Kreis Pinneberg

A 23: Planer wollen 1000 Grundstücke betreten

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Arne Kolarczyk
Ein altbekanntes Bild: Auf der A 23 steht im Bereich Halstenbek/Krupunder der Berufsverkehr in Richtung Hamburg Stoßstange an Stoßstange.

Ein altbekanntes Bild: Auf der A 23 steht im Bereich Halstenbek/Krupunder der Berufsverkehr in Richtung Hamburg Stoßstange an Stoßstange.

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Für den sechsspurigen Ausbau erstellt die DEGES derzeit die Machbarkeitsstudie. In sechs Monaten könnten erste Vermessungen vor Ort erfolgen.

Kreis Pinneberg. Sie haben Post. 1000 Grundstückseigentümer entlang der A 23 haben in den vergangenen Tagen ein Anschreiben von der Deges bekommen. Und das war erst der Anfang. Bald wollen die Mitarbeiter auch persönlich vorbeikommen.

Deges, das ist die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH. Die staatseigene Gesellschaft ist vom Land Schleswig-Holstein mit den Vorplanungen für den sechsspurigen Ausbau der Autobahn zwischen Landesgrenze und Tornesch beauftragt worden. „Wir bitten die Eigentümer darum, ihre Grundstücke betreten zu dürfen, um den nächsten Schritt in der Planung machen zu können“, sagt DEGES-Sprecher Christian Merl.

Seit Frühjahr 2019 liegt der Ball bei der bundeseigenen Projektmanagementgesellschaft, die dafür bis 2021 Zeit hat. Und die Mitarbeiter waren seitdem nicht untätig. „Wir sind dabei, eine Machbarkeitsstudie für den Ausbau zu erstellen“, erläutert Merl. Sie lege eine mögliche Trassenführung am „Computer-Zeichenbrett“ fest. Doch ob diese tatsächlich realisierbar wäre, müssten Begehungen vor Ort zeigen. „Deshalb benötigen wir die Erlaubnis zum Betreten der Grundstücke“, so der DEGES-Sprecher.

Auf den Flächen entlang der A23 müssten dann Vermessungen erfolgen. „Wir stecken quasi die mögliche Trasse ab.“ Mit dem Beginn der Vermessungsarbeiten rechnet Merl in sechs Monaten.

Der Ausbau auf einer Länge von 15 Kilometern zwischen Hamburg und Tornesch ist nur unter erschwerten Bedingungen realisierbar. In Halstenbek, Rellingen und Pinneberg stehen die Häuser zum Teil direkt an der jetzigen Trasse. Viele Grundstücke müssten erworben, die Häuser abgerissen werden. Dass alle betroffenen Anlieger mitspielen, ist kaum zu erwarten. Es drohen Klagen, möglicherweise Enteignungsverfahren.

Der Widerstand könnte schon damit beginnen, dass Betretungserlaubnisse verweigert werden. Merl glaubt das nicht und verweist auf andere Großprojekte wie den Ausbau der A 7 oder der B 75. „Wenn wir die A 23 ausbauen, müssen wir die neusten Lärmschutzkriterien anwenden. Und wir haben aus den anderen Projekten hinterher sehr häufig gehört, dass es besser funktioniert als vorher, was den Lärmschutz angeht.“

Derzeit prüfen die DEGES-Planer im Rahmen der Machbarkeitsstudie, ob ein symmetrischer oder ein asymmetrischer Ausbau die bessere Variante wäre. Der symmetrische Ausbau würde die Beibehaltung der bisherigen Verkehrsachse vorsehen, jeweils rechts und links der bestehenden Fahrbahn würde ein Fahrstreifen angebaut. Bei einem asymmetrischen Ausbau würde entweder auf der Nord- oder auf der Südseite eine neue Richtungsfahrbahn neben der bestehenden angebaut. Vermutlich wird die 15 Kilometer lange Ausbaustrecke in mehrere Planungsabschnitte geteilt. Dann könnte für jeden Abschnitt einzeln entschieden werden.

„Der Blick und das Messen vor Ort sind wichtig, um die Betroffenheit feststellen zu können“, so Merl. Und er sagt weiter: „Wir müssen vor Ort prüfen, ob es geht und wie es geht.“ Neben der Frage, welche Grundstücke ganz oder in Teilen benötigt werden oder welche Gebäude im Extremfall weichen müssten, müssen die Planer auch die bisherigen Anschlussstellen genau betrachten. Ihre Radien müssen bei einer sechsspurigen Trasse verändert werden, was ebenfalls Platz benötigt. Hinzu kommt, dass alle Brückenbauwerke auf der Ausbaustrecke nicht breit genug sind und durch neue, breitere Brücken ersetzt werden müssen und dass es gerade im Bereich Halstenbek, Rellingen und Pinneberg sehr viele Auf- und Abfahrten kurz hintereinander gibt.

Die Daten aus der Vermessung vor Ort fließen laut Merl in die Vorplanungen ein. „Wir werden dann immer konkreter, um das Projekt auf den Weg bringen zu können.“ Geprüft werden auch die Auswirkungen auf die Umwelt, mögliche Verkehrsverbesserungen, die Wirtschaftlichkeit und die Finanzierung. Alle diese Aspekte betrachten die Planer und treffen eine Abwägung, ehe die Linienführung festgelegt wird. Sie wird im Anschluss vom Kieler Verkehrsministerium im Rahmen des Raumordnungsverfahrens geprüft. Das Ministerium legt dann die grobe Trassenführung, also den künftigen Straßenverlauf, fest.

Doch soweit ist es noch nicht. Nach der Vor- folgt die Entwurfsplanung, in der das Grobe ins Detail überführt und eine intensive Bürgerbeteiligung stattfinden wird. Daran schließt sich das Planfeststellungsverfahren an, das mit dem Planfeststellungsbeschluss endet. Gegen ihn sind Klagen möglich, die im Erfolgsfall Änderungen des Bauvorhabens nach sich ziehen. Erst wenn der Beschluss rechtskräftig ist, besteht Baurecht und die Bagger können rollen. Bei der A 23 dürfte dies noch Jahre dauern.

Der Ausbau der A 23 ist als vordringlicher Bedarf im Bundesverkehrswegeplan 2030 eingestuft. Die letzte Kostenprognose ist Jahre alt. Damals wurde mit 208 Millionen Euro gerechnet, inzwischen dürfte es teurer sein. In der ursprünglichen Ausbauplanung gingen die Planer von 79.000 Fahrzeugen täglich bis zum Jahr 2030 aus. Doch auch diese Zahl scheint längst überholt.

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