagen die Bahnsteigkanten an den Gleisen 3, 4 und 5 fertiggestellt. Allein fünf Arbeiter erneuern momentan den Boden an Gleis 1, das im Anschluss eine neue Beleuchtung bekommen soll und weiterhin als Ausweichbahnsteig für die S-Bahnen eher selten genutzt wird.

Die Gleise haben jetzt ein weißes, taktil spürbares Blindenleitsystem auf dem Fußboden. Damit künftig alle Reisenden barrierefrei unterwegs sein können, werden auch die Bahnsteige 2 und 3 erneuert. Bahnsteig 3, 4 und 5 bekommen eine Höhe von 76 Zentimetern über Schienenoberkante, der S-Bahnhof-Bahnsteig 2 behält seine bisherige Höhe von 96 Zentimetern über Schienenhöhe, damit alle Züge barrierefrei erreichbar sein werden.

Um weiterhin einen möglichst reibungslosen Publikumsverkehr zu ermöglichen, wird immer nur auf einer Seite eines Bahnsteiges gearbeitet, der Zugverkehr wird dann über die verbleibende Bahnsteigkante geführt. Am Rand des Bahnhofes auf der Quellental-Seite wird zurzeit ein sogenannter Verbau für die Tunnel-Baugrube zurückgebaut. Dieser wurde zur Stütze der unterirdischen Baustelle eingerichtet, damit die Erde ringsum nicht nachsackt.

Zurzeit sind die Arbeiter unter anderem dabei, das lange Dach über Bahnsteig 4 und 5 fertig zu montieren, wozu Dachstützen, Dacheindeckung und Beleuchtung gehören. Dass ein Teil der Reisenden an Gleis 4 und 5 sich bisher nassregnen lassen musste, wenn sie auf ihre Bahn warteten, ist schon Vergangenheit: Fast der gesamte Bahnsteig ist jetzt überdacht, und in zusätzlichen Wind- und Wetterhäuschen können sich Wartende künftig bequem unterstellen.

Als der Baugrund für das große Bahnsteigdach sondiert wurde, hatten die Fachleute „Hindernisse gefunden“, wie eine Bahnsprecherin sagt. Welcher Art diese Hindernisse waren, erläuterte sie nicht, sie erklärt aber, dass „dadurch die Bauplanung des Bahnsteigdaches angepasst werden musste“. Zudem sei es eine besondere Herausforderung bei diesem Bauvorhaben, „dass ein Großteil der Arbeiten an den Bahnsteigen unter rollendem Rad stattfindet und der aufrecht zu erhaltende Personenverkehr und der Baustellenbetrieb mit besonderer Achtsamkeit miteinander koordiniert werden müssen“.

Wer diesen Bahnsteig weit genug nach hinten geht, kann bereits jetzt die neuen, in zwei Grautönen gehaltenen Treppe hinunterschauen in den noch im Dunkeln liegenden neuen Unterführungsschacht. Die Arbeiten dort drunten am Rohbau der neuen Unterführung sind am langwierigsten, auch jetzt wird dort fleißig gewerkelt. Dieser neue Fußgängertunnel, der wie der alte das Quellental mit der Innenstadt verbindet, wird weiter ausgebaut. Unter anderem bringen die Arbeiter die neue Wandverkleidung an, installieren die Beleuchtung und weiteres für die Telekommunikation. Beide Zugänge zur Unterführung, die nahe dem historischen Bahnhofsgebäude liegen, werden überdacht sein. „Der Zughalt wird dann dementsprechend angepasst“, sagt Bauüberwacher David Salifu.

Im Gegensatz zu jetzt, wo Eltern ihre Kinderwagen und ältere Leute ihre Rollwagen voller Einkäufe über die Treppen wuchten müssen, wird es künftig herrlich einfach: An jeder Zugangsseite des Bahnhofes – also auf der Fahlt-Seite und auf der zum Quellental – wird ein neuer Aufzug eingerichtet, ein dritter wird zwischen Gleis 4 und 5 eingebaut und führt ebenfalls direkt in die neue Unterführung.

Im Juni beginnen die Arbeiter im Tunnel damit, den Bodenbelag einzubauen, außerdem fangen sie mit dem Bau der Fundamente für die Zugangsdächer am Ein- und Ausgang der Unterführung an. Aber auch das niedrigere Dach über den Bahnsteigen 2 und 3 wird hübsch gemacht. Dort werden die Sichtflächen ausgetauscht, neue Lampen und Lautsprecher angebracht. Schon jetzt wurden Zuganzeigen und ein defekter Schalt­kasten repariert, nur die Anzeige über Gleis 3 ist noch kaputt.

Noch im Laufe dieses Jahres beginnen voraussichtlich die Arbeiten am denkmalgeschützten Empfangsgebäude. Die Genehmigungsplanung dafür befinde sich „in den letzen Zügen“, so die Bahnsprecherin. Das Gebäude werde dann komplett entkernt und unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes neu aufgebaut. Maßstab sei dabei der Zustand der Außenfassade aus dem Jahre 1936, der Bau stamme aber eigentlich aus dem Jahre 1844, dem Eröffnungsjahr von Schleswig-Holsteins ältestem Bahnhof in Pinneberg.

Läuft alles nach Plan, wird der gesamte Bahnhof im Spätsommer nächsten Jahres eingeweiht. Die Kosten liegen bei rund 15 Millionen Euro, bezahlt aus Infrastrukturgeld des Bundes und Landesmitteln. 2021 beginnt die Stadt mit dem Ausbau des Bahnhofs-Vorplatzes Süd. Auf der Fahlt-Seite geht es weiter, wenn die Deutsche Bahn fertig ist.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg