Itzehoe/Kreis Pinneberg

Brandstifter von Wedel soll in die Psychiatrie

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Der Gebäudekomplex des Landgerichts in Itzehoe (Symbolbild).

Der Gebäudekomplex des Landgerichts in Itzehoe (Symbolbild).

Foto: Bodo Marks / dpa

Adrian W., der in der Obdachlosenunterkunft Feuer legte, ist gefährlich. Das sehen Staatsanwältin und Verteidiger so. Urteil am Montag erwartet.

Wedel/Itzehoe. „Ich brauche keine Therapie, mit mir ist alles in Ordnung.“ Fast schon so etwas wie Trotz ist aus dem letzten Wort des Angeklagten Adrian W. herauszuhören, der sich wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung vor dem Landgericht Itzehoe verantworten muss. Freitag standen am vierten Prozesstag die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung an – und im Anschluss versuchte der 27-Jährige, nochmals für sich zu werben. „Es tut mir leid, ich werde nie wieder etwas derartiges machen“, brachte der Pole noch heraus.

Zu Beginn des Prozesses hatte er gestanden, am Abend des 26. September 2019 ein Feuer in seinem Appartement in der Wedeler Obdachlosenunterkunft an der Holmer Straße gelegt zu haben. „Mein Mandant sah für sich nur eine Möglichkeit, nämlich das Zimmer in der Unterkunft zu zerstören, weil er dort aufgrund von Streitigkeiten mit den Mitbewohnern nicht mehr leben wollte“, so Verteidiger Henry Brendel.

Er bewertet die Tat als schwere Brandstiftung, jedoch nicht als versuchten Mord. „Mein Mandant hat keinen Brandbeschleuniger benutzt, sondern das Feuer mit Teelichtern gelegt. Die Unterkunft verfügt über Brandschutzwände, es sind in allen Appartements Rauchmelder vorhanden und die Bewohner können über Außentüren sofort ins Freie flüchten.“ Hinzu komme, dass es sich um eine Spontantat handele und Adrian W. ganz erheblich unter Alkoholeinfluss stand. „Einen Tötungsvorsatz weise ich zurück, ein versuchter Mord scheidet aus.“

Eine derartige Verurteilung strebt jedoch Staatsanwältin Janina Seyfert an. Sie sieht das Mordmerkmal des Einsatzes eines gemeingefährlichen Mittels – in diesem Fall das Feuer – als erfüllt an. „Der Angeklagte hat mit seinem Verhalten die Tötung anderer Menschen in Kauf genommen.“ Adrian W. habe ein bewohntes Gebäude angezündet und sein Zimmer verlassen, als der Erfolg der Brandstiftung bereits sichtbar war.

„Das weitere Geschehen war für ihn nicht beherrschbar und eingrenzbar, er konnte nicht wissen, dass der Brand nicht auf andere Gebäudeteile übergreift.“ Laut der Anklagevertreterin hätte das Geschehen „auch ganz anders ausgehen können“. Sie wertete strafverschärfend, dass Adrian W. keinen anderen Ausweg aus seinem Dilemma gesucht habe – und die dutzendfachen Vorstrafen des 27-Jährigen. Strafmildernd sei zu berücksichtigen, dass der Angeklagte zur Tatzeit unter massivem Alkoholeinfluss stand und dieser in Kombination mit der intellektuellen Minderbegabung zur Einschränkung seiner Einsichts- und Steuerungsfähigkeit geführt habe. Seyfert: „Ich schließe mich in diesem Punkt den Einschätzungen des psychiatrischen Sachverständigen an.“

Die Staatsanwältin forderte daher eine Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten. Wegen der Einschätzung des Sachverständigen Professor Arno Deister, der in dem Angeklagten eine Gefahr für die Allgemeinheit sieht und davon ausgeht, dass er zukünftig weitere schwere Straftaten begehen wird, beantragte Seyfert auch die dauerhafte Unterbringung des 27-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus. „Ich halte das nicht für unverhältnismäßig.“

Verteidiger Brendel sieht dies genauso. „Nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich glaube, dort haben Sie die Chance, irgendwann vorbereitet in ihr weiteres Leben entlassen zu werden“, wandte er sich direkt an seinen Mandanten. Die Justizvollzugsanstalten seien reine Verwahrorte. „Nach ihrer Entlassung würden Sie wieder vor den gleichen Problemen stehen, es ist wieder mit erheblichen Straftaten zu rechnen. Ich sehe die Gefahr eines ständigen Rein und Raus.“ Der Aufenthalt in der Psychiatrie werde vermutlich länger dauern als die Haft, sei jedoch für Adrian W. so etwas wie die letzte Chance.

Der jedoch sieht das anders. Wie es die Schwurgerichtskammer sieht, erfahren die Beteiligten am Montag. Dann wird das Urteil verkündet.

( kol )

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