Kreis Pinneberg

Barmstedts Stadtwerke-Chef Freyermuth hört auf

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Burkhard Fuchs
Auf diesem Archivfoto steht Barmstedts Werkleiter Fred Freyermuth vor dem Hallenbad. Dessen Betrieb ist möglich, weil die Stadtwerke immer schwarze Zahlen geschrieben haben.

Auf diesem Archivfoto steht Barmstedts Werkleiter Fred Freyermuth vor dem Hallenbad. Dessen Betrieb ist möglich, weil die Stadtwerke immer schwarze Zahlen geschrieben haben.

Foto: Burkhard Fuchs

Fred Freyermuth bittet um Auflösung seines Vertrages. Mit ihm geht ein erfolgreicher Werkleiter, der allerdings auch oft angeeckt ist.

Barmstedt.  Das war selbst für die meisten Politiker in Barmstedt eine faustdicke Überraschung. Auf der Sondersitzung der Stadtvertretung am Donnerstagabend, die wegen der Corona-Pandemie in eine Turnhalle verlegt worden war, erfuhren sie, dass Werkleiter Fred Freyermuth um Auflösung seines Dienstvertrages gebeten habe.

Damit zöge er wohl die Konsequenzen aus den jahrelangen Querelen mit der Verwaltung, den Verstößen gegen das Vergaberecht, den jüngsten Niederlagen vor Gericht und harten Auseinandersetzungen mit dem Stadtwerke-Personalrat, meint BALL-Fraktionschef Günter Thiel. „Das endet jetzt mit Freyermuth. Es war ohnehin nur noch eine Frage der Zeit, wann es endet. Seine Situation ist eng geworden.“

Auch für Bürgervorsteher Uwe Runge (CDU) kommt dieser Abschied nicht sonderlich überraschend. „Der Streit mit der Bürgermeisterin war für beide Seiten anstrengend.“ Die Politiker würden jetzt in Ruhe über die Nachfolge beraten und die Stelle ausschreiben, kündigt Runge an. Der Wechsel werde dann offiziell in den nächsten Monaten vollzogen und die Werkleitung „deutlich vor Weihnachten“ neu besetzt sein, sagt Runge. „Einen Werkleiter, der sich wie die Axt im Walde gegenüber seinen Mitarbeitern verhält, brauchen wir nicht.“ Wobei Freyermuth damit nicht gemeint sei.

Nach den Stadtwerken Pinneberg, die erst im März ihren Geschäftsführer Sven Hanson nach unüberbrückbaren Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat entlassen haben, ist dies der zweite Wechsel an der Spitze eines kommunalen Energieversorgers im Kreis Pinneberg innerhalb kurzer Zeit.

Die Sondersitzung war extra wegen des Rechtsstreits des Stadtwerkechefs mit seinem ehemaligen IT-Dienstleister einberufen worden. Ende April hatte – wie berichtet – das Landgericht Itzehoe die fristlose Kündigung des externen Dienstleisters C319 für unwirksam erklärt. Bis zu eine Million Euro könnte dies die Stadtwerken noch an Schadensersatzansprüchen kosten. Gleichwohl entschied die Stadtvertretung nach nichtöffentlicher Beratung nun, gegen das Urteil in Berufung zu gehen, sagt Bürgervorsteher Runge, ohne dies näher begründen zu wollen.

Freyermuth habe durchaus seine „Verdienste“ für Barmstedt gehabt, betonen Runge und Thiel. So war der Barmstedter Werkleiter 2007 der landesweit erste kommunale Energieversorger, der außerhalb seines Versorgungsgebietes Gas und Strom verkaufte und so innerhalb kurzer Zeit etwa 20.000 neue Kunden erreichen konnte. Zudem baute Freyermuth mit der Tochter Xitylight das Breitbandnetz aus und versorgte auch damit die umliegenden Orte bis nach Bad Bramstedt mit schnellem Internet. „Damit hat er die Stadtwerke nach vorn gebracht“, so Thiel. Unter seiner Führung hätten die Stadtwerke immer schwarze Zahlen geschrieben, sodass sich die Stadt den Betrieb des verlustreichen Hallen- und Freibades habe leisten können, lobt Runge. 2018 erwirtschafteten sie einen Überschuss nach Steuern von 1,3 Millionen Euro.

