Kreis Pinneberg

Schulen starten das Hochsicherheitsabitur

So luftig sieht es heute im Klassenraum der Berufsschule Elmshorn beim Deutschabitur aus. Schulleiter Erik Sachse hat gestern Probe gesessen. Mundschutz  ist für alle verpflichtend.

So luftig sieht es heute im Klassenraum der Berufsschule Elmshorn beim Deutschabitur aus. Schulleiter Erik Sachse hat gestern Probe gesessen. Mundschutz ist für alle verpflichtend.

Foto: Nico Binde / HA

Von heute an werden die Prüfungen geschrieben – unter strengen Hygienevorschriften und erschwerten Bedingungen. Ein Ortstermin in Elmshorn.

Kreis Pinneberg. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Klobige Desinfektionsspender stehen an jedem Eingang. Gelb-schwarze Klebebänder formen eindeutige Richtungspfeile auf dem Fußboden der langen Gänge. Die Tische sind in jedem Raum mindestens zwei Meter abgerückt. Und überall hängen große Hinweiszettel mit den Geboten der Stunde: Hände waschen! Abstand halten! Mundschutz tragen! Heute werden vor jeder Toilette sogar noch Wachen postiert, um den vorgeschriebenen Desinfektionsvorgang zu überprüfen. An der Berufsschule in Elmshorn überlassen sie nichts dem Zufall.

Wenn heute Morgen die ersten Schüler das Gebäude betreten, gelten die vielleicht strengsten Sicherheitsauflagen, die es bei Abiturprüfungen je gab – und zwar nicht nur in Elmshorn, Pinneberg und ganz Schleswig-Holstein. Bundesweit starten die Klausuren unter erschwerten, vom Coronavirus verursachten Bedingungen. „Sowohl Lehrer als auch Schüler werden gleich am Eingang einen Mundschutz erhalten“, sagt Erik Sachse, Schulleiter in Elmshorn. 3200 Schüler lernen hier sonst, etwa 600 müssen in den kommenden Tagen ihre Prüfungen ablegen.

Schon 24 Stunden vor dem großen Tag laufen erstaunlich viele Menschen durch die Berufsschule. Lehrer, Handwerker, Reinigungspersonal – alle sind da, alle tragen Mundschutz. Dabei herrscht eigentlich noch immer striktes Betretungsverbot. Einerseits. Andererseits sollen aber auch die Prüfungstermine eingehalten werden. Und deshalb muss einiges vorbereitet und umgebaut werden, bevor heute die ersten 90 Abiturienten in fünf Stunden ihre schriftlichen Deutschklausuren hinter sich bringen. Da geht es nun mal nicht ohne Betretung. Denn: „Wir nehmen die Sache sehr ernst“, sagt Schulleiter Sachse. Die ganzen kleinen Umbauten sollen schließlich große, infektionsschützende Wirkung entfalten. Und auch die Schüler kommen nur stoßweise ins Haus. Maximal 15 Schüler in 15 Minuten.

Auf diesen Tag haben sich Sachse und sein Lehrerkollegium zwei Wochen vorbereitet. Wenn man die Online-Beschulung dazu zählt, sogar mehr als einen Monat. Tausende Schutzmasken wurden geliefert, literweise Desinfektionsmittel. „Inzwischen sieht es ein bisschen aus wie in einem Lazarett“, sagt der Schulleiter. 30 Lehrer werden die Prüfungen heute überwachen. Ausgespart wurden die Risikogruppen „Ü60“ und die Vorerkrankten. Das übrige Lehrpersonal meldete sich freiwillig zu diesem außergewöhnlichen Einsatz.

Als Landesbildungsministerin Karin Prien (CDU) mit ihrer Absage der Prüfungen auf Bundesebene gescheitert war, stand ziemlich schnell fest, dass die Klausuren geschrieben werden müssen. Nur die Bedingungen waren unklar. Nun gibt es Termine und ministeriale Handlungsanweisungen. „Daran orientieren wir uns“, sagt Sachse. Dazu gehört unter anderem, dass Prüflinge und Prüfaufsicht beim Betreten des Schulgebäudes zur Desinfektion verpflichtet werden, eine Zugangskontrolle mit Gesundheitscheck stattfindet, die Klausuren nur mit Handschuhen ausgeteilt werden dürfen, Laufwege gekennzeichnet sind und peinlich genau auf den Mindestabstand von zwei Metern geachtet wird.

In Elmshorn werden die Schüler dafür auf kleinere Klassenraüme verteilt. Maximal acht Personen pro Raum, die desinfizierten Duden liegen schon bereit. Nur ein Trakt des ganzen Schulkomplexes wird genutzt. „Das erleichtert die vorgeschriebene, professionelle Desinfektion durch die Reinigungskolonne nach jedem Prüfungstag“, sagt Sachse. Gleiches gilt für die Toiletten, die nur von einer Person pro Gang benutzt werden dürfen und deshalb kurzerhand zu Unisex-Toiletten für Jungs und Mädchen gemacht wurden.

Auch an der Pinneberger Berufsschule zeigt sich, was Bildungsministerin Prien so beschrieben hat: „Die Schulen haben sich in den vergangenen Tagen intensiv auf die organisatorischen Rahmenbedingungen vorbereitet.“ Dazu gehörte laut Schulleiter Ulrich Krause, an alle Eventualitäten zu denken. Denn allein an seiner Schule der Kreisstadt sollen in den kommenden zwei Wochen 103 Prüflinge das Abitur ablegen.

Pinneberger Berufsschule hat 10.000 Schutzmasken vorrätig

„Wir haben 10.000 Atemschutzmasken vorrätig“, sagt er. Auch in Pinneberg werden kleinere Räume statt eines großen genutzt. „Maximal zwölf Personen pro Raum“, sagt Krause. Das sorge für bessere Belüftungsmöglichkeiten. Ansonsten sieht es bei ihm aus wie bei seinem Kollegen in Elmshorn. Aufgeklebte Laufwege, Desinfektionsstationen, Hygienehinweise, Sicherheitsabstand.

„Wir fangen heute mit der Blaupause an“, sagt Erik Sachse in Elmshorn. Unter diesen Bedingungen habe ja noch niemand zuvor Prüfungen geschrieben oder abgenommen. „Das ist für uns alle Neuland, und wir müssen sehen, wie gut das funktioniert.“ Er sei aber zuversichtlich. Denn nach den Abiturprüfungen ist ja nicht Schluss. Auch die Fachhochschulreife, der Mittlere Schulabschluss, der Erste Schulabschluss und die Prüfungen der dualen Ausbildungsgänge müssen noch geschrieben werden – voraussichtlich unter ähnlich strengen Bedingungen. „Ich gehe davon aus, dass die Prüfungen bis in die Sommerferien reichen“, sagt Sachse. Es darf nur kein Coronafall dazwischenkommen.