Kreis Pinneberg

Wedel plant Premiumplatz für Wohnmobile

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Joana Ekrutt
Ein ansprechender Platz für Wohnmobile – wie hier der Elbepark am Moorwerder Elbdeich – ist das Ziel der Wedeler Verwaltung für ihre Stadt.

Ein ansprechender Platz für Wohnmobile – wie hier der Elbepark am Moorwerder Elbdeich – ist das Ziel der Wedeler Verwaltung für ihre Stadt.

Foto: Andreas Laible

Konzept einer Tochterfirma der Stadt überzeugt. Stellfläche soll modernisiert und vergrößert werden. Das bisherige Defizit soll sich verkleinern.

Wedel. Größer, schöner, moderner: Der Wedeler Wohnmobilstellplatz an der Ecke Schulauer Straße gegenüber der Badebucht soll in einen „Premiumplatz“ umgewandelt werden. Ohne Gegenstimme votierten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses in der jüngsten Sitzung für ein Betriebskonzept, das die städtische Tochter Badebucht Wedel GmbH vorgelegt hat.

Das Konzept sieht einen Wohnmobilhafen mit 40 statt bislang 20 Stellplätzen und Parzellengrößen zwischen 80 und 120 Quadratmetern in „ansprechender Gestaltung“ vor. Um weiterhin eine alternative Nutzung des Areals als Festplatz zu ermöglichen, sollen mobile Pflanz-Elemente verwendet werden. Für die Organisation von Veranstaltungen ist geplant, dass die Fläche der Stadt pro Jahr für 30 Tage zur Verfügung steht.

Vollautomatische Schranken, W-LAN und Brötchen-Service

Der Wohnmobilhafen soll einen vollautomatischen Schrankenzugang und Kassenautomaten bekommen. Das Marktmeisterhäuschen soll saniert und durch die Ausstattung mit Toiletten, Geschirrspülbecken, Waschmaschine, Wäschetrockner und Hundedusche eine Aufwertung erfahren. Auf dem gesamten Gelände soll eine W-LAN-Nutzung möglich sein, die für jeden Besucher durch einen Zugangscode auf dem Parkticket bereit gestellt wird. Daneben sollen eine Info-Möglichkeit über touristische Attraktionen in der Umgebung sowie ein Brötchen-Service eingerichtet werden. Zu den Öffnungszeiten der Badebucht soll zudem eine Platzaufsicht über Kameras erfolgen.

Synergieeffekte mit dem Betrieb des Wohnmobilstellplatzes erhofft sich die Badebucht Wedel GmbH durch den in die Stellplatzmiete inkludierten Eintritt in das benachbarte Kombibad inklusive der Nutzung von Schwimmbad und sanitären Einrichtungen. Um das zu ermöglichen, setzen die potenziellen neuen Betreiber einen Standplatzpreis von mindestens 17 Euro an – drei Euro mehr als der Durchschnittspreis für Wohnmobilstellplätze, der in einer 2018 erschienenen Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr ermittelt wurde.

In dem vorgelegten Konzept wird von 100 Übernachtungen mit je zwei Besuchern auf jedem der 40 Plätze im Jahr ausgegangen. Geht der Plan mit diesen insgesamt 8000 Gästen auf, würde auch die Badebucht hinzugewinnen. Von der Hälfte der Gäste versprechen sich die Verantwortlichen je zehn Euro Umsatz im Kombibad, was einen zusätzlichen Umsatz von 40.000 Euro für die Badebucht pro Jahr bedeuten würde. Dadurch würde eine Senkung des derzeitigen Defizits der Badebucht ermöglicht werden. Neben der Badebucht war bislang auch der Betrieb des Wohnmobilstellplatzes für die Stadt defizitär. 2018 lag der Verlust bei 24.000 Euro. Auch dieses Defizit soll durch die neuen Pläne künftig nicht mehr anfallen. Die Stadt soll hingegen 14.000 Euro jährliche Pacht und fünf Prozent des Umsatzes erhalten.

Kritik gab es von Seiten der Politik bis auf die Forderung nach einer weiterhin öffentlichen Nutzung der Toiletten-Anlagen nicht am Konzept, jedoch am Verfahren. Grund hierfür ist, dass die Stadt ursprünglich eine Ausschreibung starten wollte, nachdem der Beschluss gefasst war, den Stellplatz künftig nicht mehr selber zu betreiben. In dieser inoffiziellen Phase hätte es bereits einige Interessenten gegeben, sagt Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos). Die Stadtwerke als Muttergesellschaft der Badebucht GmbH hätten ihr Interesse zu diesem Zeitpunkt hingegen noch nicht formuliert. Allerdings legten sie nach einem Wechsel in der Geschäftsführung noch vor Beginn einer offiziellen Ausschreibung ein „aus unserer Sicht erfolgversprechendes Konzept vor“, so Schmidt.

Vor allem die Synergieeffekte mit dem Kombibad hätten die Verwaltung überzeugt. Somit habe die Stadt sich entschieden, das Konzept dem Ausschuss vorzulegen, ohne eine Ausschreibung zu starten. Grünen-Fraktionsvorsitzender Olaf Wuttke, der sich bei der Abstimmung als einziger enthielt, kritisiert diese Vorgehensweise: „Da wir keine Konzepte vergleichen konnten, lässt uns das Verfahren auch keine Wahl.“

Bürgermeister Schmidt hält dagegen, dass der Stellplatz bei den Stadtwerken, die eine Tochtergesellschaft der Stadt sind, im städtischen Eigentum bleiben würde. „Er wechselt nur den organisatorischen Bereich.“

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