Kreis Pinneberg

Was der Ober-Baumschuler im Wald empfindet

| Lesedauer: 6 Minuten
Katja Engler
Frank Schoppa vor seinem Arbeitsplatz, der sich im selben Gebäude wie das Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer in Ellerhoop befindet.

Frank Schoppa vor seinem Arbeitsplatz, der sich im selben Gebäude wie das Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer in Ellerhoop befindet.

Foto: Katja Engler

Frank Schoppa wollte eigentlich Förster werden. Jetzt ist er seit 20 Jahren Stimme der Betriebe im Pinneberger Baumschulland.

Ellerhoop.  Geht es um Baumschulen, Stadtgrün, Klimaschutzbäume, Friedhofsgärtnerei oder um Kontakte in das große Pinneberger Baumschulland, hält ein Mann die Fäden zusammen: Frank Schoppa (56). Seit 20 Jahren ist der promovierte Forstwirt als Geschäftsführer des Landesverbandes Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen unterwegs, in seiner Funktion als Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Gartenbau Norddeutschland und des neuen Service Grün. Hinter ihm liegen zwei Jahrzehnte Aufbauarbeit auf einem komplexen Feld, das es so wohl nur im Kreis Pinneberg gibt.

Dabei hat Schoppa schon immer unter Volldampf gearbeitet und im Privaten wie im Job dann mit Augenmaß die Weichen neu gestellt, wenn er sich davon ein besseres Ergebnis erhoffte. Das fing schon früh an, als er nach dem Zivildienst eine Tischlerlehre machte. Nach der Gesellenprüfung wurde er unverhofft Vater. Er stellte sich seiner Verantwortung, indem er noch mal von vorn anfing und zum Studieren mit seiner Frau Heike nach Göttingen zog: „Wenn man früh Kinder kriegt, hat man keine Wahl. Dann muss man gucken, wie man die Familie durchbringt“, sagt er dazu.

Im kinderfreundlichen Göttingen studiert

Damals hatte das junge Akademiker-Pärchen extremes Glück. Denn Göttingen war bundesweit Vorreiter, um studierende Eltern zu entlasten. Die Kinder konnte das junge Paar in eine Krippe bringen. Sogar eine Wohnanlage hatte Angebote für angehende Akademiker-Eltern. „Wir sind deshalb dem Studentenwerk in Göttingen zutiefst verbunden“, sagt Schoppa.

Schon damals war ihm klar, dass er sich überdurchschnittlich engagieren wollte. Zuerst im Göttinger Elternbeirat. Und heute im Förderverein Deutsches Baumschulmuseum, im Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland und in der Gemeindevertretung Haseldorf, wo er wohnt und 2018 die Freie Wählergemeinschaft „Bürger für Haseldorf“ mit gegründet hat. „Ich meine, wenn man von der Gesellschaft profitiert, ist man verpflichtet, etwas zurück zu geben. Diese Ansicht teile ich mit meiner Frau“, sagt er.

Keine Forstamtsleiterstellen frei gewesen

Als promovierter Forstwirt ist eine so kommunikationsintensive Position, wie Schoppa sie jetzt seit nunmehr 20 Jahren innehat, nicht unbedingt naheliegend. Ja, das stimmt, sagt Schoppa: „Ursprünglich wäre ich gern Forstamtsleiter geworden. Aber als ich mein Diplom in der Tasche hatte, gab es weder in den alten noch in den neuen Bundesländern freie Stellen.“ Stattdessen fand er eine voll finanzierte Stelle am Institut für Forstgenetik, um zu promovieren.