Doch Freyermuth hatte auch seine Ecken und Kanten. Während seine Werkleiter-Kollegen in Pinneberg, Quickborn und Halstenbek beim Glasfasernetz Kooperationen mit den Stadtwerken Norderstedt eingingen, beharrte er auf einen eigenen Weg. Einen heftigen Streit mit seinem Elmshorner Kollegen mussten vor Jahren die damaligen Bürgermeister Brigitte Fronzek (Elmshorn) und Nils Hammermann (Barmstedt) schlichten. Erst vor wenigen Wochen entzündete sich erneut ein großer Streit in der kommunalen Familie des Kreises Pinneberg darüber, dass Werkleiter Freyermuth unbedingt die Orte Moorrege und Appen mit Glasfaser ausrüsten wollte, obwohl die einem ganz anderen Breitband-Zweckverband angehören, der wiederum diesen Ausbau seinerseits plant und so seine Wirtschaftlichkeitsberechnung plötzlich durch den Vorstoß aus Barmstedt gefährdet sah. Erst im letzten Moment zog Freyermuth dieses Vorhaben zurück, das an seinen Streit mit der Gemeinde Horst erinnerte, wo sich die Stadtwerke erst 2016 nach schweren Verlusten aus dem Breitbandausbau zurückzogen.

Am heftigsten eskalierte der Streit mit Bürgermeisterin Heike Döpke. Die Dienstvorgesetzte und langjährige Gewerkschafterin setzte sich 2013 als frisch gewählte neue Bürgermeisterin erfolgreich dagegen zu Wehr, dass die Stadtwerke und ihre Vertriebsgesellschaft Mitarbeiter außerhalb des Tarifvertrages engagierten. Seitdem schien das Tischtuch zwischen Döpke und Freyermuth zerschnitten. „Unser Verhältnis ist sehr angespannt“, sagte Döpke dazu am Freitag gegenüber dem Abendblatt. Sie ist zurzeit im Urlaub und hat nicht an der Sitzung teilgenommen.

2018 flammte der Machtkampf zwischen den beiden erneut auf, als Freyermuth den Brandschutz in Barmstedt für nicht mehr gewährleistet hielt. Das letzte Mal hätten sie „vor Wochen“ miteinander geredet, sagte Döpke am Freitag.

Hausintern legte sich Freyermuth offenbar wiederholt mit dem Personalrat an. Verdi-Gewerkschaftssekretär Andreas Riedl, der Angang Mai in einem Brief an die Mitglieder des Werkausschusses auch über Defizite im Umgang mit dem Betriebsverfassungsgesetz mit seinen Mitbestimmungsrechten berichtet hat, sagt nun: „Die Stadtwerke Barmstedt brauchen jetzt einen charakterlich geeigneten Werkleiter, der ein geschicktes Händchen hat.“

Fred Freyermuth wollte sich auf Nachfrage nur dahingehend äußern: „Dass es keine 24 Stunden benötigt, dass Stadtvertreter über interne Personalangelegenheiten mit der Presse sprechen, zeigt das Niveau, das mittlerweile erreicht wurde.“

Das Fass zum Überlaufen brachte nach Einschätzung von Stadtvertreter Thiel der Verstoß Freyermuths gegen das Vergaberecht. Ohne die vorgeschriebene öffentliche Ausschreibung erteilte er Olaf Lorenz mit dessen Firma C319 den millionenschweren Auftrag für die gesamte IT-Dienstleistung. Ein Jahr später kündigte er den Vertrag fristlos, was für die Stadtwerke jetzt noch teuer werden könnte.

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