Kreis Pinneberg

Geldsegen vom Bund für die Uetersener Klosterkirche

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Nico Binde
Das bedeutende Deckenfresko dominiert den Blick ins Innere, aber auch der hölzerne Barockaltar ist ein Hingucker. Das Geld für die Sanierung der Uetersener Kirch wird vor allem für das Innere gebraucht.

Das bedeutende Deckenfresko dominiert den Blick ins Innere, aber auch der hölzerne Barockaltar ist ein Hingucker. Das Geld für die Sanierung der Uetersener Kirch wird vor allem für das Innere gebraucht.

Foto: Fabian Schindler / HA

In Uetersen kann die Sanierung des Kulturdenkmals voranschreiten. Der Bund stellte nun Geld aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm zur Verfügung.

Uetersen.  Nach der denkmalgeschützten Hülle kommen nun Teile des nicht weniger bedeutsamen Innenlebens an die Reihe. Der Bund hat angekündigt, die weitere Sanierung der Klosterkirche in Uetersen in diesem Jahr mit fast 350.000 Euro zu unterstützen. Im spätbarocken Gotteshaus müssen vor allem das Mauerwerk, die Heizung, die Beleuchtung und die Elektronik erneuert werden. Das Geld stammt aus dem sogenannten Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes für die Sanierung von bedeutenden Kulturdenkmälern. Insgesamt erhält das Land Schleswig-Holstein daraus 3,8 Millionen Euro (siehe Infotext).

Die spätbarocke Klosterkirche in Uetersen wurde in den Jahren 1748/49 als Kirche des adligen Damenstifts und der Kirchengemeinde gegründet und stellt immer noch eines der hervorragenden Kirchenbauwerke in Schleswig-Holstein dar. Das denkmalgeschützte Gotteshaus konnte schon zwischen 1998 und 2006 in mehreren Abschnitten von außen saniert werden. Seit 2010 wurde sich dem Innenleben gewidmet. Nun geht es dort weiter.

Über den Geldsegen freut sich auch Ernst Dieter Rossmann. Der SPD-Bundestagsabgeordnete des Kreises Pinneberg sei stolz, „dass mein Einsatz für die Maßnahme erfolgreich war und Mittel aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm bewilligt werden konnten.“ Der Parlamentarier hatte sich im Herbst bei einem Vor-Ort-Termin über den Zustand der Kirche informiert und sich von der Notwendigkeit umfangreicher Sanierungsarbeiten überzeugt. „So ist mir die Sache dann auch selbst zu einer Herzensangelegenheit geworden.“

Verschollen geglaubte Sterne tauchten in Kiste wieder auf

Sie ist ja auch schön. Das Tonnengewölbe mit den Gewölbefresko „Verherrlichung der Dreieinigkeit“ von Giovanni Batista Colombo gilt etwa das bedeutendste Deckenfresko in Schleswig-Holstein und war bereits restauriert worden. Schon bei dieser Erneuerung und der folgenden Bauabschnitte war der Kirchengemeinde mit Bundesmitteln geholfen worden. Der Kirchenvorsteher Erhard Vogt und die Gemeindepastorin Kirsten Ruwoldt arbeiteten danach mit einer Facharchitektin an einem Sanierungskonzept, mit dem sie die weitere Sanierung vorantreiben wollten. Mit Erfolg, wie sich jetzt zeigt.

Um die Bedeutung der Klosterkirche zu ermessen, hilft es zu wissen, dass der Uetersener Bau die gleiche Denkmalkategorie aufweist wie der Kölner Dom. Über diesem Status stehe nur: Weltkulturerbe. Nicht von ungefähr gehen die Ursprünge der Klosterkirche genau genommen sogar bis ins Jahr 1235 zurück. Das seinerzeit gegründete Zisterzienserinnenkloster nebst Kirche wurde zur Keimzelle der Stadt Uetersen. Der Grundstein für die Kirche wurde 1239 gelegt.

Die alte Kirche am „Ueterst End“, dem äußersten Ende, war im 18. Jahrhundert aber völlig marode. Eine neue Kirche wurde aus dem Boden gestampft und direkt an die alte Kirche gebaut – zunächst nur als Erweiterungsbau auf dem einstigen Friedhofsgelände. Doch nachdem der heute sichtbare Barockbau 1749 fertiggestellt war, wurde die übrig gebliebene mittelalterliche Kirche abgerissen und zum Friedhofsgelände.

Die „neue“ Klosterkirche ist seither optischer Angelpunkt. Sie gilt als repräsentative, neunachsige Saalkirche über rechteckigem Grundriss. Dabei ist der Kirchturm nicht wie üblich gen Westen, sondern direkt hinter dem Altar auf der Ostseite errichtet worden. Der Haupteingang kam dafür an die Nordseite. „Das prunkvolle Tor nach Norden war der weltliche Zugang in die Kirche, im Süden war der geistliche für die Stiftsdamen“, erklärte Kirchenvorsteher Erhard Vogt einmal dem Abendblatt. Der heutige, schlichte Haupteingang an der Ostseite war bis etwa 1960 nur Nebeneingang.

Im Innern strukturieren umlaufende, marmorierte Emporen auf Holzpfeilern den Raum. Der Marmor ist allerdings nicht echt, sondern gemalt. Damit der Kirchenbau damals finanziert werden konnte, wurden die Logen und Sitzplätze verkauft. Lediglich die Priörin und der König hatten eine eigene Loge.

Exakt 13 goldene Sterne am Deckengewölbe galten lange als verschollen. Sie wurden im 20. Jahrhundert in einer Kiste in einer Ecke der Kirche wiederentdeckt. Im Jahr 2000 wurden schon Kirchenschiffdach und Dachreiter restauriert. Weil die Statik von Beginn an schlecht war, sind die Wände des Kirchenschiffes krumm und schief und müssen gesichert werden.

Die Feuchtigkeit ist auch nach Jahrhunderten der Feind der Klosterkirche. Das soll sich nun mit der Teilsanierung zumindest teilweise ändern.

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