Kreis Pinneberg

Jetzt müssen nur noch die Gäste zurückkommen

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Katja Engler
Gut vorbereitet: Björn und Julia Luchting mit Sohn Robert vom Hotel Krupunder Park.

Gut vorbereitet: Björn und Julia Luchting mit Sohn Robert vom Hotel Krupunder Park.

Foto: Katja Engler

Gastronomen dürfen von Montag an auch im Kreis Pinneberg wieder öffnen – allerdings mit Einschränkungen. Freunde und Erwartungen sind groß.

Rellingen.  Nach’m Tunnel kommt wieder Licht, hat die Oma immer gesagt. Das war der Familienleitspruch, seit das Hotel Krupunder Park vor genau 140 Jahren gegründet wurde. Die Oma der heutigen Hotelinhaberin Julia Luchting ist noch immer im Hintergrund aktiv, erst recht, seit die Corona-Krise zugeschlagen hat. Sie ist 88 Jahre alt und eine begnadete Kuchenbäckerin. Mit einem erweiterten Kuchenverkauf außer Haus konnten sich Julia und Björn Luchting über Wasser halten. Auch die feinen Gerichte aus der Küche des Traditionshotels werden seit dem Shutdown verstärkt von Kunden mit nach Hause genommen.

Am Montag öffnen nun die Gastronomen in ganz Schleswig-Holstein wieder ihre Türen, aber das bedeutet nicht, dass jetzt überall eitel Sonnenschein herrscht. Dafür gibt es zu viele Einschränkungen. Aber: „Es ist ein gutes Signal, dass wir an den Start gehen können“, sagt Schleswig-Holsteins Dehoga-Landeschef Axel Strehl. „Für kleinere Betriebe und für Bars wird das aber schwierig, weil dort der Platz fehlt. Außerdem ist ja auch noch nicht raus, wie hoch die Nachfrage sein wird.“

Die Speisekarte des Hotels Krupunder Park wird künftig kleiner, hochwertig und saisonal sein, Fleisch und Gemüse kommen aus erstklassigen regionalen Quellen, und in der Küche steht Sohn Robert (23), der das gute Kochen im Hamburger Restaurant Deichgraf gelernt hat. Seine Sauce Hollandaise schlägt er frisch auf zum Spargel aus der Nachbarschaft. Zum Pfingstmenü für 22 Euro pro Nase zaubert der Junior als Hauptgericht ein Schweinefilet im Kräutermantel mit Rhabarbergemüse oder gebratenes Flussbarschfilet mit Spargelragout auf den Teller.

Die Luchtings haben in den vergangenen Wochen nicht nur mit minimaler Belegschaft und maximalem persönlichem Einsatz den Betrieb aufrecht erhalten, sondern auch den Gastgarten mit den hölzernen Gartenmöbeln hergerichtet und die gemütliche Gaststube aufpoliert. Ambiente ist wichtig in der Gastronomie.

Da die Luchtings sieben Tage die Woche 16 Stunden gearbeitet haben, fühlen sie sich nicht unbedingt ausgeruht, aber das haben sie mit vielen Gastronomen gemeinsam. Dennoch haben sie die Corona-Krise genutzt, um über Veränderungen nachzudenken. Der Außer-Haus-Verkauf soll weiter laufen, auch dass jetzt mehr Kuchen gebacken werden muss als früher ist vorerst gesetzt und erfreulich. Aber wichtiger noch ist, dass vom 18. Mai an die Leute kommen.

Auf Instagram hatten die Luchtings einen Kuchen-Film für die jüngere Kundschaft gedreht – mit dem treu aufblickenden Hund Athos als „Feelgoodmanager“, der eine der stets handbemalten Speisen-Liefertüten in der Schnauze trägt. Die Krise mit solchem Humor zu wuppen ging nicht gleich, denn „am Anfang waren wir in der Schockstarre“, erzählt Julia Luchting. „Aber dann hatten wir fünf Hubschrauberpiloten zu Gast, und die haben uns durch ihre positive Stimmung da wieder rausgeholt.“

Geschäftsleute wohnten zum Corona-Sonderpreis

Da sie in den vergangenen acht Wochen sowieso nur Geschäftsleute beherbergen durften, haben sie die 35 Zimmer zum Corona-Sonderpreis angeboten und sich besonders um gute Verpflegung auf den Zimmern gekümmert, außerdem haben viele Monteure und Handwerker bei ihnen gewohnt. Ihre 18 Mitarbeiter haben sie in Kurzarbeit geschickt, um für alle die Arbeitsplätze erhalten zu können. Jetzt geht’s wieder los, und das ist schwer für ein so bankettlastiges Haus wie das Hotel Krupunder Park, das sonst an Wochenenden rund zwölf Veranstaltungen betreut hat.

Wer jetzt wieder essen geht, wird hochmotivierte Gastgeber antreffen und eine Atmosphäre, die alle, die gern in Restaurants zum Essen gehen, schmerzlich vermisst haben. „Die Gastronomiekultur, das Persönliche fehlt den Leuten“, weiß auch Jiannis Geitsidis, Inhaber und Koch des griechischen Restaurants Rhodos in Rellingen. Seit 1995 kocht er dort, damals war er mit 26 Jahren ein blutjunger Restaurantchef. Seit er zu hat, kocht er nur noch für den Außer-Haus-Betrieb, ab kommender Woche wieder für alle. „Es stört mich gewaltig, dass meine wunderbaren Stammgäste draußen auf ihr Essen warten müssen“, sagt er. Lieber würde er sie reinbitten, aber das koste im Extremfall 25.000 Euro Strafe. Also lässt er es.

Die Zeit hat er genutzt, um die Bodenfliesen im Gastraum auszubessern, außerdem hat er die hölzernen Tisch-Füße abgeschliffen und neu lackiert -- Arbeiten, zu denen sonst niemand kommt. Das Außer-Haus-Geschäft sei hilfreich, aber die Verpackungen schlügen allein für ein Gyrosgericht mit zwei Euro zu Buche. Außerdem fehlen in der Bilanz trotzdem „die Getränke und der Mokka hinterher“.

Aber Geitsidis wäre kein Grieche, wenn er nicht mit einem lachenden Auge die Krise anginge. Immer wieder kommt er auf die Denker der Antike zu sprechen und weist den griechischen Ursprung vieler Worte nach. Vielleicht, weil das wichtiger ist als so ein Virus, das auch wieder verschwindet. Sokrates, Aristoteles, Hippokrates, Platon – das sind seine Vorbilder. Ihre Weisheiten streut er in unterhaltsame Gespräche, und das wird er auch so halten, wenn er ab Montag mit Maske und Handschuhen serviert.

Von den 120 Plätzen nur 50 zu benutzen – das ist nicht gerade großartig, aber besser als nichts. Geitsidis hofft, dass das mit pünktlichen Gästen, die vorher reservieren, machbar wird, wenn sie nicht länger als zwei Stunden bleiben. Seine mit alten Familienrezepten gespickte Speisekarte wechselt er immer mal wieder. Kürzlich würzte er Lammfleisch mit Thymian („wie Mann und Frau“), gab dann unterschiedliche Mengen Rosmarin, Basilikum, Petersilie dazu und war erst nach etlichen Versuchen zufrieden. Im Winter war das mal ein Wildgericht mit einer Sauerkirsch-Thymian-Soße. „Hammer!“ sagt er noch immer entzückt.

Ja, dazu lächeln sogar die bleichen Götterfiguren, die hier und da das Restaurant bevölkern.

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