Kreis Pinneberg

Hochsaison in der Wildtierauffangstation

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Nico Binde
Die Mutter dieses Fuchsjungen ist bei einem Verkehrsunfall gestorben. Ein Schicksal, das es mit 13 anderen Jungfüchsen der Station teilt.

Die Mutter dieses Fuchsjungen ist bei einem Verkehrsunfall gestorben. Ein Schicksal, das es mit 13 anderen Jungfüchsen der Station teilt.

Foto: Nico Binde / HA

Während das Leben eingeschränkt ist, geraten viele Tiere in Not. Gerade die jüngsten landen in Klein Offenseth-Sparriershoop.

Kreis Pinneberg.  Shutdown? Die Natur kennt keinen Shutdown. Wer wüsste das besser als Katharina und Christian Erdmann. Die Betreiber des Wildtier- und Artenschutzzentrums in Klein Offenseth-Sparrieshoop haben jedenfalls genauso viel zu tun wie in den Vorjahren. In diesem milden Coronafrühjahr vielleicht sogar noch mehr. Denn Tiere werden weiter geboren, Tiere verunglücken – und sind immer dann ein Fall für Erdmanns Wildtierauffangstation.

Entsprechend arbeitsreich sind die ersten Monate im Tierlazarett im Norden des Kreises. Die Jungtiere sind da. Überall in der Station tschilpt und maunzt es. Während des Gesprächs klingelt schon wieder das Telefon. Am anderen Ende wird ein zerstörtes Zaunkönignest gemeldet. Was ist zu tun? „Sie können die Tiere herbringen“, sagt Stationsleiter Christian Erdmann.

„Das geht jetzt dauernd so“, sagt seine Frau Katharina. Schon seit Januar. Mehr als 20 verwaiste Feldhasenjunge und etwa 30 Eichhörnchenbabys sind bereits großgezogen worden. Aktuell sind 14 Jungfüchse zu Gast, ebenso wie drei Steinmarderkinder, sechs Taubenküken, zwei Rehkitze und ein frisch geschlüpfter Sperling. Die meisten sind verunglückt. Oder verwaist, da ihre Eltern dem Verkehr oder Jägern zum Opfer gefallen sind.

Die größte Herausforderung bei der Aufzucht der schicksalsgeschlagenen Tierkinder? „Man kriegt wegen der Nachtschichten keinen Schlaf mehr“, sagt Christian Erdmann. Der Milchdurst von jungen Füchsen oder Mardern ist ebenso unabhängig von der Tageszeit wie bei Menschenkindern. Und demnächst, mit fortschreitendem Jahresverlauf, kommen noch die Singvögel-, Enten-, Gänse- oder Spechtküken dazu. „Auch die Rehe sind in diesem Jahr sehr früh dran“, so Experte Erdmann.

Da der Frühling aber nicht nur bei Jungtieren die Lebensgeister weckt, sondern auch alle anderen Arten in Wallung bringt, werden in der 2,5 Hektar großen Wildtierauffangstation momentan auch fünf verletzte Bussarde, zwei Uhus, ein Waschbär, ein Marderhund, eine Spitzmaus, etliche Entenküken und eine Schar Tauben auswilderungsreif gepäppelt. Im vergangenen Jahr sind insgesamt 2200 Tiere in Klein Offenseth-Sparrieshoop aufgenommen worden. „Die Auswilderungsquote liegt bei etwa 65 Prozent“, sagt Katharina Erdmann. Das Auswildern sei oberstes Ziel, gelinge aber nicht immer. Neben etwa 50 Exoten wie Schildkröten und Schlangen dürfen etwa auch die vier Wildschweine der Station wegen der Schweinepestgefahr nicht wieder in die Natur entlassen werden.

Die Ursachen für die Inobhutnahme in der Auffangstation seien dabei immer die gleichen – Straßenverkehr, Windkraftanlagen, Baumfällungen, Stacheldraht oder Unwissenheit der Finder (siehe Infotext). Wer bei einem Tierfund unsicher ist, sollte deshalb zunächst stets telefonisch mit der Auffangstation Kontakt aufnehmen.

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