Kreis Pinneberg

Wiedereröffnung? Kinobetreiber will noch warten

Kai Bartels im Beluga-Kino Quickborn.

Kai Bartels im Beluga-Kino Quickborn.

Foto: Burkhard Fuchs

In Schleswig-Holstein dürfen Lichtspielhäuser am 18. Mai wieder öffnen. Warum Beluga-Chef Kai Barstels nicht mitmacht.

Quickborn/Uetersen.  Ab dem 18. Mai dürfen die Kinos in Schleswig-Holstein unter bestimmten Auflagen wieder öffnen. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat damit als einer der ersten Landeschefs die Lichtspielhäuser in die Pläne zu den Corona-Lockerungen mit einbezogen. Gute Nachrichten für die hiesigen Kino-Betreiber – möchte man meinen. Doch wie sieht die Wiedereröffnung in der Praxis aus?

„Die genauen Bedingungen fehlen noch“, sagt Kai Bartels, der gemeinsam mit seinem Kompagnon Bernd Keichel das Beluga Kino in Quickborn und das Burg Kino in Uetersen betreibt. Außerhalb des Kreises gehört den beiden auch noch das City Kino in Buxtehude, für das nun jedoch andere Regeln gelten, da es in Niedersachsen liegt. „Wir haben zwar vom Land die Möglichkeit zur Öffnung bekommen, müssen jetzt aber erst einmal prüfen, ob die geltenden Einschränkungen realistisch sind“, so Bartels.

So müssen die Kino-Betreiber beispielsweise einen Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Kunden sicherstellen. Im Kinosaal wäre das dadurch möglich, dass zwischen zwei Besuchern mehrere Plätze freigelassen werden. „Doch was passiert, wenn jemand in der Mitte sitzt und während der Vorstellung aufs Klo muss?“, gibt Bartels zu bedenken. Beim Vorbeizwängen an anderen Besuchern sei der Abstand schon nicht mehr gegeben. Auch die Frage, wie der Sicherheitsabstand außerhalb der Kinosäle auf den Gängen oder in den Waschräumen eingehalten und kontrolliert werden kann, sei fraglich.

Mit wem muss das Hygienekonzept abgestimmt werden?

„Wir sind gerade dabei, aufgrund dessen, was wir wissen, ein Hygienekonzept zu erstellen. Das werden wir dann anpassen, wenn wir genauere Richtlinien haben.“ Vieles sei aktuell noch im Unklaren. So zum Beispiel, ob es reicht, das Konzept bei Wiedereröffnung einfach an der Kasse aufzustellen und die Kunden so auf die Regeln hinzuweisen, oder ob es vom Gesundheitsamt abgestempelt werden muss. Auch ob es mit der Stadt, dem Kreis oder dem Land abgestimmt werden muss, wissen die Betreiber noch nicht. Ob Besucher auf dem gesamten Kinoareal eine Maske tragen müssen und ob kontrolliert werden muss, dass sich während einer Vorstellung niemand umsetzt, sei derzeit ebenfalls nicht sicher.

Die Abstandsregeln stellen die Kino-Betreiber neben der praktischen Umsetzbarkeit noch vor ein weiteres Problem: drastische Umsatzeinbußen. „Das bedeutet, dass wir eventuell nur 20 oder 25 Prozent der Karten für einen Saal verkaufen dürfen“, so Bartels. „Die Ticketpreise können und wollen wir aber nicht vervielfachen.“ Einzig der Schutz der Mitarbeiter sei relativ einfach zu gewährleisten. „Desinfektionsmittel und Masken habe ich schon bestellt.“ Darüber hinaus werden Plexiglaswände an den Kassen angebracht. Alle anderen Fragen gelte es noch zu klären, bevor der Betrieb wieder aufgenommen werden kann. „In meinen Augen war das ein unüberlegter Schnellschuss“, sagt der 42-Jährige über den Alleingang der Landesregierung. „Es ist ein Flickenteppich, was die Öffnungen angeht.“ Da Filme nur bundesweit verliehen werden, könnten in den Schleswig-Holsteiner Kinos nun auch keine neuen Filme gezeigt werden. „Die Verleiher sind überhaupt nicht darauf eingestellt. Auch internationale Verleiher werden keinen Film rausbringen, wenn nur ein paar Kinos in Deutschland wieder aufmachen“, weiß der Kinobetreiber.

Zurzeit sind nur alte Filme verfügbar

So könnten lediglich alte Filme, und welche, die zur Zeit des Shutdown anlaufen sollten, gezeigt werden. Wie viele Besucher damit angelockt werden können, und wie lange, das sei jedoch fraglich. „Repertoire-Filme sind was für Liebhaber“, betont Bartels. „Es gibt Filme für den Geldbeutel oder fürs Herz. Für die Kostendeckung braucht es Filme wie ,James Bond‘, ,Harry Potter‘ oder ,Die Eisprinzessin.‘“ Die AG Kino Verband, die Gilde Deutscher Filmkunsttheater, hat sich laut Bartels ebenfalls für eine einheitliche Lösung ausgesprochen. „Wir brauchen etwas Einheitliches, damit internationale Verleiher sich melden.“

Ein weiteres Problem sei die Obergrenze für Neuinfektionen, die besagt, dass eine Notbremse bei den Lockerungen gezogen werden kann, sollten sich binnen sieben Tagen mehr als 50 Menschen pro 100.000 Einwohner mit dem Coronavirus infizieren. „Bei einer Öffnung müsste ich die Energiekosten und die Anzeigen wieder hochfahren, und dann besteht die Gefahr, dass es plötzlich heißt, jetzt müsst ihr aber wieder schließen“, so Bartels.

Aufgrund der ganzen Unwägbarkeiten ist für den Kino-Betreiber klar: „Am 18. Mai öffnen wir definitiv nicht.“ Die Zeit des Shutdown haben Bartels und sein Team bislang ganz gut überstanden. So sei die Soforthilfe des Landes innerhalb kürzester Zeit da gewesen, seien die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt worden. „Wir haben niemanden entlassen müssen.“ Darüber hinaus gebe es viel Unterstützung von den Kino-Kunden. Neben einem gut laufenden Gutscheinverkauf für die Zeit nach Corona werden in den drei Kinos „Geistervorstellungen“ angeboten, für die Unterstützer symbolisch eine Karte kaufen können und das Kino so mit ihrer Spende unterstützen. „Unsere Kunden signalisieren uns: Wenn ihr wieder da seid, dann sind wir auch wieder da.“

Dass es eine Wiedereröffnung seiner Kinos gibt, da ist sich der Vollblut-Cineast sicher. Nur wann, sei nach wie vor die Frage. Die Corona-Krise habe ihm auch ein neues Gefühl beschert: „Wenn in diesen Tagen die Sonne scheint, dann freue ich mich darüber. Normalerweise freue ich mich über Regen.“