Heute ist die Frage nach Bäumen, die den neuen Stürmen, Überflutungen und Trockenheitsmonaten standhalten, so aktuell wie nie zuvor. Als er sich für das Studium entschied, war das Waldsterben das große Thema. Aber Schoppa sah seine Stärken nicht so sehr in der Wissenschaft, „dafür bin ich einfach zu praktisch veranlagt. Und damit hätte ich auch meine Familie nicht versorgen können. Ich bereue nicht, dass ich diesen anderen Weg gegangen bin.“

Wälder faszinieren ihn

Wälder faszinieren ihn immer noch genauso wie als junger Mann: „Der Wald ist für mich eines der naturnahesten Ökosysteme, das in echten Kreisläufen überdauern kann. Wenn ich im Wald bin, dann spüre ich: Hier bin ich nur Gast. Der Wald braucht uns nicht.“

Angefangen hat er beim Landesverband Schleswig-Holstein des Bundes Deutscher Baumschulen. Aber mit den Jahren dehnte sich sein Tätigkeitsbereich weiter aus. Zum einen über die intensivere Zusammenarbeit mit dem Nachbarverband, zum anderen kamen dann noch der Zierpflanzen- und Staudenanbau, der Friedhofspflanzen- und Gemüseanbau hinzu. Insgesamt nennt er das „die sieben Säulen des Gartenbaus“.

Unendlich schwierig sei es, das den Leuten klarzumachen. Deshalb sagt Schoppa gern: „Meine Hauptaufgabe ist ein Konzert. Das ist es, was mir Spaß macht.“ Ein Konzert verträgt keine Disharmonie, Schoppa tut für die Verbandsmitglieder, was er kann. „Man muss kommunikativ sein und eine gute Auffassungsgabe haben, aber auch Interessen vertreten“, fasst er zusammen.

In der Coronakrise gab es Probleme mit Saisonkräften

Auch im Zusammenhang mit dem Coronavirus sieht er seine Aufgabe darin, die Politik auf Probleme hinzuweisen. Als die Saisonarbeiter tagelang an der Grenze standen und nicht nach Deutschland hereingelassen wurden, ist er aktiv geworden: „Man kann Einfluss nehmen, wenn diese Dinge ordentlich begründet und die Belange gerechtfertigt sind. Dann hört man auf uns.“

Zwangsläufig kommt die Sprache auch auf schwierige Themen, mit denen Schoppa sich herumschlagen muss und die sich letzten Endes darauf auswirken, ob Betriebe überlebensfähig bleiben oder nicht. Dabei wird zum Beispiel das Thema Pflanzenschutzmittel angesprochen, von denen es aus Sicht der Baumschuler, die verpflichtet sind, gesunde Pflanzen zu verkaufen, viel zu wenige gibt. „Wir sprechen hier ganz offen darüber, was sich wie ersetzen lässt“, sagt Schoppa. Das Gartenbauzentrum in Ellerhoop bietet dazu auch Beratungen für Gartenbesitzer an.

Kiesgärten – schlecht für Baumschulen, schlecht für die Natur

Und auch den Kiesgärten haben die Verbände den Kampf angesagt. Zum einen, weil Betriebe, die Pflanzen verkaufen, daran zugrunde gehen können, vor allem aber aus Gründen des Naturschutzes. Im Angesicht der vielen Aufgaben, die sich in der Person Schoppa bündeln, hat er irgendwann erkannt, was er selbst wollte: „Wir stimmen uns ab. Aber man hat mir immer sehr viel Freiraum gelassen. Ich habe versucht, den positiv zu nutzen.“ Er hat Messen organisiert, Fördergeld akquiriert, der Verband hat Spürhunde für Quarantäneschädlinge ausgebildet, die bis heute im Einsatz sind. Eines seiner größten Projekte war die Teilnahme des Pinneberger Baumschullandes an der Internationalen Bundesgartenschau 2013 in Hamburg. Dort präsentierte sich erstmals die bis dato noch vielen Hamburgern unbekannte größte zusammenhängende Baumschulregion Europas zusammen mit dem Alten Land, der Lüneburger Heide und anderen Kulturlandschaften.

„Wir versuchen, Strukturen zu schaffen, die uns voranbringen, um die Dinge besser und effizienter machen“, sagt Schoppa. „Man kann das, indem man Mädchen für alles wird oder ein Motor, um Menschen zu bewegen.“ Er hat sich für Letzteres entschieden.

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