Itzehoe

Mordprozess Olaf P.: Gericht macht am 22. April weiter

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Olaf Peters versteckt zum Prozessauftakt am 20. Februar sein Gesicht hinter einem Aktendeckel.

Olaf Peters versteckt zum Prozessauftakt am 20. Februar sein Gesicht hinter einem Aktendeckel.

Foto: Arne Kolarczyk

Das Urteil gegen den Tornescher, der laut Geständnis seine Stieftochter umgebracht hat, soll spätestens bis Ende April verkündet werden.

Tornesch/Itzehoe.  Die Corona-Zwangspause hat ein Ende – zumindest was den Mordprozess gegen Olaf P. aus Tornesch betrifft. Nächste Woche will die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Itzehoe das seit dem 10. März unterbrochene Verfahren wieder aufnehmen und ein Urteil sprechen.

Dank einer angesichts der Coronakrise neu geschaffenen Gesetzgebung konnte die Kammer den Prozess für bis zu drei Monate unterbrechen. Jetzt wird er am 22. April fortgesetzt, das Urteil ist nun für den 23. April geplant. Sollte dies zeitlich nicht klappen, hält das Gericht einen Reservetermin für den 27. April frei. Bis Ende April muss das Verfahren abgeschlossen sein, weil die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt zum 1. Mai an ein Hamburger Gericht wechselt. Da Richter nicht ausgetauscht werden können und zu Verfahrensbeginn kein Ersatzrichter benannt worden war, würde das Verfahren somit platzen.

Es war am 20. Februar mit der Verlesung der Anklage eröffnet worden. Fünf Tage später, am zweiten Prozesstag, machte der 55 Jahre alte Angeklagte reinen Tisch und gestand, am 21. August 2019 seine Stieftochter Nina T. brutal ermordet zu haben. Die 36-Jährige, die aufgrund ihrer Alkoholsucht zu Hause rausgeflogen war, hatte bei ihrem Stiefvater Asyl gefunden.

Der war jedoch laut seinem Geständnis mit der Situation überfordert und hatte in der Tatnacht zunächst mit einer Hantel auf den Oberkörper der schlafenden Frau eingeschlagen. Dann habe er eines der bereitliegenden Messer genommen und mehrfach auf den Oberkörper der 36-Jährigen eingestochen. Er habe dann Mund und Nase der Frau mit einem Panzertape abgeklebt, erneut zum Messer gegriffen und ihr den Kopf abgeschnitten.

Die Obduktion der Leiche hat die Rechtsmedizinerin Caroline Edler vom UKE übernommen. Sie wird ihr Gutachten bei der Prozessfortsetzung am 22. April erstatten. Anschließend soll die Hauptvernehmungsbeamtin der Mordkommission gehört werden. Es folgen vier weitere Zeugen, darunter der Lebensgefährte des Mordopfers. Sein elf Jahre alter Sohn ist dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen. Auch eine Arbeitskollegin der Toten soll an diesem Tag vernommen werden. Das hatte die Nebenklage mit einem Beweisantrag erzwungen. Nina T. soll der Arbeitskollegin gestanden haben, als Kind oder Heranwachsende vom Angeklagten mehrfach sexuell missbraucht worden zu sein. Dies hatte Olaf P. in seiner Einlassung mehrfach vehement bestritten.

Zum Abschluss der Beweisaufnahme steht noch das Gutachten des Psychiaters Prof. Arno Deister an. Er soll beurteilen, ob Olaf P. voll schuldfähig ist oder eventuell aufgrund einer psychischen Erkrankung in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war. Möglicherweise wird der Gutachter aufgrund der Coronakrise per Videoübertragung zugeschaltet. Sollte er sein Gutachten noch am 22. April erstatten können, wären am Folgetag Plädoyers und die Verkündung des Urteils möglich. Ansonsten müsste die Kammer eventuell auf den Reservetermin zurückgreifen. Aufgrund des bisherigen Prozessverlaufs dürfte am Ende eine Verurteilung wegen Mordes zu lebenslanger Haft wahrscheinlich sein. Spannend bleibt, ob das Gericht eine besondere Schwere der Schuld feststellt. Dann wäre eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren nicht möglich.

( kol )

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