Kreis Pinneberg

Elmshorn: Kinderschutzbund muss die Polizei rufen

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„Wir waren dem Ansturm vor unserem Büro nicht mehr gewachsen“, sagt Elke-Maria Lutz, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Elmshorn.

„Wir waren dem Ansturm vor unserem Büro nicht mehr gewachsen“, sagt Elke-Maria Lutz, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Elmshorn.

Foto: Anne Dewitz

Andrang bei Verteilung der Lebensmittelgutscheine in Elmshorn ist zu groß, Lage eskaliert, Polizei muss anrücken. Vergabepraxis wird geändert.

Elmshorn.  Der Kinderschutzbund Elmshorn organisiert die Verteilung von Lebensmittelgutscheinen für bedürftige Kinder neu. „Wir waren dem Ansturm vor unserem Büro an der Jürgenstraße nicht mehr gewachsen“, sagt die Vereinsvorsitzende Elke-Maria Lutz. Sie sagt aber auch: „Die Aktion geht weiter. Unseren Ansatz, das ausgefallene Essen der Kinder in Schule und Kita durch die Gutscheine zu ersetzen, führen wir fort.“

Allerdings sei die bisherige Praxis, die aus Spenden finanzierten 25-Euro-Gutscheine vom Büro aus auszugeben, nicht mehr verantwortbar gewesen. „Am Mittwoch war ich leider gezwungen, die Polizei einzuschalten“, berichtet die ehemalige Jugendrichterin. Mehr als 100 Personen hätten bereits vor der Öffnung des Büros Schlange gestanden und trotz aufgemalter Striche auf dem Asphalt die Abstandsregeln nicht eingehalten. Es sei zu Schubsereien gekommen, die Leute seien sehr aggressiv gewesen. „Selbst ich wurde geschubst“, so die Vereinschefin.

Es sei klar festgelegt gewesen, dass ausschließlich Mütter die Lebensmittelgutscheine, die selbstverständlich nicht für Alkohol und Zigaretten eingelöst werden können, abholen sollen. Es seien diesmal jedoch auch Männer dabeigewesen, die laut eigener Aussage auch von außerhalb Elmshorns stammten. Auch Flüchtlinge seien darunter gewesen. Lutz vermutet, dass jemand den Aushang am Bürofenster, der die Aktion erklärt, mit dem Handy abfotografiert und ins Internet gestellt hat. Auf diese Weise seien die Regeln für den Bezug der Gutscheine außer Kraft gesetzt worden.

„Wir konnten am Mittwoch noch mithilfe der Polizei 50 Gutscheine an Berechtigte ausgeben“, so Lutz weiter. In Absprache mit der Polizei-Revierleitung und dem Ordnungsamt sei dann entschieden worden, die Ausgabepraxis zu ändern. „Wie das genau vonstatten gehen wird, müssen wir noch entwickeln“, sagt Lutz. Sie hat am Donnerstag weitere 100 Gutscheine abgeholt, die diesmal nicht von den Edeka-Märkten Hayunga und Jensen stammen, sondern vom Discounter Lidl.

Ideen sehen vor, dass die Verteilung etwa über die Jugendhilfeträger erfolgen soll, die Mitglied im Kinderschutzbund sind. Elke-Maria Lutz kann sich auch vorstellen, dass die Schulsozialarbeiter an den Elmshorner Schulen bedürftige Familien identifizieren und ihnen Gutscheine zukommen lassen können. „Wir überlegen auch, Kontakt mit den Schulleitern aufzunehmen.“ Das Spendenaufkommen für das Aktion sei nach wie vor herausragend – und die Kinderschutzbund-Chefin will weitermachen. „Auch nach der Coronakrise wird die Not der Familien weiterbestehen.“

( kol )

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