Pinneberger Baumschulland

Minister fordert mehr klimaresistente Bäume

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Landwirtschafts- und Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne, l.) in der Baumschule Sander mit Axel Huckfeldt, dem Vorsitzenden des Landesverbandes Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen.

Landwirtschafts- und Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne, l.) in der Baumschule Sander mit Axel Huckfeldt, dem Vorsitzenden des Landesverbandes Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen.

Foto: Katja Engler

Grünen-Politiker Jan Philipp Albrecht besucht Pinneberger Baumschulland. Warum die Betriebe für ihn wichtige Problemlöser sind.

Tornesch.  Die Kommunen im Land müssen mehr Bäume pflanzen. Und zwar solche Bäume, die auch einem sich wandelnden Klima widerstehen. Das hat Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht bei einem Besuch der Tornescher Baumschule Sander gefordert. „Man macht sich hier auf den Weg, ganz neue Pfade zu betreten, was die Zukunft der Bäume angeht“, stellte der Grünen-Politiker fest und sagte: „Das ist der Bereich, in den wir investieren müssen.“ Denn viele Bäume kämen heute mit den immer extremeren Wetterverhältnissen nicht mehr zurecht.

„Wir müssen uns da resistenter aufstellen“, schloss Jan Philipp Albrecht daraus, „denn die Klimakrise fordert neue Herangehensweisen. Betriebe wie die von Herrn Sander sind dabei von enormer Bedeutung, weil sie aufzeigen können, welche Bäume für welche Standorte heute infrage kommen.“

Das Wissen darüber müsse ab sofort gefördert werden, denn die Zukunft der Bäume zu sichern sei „als eine Jahrhundertaufgabe zu betrachten“.

„Der Klimawandel lässt sich nicht verschieben“

Auf die Frage, wie er die Aussichten darauf beurteile, für diese bisher finanziell unterversorgten Felder mehr Geld und eine Höherbewertung zu erreichen, antwortete er in aller Dringlichkeit: „Der Klimawandel lässt sich nicht verschieben. Wir haben nur noch ein kleines Budget an Treibhausgasen, das wir in die Atmosphäre entlassen können, bevor wir die Grenze des Erträglichen durchbrechen werden. Die Kosten werden höher, je länger wir das hinauszögern.“

Letzten Endes wüssten das alle, „ich bin überzeugt, dass das niemand vertagen will, denn es geht um die Frage, wie wir es schaffen, das Leben hier nachhaltig zu gestalten.“ Die Baumschulen seien dabei Problemlöser, „logisch, dass da investiert werden muss“.

Bei den Bündeln an Konjunkturprogrammen, die derzeit geschnürt würden, sei das zu berücksichtigen, was auch den Zielen des „Green Deal“ der EU-Kommission entspreche. Dieser avisiert, bis 2050 innerhalb Europas die Netto-Emissionen an Treibhausgasen auf null zu reduzieren und somit als erster Kontinent klimaneutral zu werden. Frank Schoppa, Geschäftsführer des Landesverbandes Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen (BdB), ergänzte: „Wie wünschen uns hier Offenheit und mehr Unterstützung durch die Politik. Dazu gehört explizit auch keine Scheu vor nichtheimischen Gehölzarten.“

Stadtgrün werde vernachlässigt

Zweiter zentraler branchensensibler Aspekt: die Vernachlässigung des Stadtgrüns. „Wir brauchen einen stärkeren Kontakt zwischen den Entscheidern und den Baumschulen, die wissen, wie Stadtgrün zusammengesetzt und gepflegt werden sollte, damit es auch im Sinne des Klimaschutzes funktioniert“, sagte Albrecht dazu.

Fakt ist, dass viele Kommunen in diesem Bereich enorm abgebaut haben, oft pflegen Fremdfirmen die Grünflächen, manche Stadt hat gar kein Gartenbauamt mehr, und die Fachkompetenz ist aus den Verwaltungen verschwunden. Albrecht weiß, dass sich das nicht von allein ändert. Zur Verbesserung der Situation könnten aber Symposien, eine bessere Zusammenarbeit der Baumschulen mit Ämtern und Kommunen oder gemeinsame Projekte beitragen. Gastgeber Jens Sander sagte, innerhalb von Städten wüchsen überwiegend Waldbäume, die noch immer nachgepflanzt würden: Kastanien, Weiß- und Rotbuchen oder Platanen. Diese seien oft krank: „Wir brauchen dort deshalb Bäume, die mit Hitze, Wind, Trockenheit, Stoßwasser und einem ungünstigen pH-Wert im Boden besser zurechtkommen“, sagt Sander.

Bis zu 200.000 Gehölzartikel stellen deutsche Baumschulen pro Jahr her. Baumschuler Sander ist optimistisch: „Unser Betrieb verzeichnet am Markt seit einigen Jahren ein stetig steigendes Interesse an so genannten Klimawandelgehölzen, also Baumarten, die ihre Funktion als öffentliches Grün auch bei vermehrter Hitze und Dürre leisten können.“

Mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise

Durch die Corona-Krise sind die Baumschulen bisher „mit einem blauen Auge durchgekommen“, sagt Axel Huckfeldt, Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen (BdB). Zum Glück seien die allermeisten Saisonarbeiter bereits hier gewesen, als die Einreise schwierig wurde. Bereits jetzt nehmen deutsche Baumschulen, was Qualität und Leistungsfähigkeit angeht, eine Spitzenposition ein, betont BdB-Vizepräsident Bernhard von Ehren: „Wir gehen davon aus, dass sich der Wandel zur Green Economy nach der Corona-Krise beschleunigen wird und damit auch die Wertschätzung für Gehölze in der Politik und Gesellschaft zunehmen wird.“

Am Rande hatte der interne Austausch noch die CO2-Abgabe, die Florum Fachmesse und die Aktion „Einheitsbuddeln“ gestreift, die das Ministerium weiter unterstützen wolle, sagte Frank Schoppa. Diese war zum Jahrestags der Wiedervereinigung ins Leben gerufen worden, um das Land aufzuforsten.

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