Pinneberg

Drostei Barock Festival – endlich wieder Hochkultur live

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Christine Schornsheim zählt zu den international anerkannten Spezialisten auf dem Gebiet der Alten Musik. 

Christine Schornsheim zählt zu den international anerkannten Spezialisten auf dem Gebiet der Alten Musik. 

Foto: Astrid Ackermann / HA

Das kleine, feine Festival für Musikliebhaber findet statt – und steht ganz im Zeichen des Genies Beethoven.

Pinneberg. Eine gefühlte Ewigkeit ist es her, dass ein Veranstaltungstitel nicht mit dem Zusatz „fällt aus“, sondern „findet statt“ versehen worden ist. So wie beim „Drostei Barock Festival“, das vom 14. bis 25. Juni in Pinneberg geplant ist. Wegen der geltenden Abstandsregeln können den drei Konzerten in der Drostei zwar deutlich weniger Besucher lauschen, doch den Veranstaltern sei es wichtig gewesen, mit dem wie geplant stattfindenden Festival, ein positives Signal zu senden – sowohl für die Musiker als auch für die Besucher.

Und so können sich diejenigen, die im Besitz eines Tickets sind, auf ein hochkarätiges und abwechslungsreiches Programm freuen. 2020, das Beethovenjahr, in dem vielerorts Veranstaltungen geplant waren, um den 250. Geburtstag eines der größten Komponisten aller Zeiten zu feiern, soll auch im Barockfestival Würdigung erfahren. Zwar endete die Epoche des Barock vor Beethovens Schaffenszeit, doch die Veranstalter heben hervor, dass zwischen der Fertigstellung der Drostei im Jahr 1767 und Beethovens Geburtsjahr 1770 nur drei Jahre liegen.

Auftakt am 14. Juni

Aus dieser Verbindung entwickelte sich auch das diesjährige Festival-Motto „Fortepiano“, das auf dem sich zu Beethovens Zeit nach und nach durchsetzenden Hammerklavier, aus dem sich das heutige Klavier entwickelte, fußt. Die Neuerung beim Hammerklavier war, dass die Saiten mit einem Hämmerchen angeschlagen werden statt wie bisher beim Cembalo angerissen. Dem Spieler ermöglichte das ein dynamischeres Agieren, was den Namen „Fortepiano“ zur Folge hatte – dem sich das Festival in nun verschrieben hat. Neben historischen Tasteninstrumenten sollen jedoch auch die hauseigenen, modernden Flügel zum Einsatz kommen.

Den Auftakt am Sonntag, 14. Juni, bestreiten die arrivierten Musikerinnen Julia Bartha (Klavier) und Elisabeth Kufferath (Violone) sowie die Schauspieler Julia Hansen und Heikko Deutschmann. Das Matinee-Konzert „An die unsterbliche Geliebte – Beethoven in Musik und Briefen“ widmet sich Beethovens Verhältnis zu Frauen. Neben der musikalischen Komponente steht dabei die Rezitation eines Briefwechsels zwischen Ludwig van Beethoven und Josephine Deym durch Julia Hansen und Heikko Deutschmann im Mittelpunkt.

Von Bach bis Beethoven

Das zweite Konzert „Liederabend – Im Zeichen der Empfindsamkeit“, am Donnerstag, 18. Juni, gestalten die Sopranistin Bettina Pahn und Christine Schornsheim, eine Spezialistin für historische Tasteninstrumente, am Hammerflügel. Im Mittelpunkt der Darbietung der beiden Künstlerinnen, die mit bedeutenden Ensembles Alter Musik international auftreten, steht an diesem Abend das 18. Jahrhundert. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von Johann Friedrich Reichardt, Carl Friedrich Zelter, Joseph Haydn und Louise Reichhardt.

Kein Konzert, aber ein spannender Vortrag mit Musikbeispielen erwartet Besucher am Dienstag, 23. Juni. In „Durch die Nacht zum Licht“ umreißt Stefanie Fricke, künstlerische Leiterin der Drostei, die wichtigsten Stationen aus Beethovens Biografie und verknüpft sie mit seinem Werk. Was macht Ludwig van Beethoven zu einer so zeitlosen Größe? Was hat der Mensch Beethoven mit dem Künstler Beethoven zu tun? Und was ist es, was er uns auch heute noch zu sagen hätte? Der 90-minütige Vortrag verspricht Antworten.

Den Abschlussabend „Clavierabend – Von Bach bis Beethoven“ am Donnerstag, 25. Juni, bestreitet der Pianist Gerrit Zitterbart am Hammerflügel. Zitterbart war schon früh vom „etwas anderen Klang“ historischer Tasteninstrumente fasziniert. Zunächst aber fokussierte er sich auf den „normalen“ Konzertflügel und bereiste die Welt – als Solist und als Pianist des vielfach ausgezeichneten Abegg Trios. 2002 kaufte er sich seinen ersten Hammerflügel. In die Drostei kommt er mit einem Programm, das über Musik von Johann Sebastian Bach bis Ludwig van Beethoven reicht. Das Publikum kann zudem mit Wissenswertem über die Entwicklung des Hammerflügels rechnen.

Karten für die Konzerte können vor Ort in der Drostei oder telefonisch (s. Kasten) vorbestellt werden. Auch für den Vortrag am 23. Juni ist die Vorbestellung einer kostenlosen Einlasskarte nötig. Es wird keine Abendkasse geben.

Wegen der aktuellen Hygienerichtlinien kann die genaue Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze variieren, je nachdem, wie viele Einzelpersonen, Paare oder Familien zu einer Veranstaltung kommen. Um allen Beteiligten ein schönes und sicheres Konzerterlebnis zu ermöglichen, wird die Sitzplatzverteilung durch den Veranstalter vorgenommen.

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