Kultur

Archäologe entdeckt altertümliche Waschmaschine

| Lesedauer: 4 Minuten
Joana Ekrutt
Holger Junker ist seit Januar 2020 Leiter des Wedeler Stadtmuseums.

Holger Junker ist seit Januar 2020 Leiter des Wedeler Stadtmuseums.

Foto: Joana Ekrutt

Wedels neuer Stadtmuseumschef und Steinzeitexperte Holger Junker präsentiert in einem Film seine Lieblingsstücke. Davon gibt es einige.

Wedel. Beschwingte klassische Klaviermusik, die über eine Sequenz aus Nahaufnahmen historischer Gegenstände, Fotos und Dokumente gelegt ist, leitet die neue Videoreihe aus dem Wedeler Stadtmuseum ein. Der Protagonist? Museumsleiter und Steinzeitexperte Holger Junker. Unter dem Titel „museumsreif – Junkers Lieblingsstücke“ stellt der launige Archäologe in kurzen Videoclips einzelne Exponate aus dem Museum vor.

Los geht es in Folge eins mit einer alten Waschmaschine. Der Vorläufer der modernen Waschvollautomaten, der um 1930 entstanden ist, ist Teil der Dauerausstellung des Museums. „Die Waschmaschine funktioniert ganz ohne Strom“, sagt Junker, der im Video mit Begeisterung erklärt, wie vor 90 Jahren gewaschen wurde. Das Trommelprinzip gab es jedenfalls auch damals schon. „Ein simpler und genialer Aufbau.“ Bei seiner ersten Gruppenführung durch das Wedeler Stadtmuseum sei die Waschmaschine bereits von großem Interesse gewesen.

Ob prähistorische Waffenfunde aus der Elbe, ein impressionistisches Höckner-Gemälde oder das Reißbein aus der Hatzburg – Junkers Lieblingsstücke sind vielfältig, sein Wissen scheint unerschöpflich. Mit der Video-Reihe will der Museumsdirektor den Menschen in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen während der Coronapandemie Lust auf das Stadtmuseum machen. „Ich wähle so aus, dass ein guter Eindruck von der Ausstellung entsteht.“

Filme sollen Lust auf Besuch in der Nach-Corona-Zeit machen

Es sollen jedoch nicht alle Exponate der Dauerausstellung in „Junkers Lieblingsstücke“ gezeigt werden. „Ich möchte, dass die Leute auch wieder herkommen, wenn das mit Corona alles vorbei ist“, sagt der Museumschef. Deshalb habe er auch keine virtuelle Führung durch das ganze Museum aufnehmen und hochladen wollen. Denn: „In der Museumsarbeit geht es darum, Besucher zu generieren.“ So sei die Idee für das Videoformat entstanden, das derzeit auf Youtube und der städtischen Homepage (www.wedel.de) zu finden ist.

„Wenn die Verbreitung auf anderen Kanälen für die Stadt praktikabel erscheint, könnten es noch mehr werden“, sagt Stadtsprecher Sven Kamin, der bislang fünf Folgen des charmanten Museumseinblickes hochgeladen hat. Die einzelnen Folgen sind zwischen dreieinhalb und siebeneinhalb Minuten lang. Der Museumsleiter lässt sich dabei immer wieder etwas Neues einfallen. So redet er in einer Folge komplett auf Plattdeutsch, in einer anderen liefert er einen Einblick in sein Leitungsbüro im Museum.

Die Clips nimmt Junker selbst auf: „Die sind mit einem iPhone und einem Stativ gefilmt.“ Die einzelnen Objekte aus der Dauerausstellung auszuwählen falle ihm nicht immer leicht. „Da sind ganz tolle Stücke dabei, eigentlich nur Highlights.“ Die Aufnahmen mache er zwischendurch. „Immer dann, wenn mal Zeit ist.“ Viel Zeit habe er nämlich trotz des aktuell geschlossenen Museums nicht. „Ich halte Kontakt zu anderen Museen und recherchiere für künftige Ausstellungen“, sagt Junker. Zudem schreibe er Texte für die anstehende Sonderausstellung.

Ein ungewöhnlicher Einstand ist die derzeitige Situation für den Museumsdirektor, der jetzt seit etwas mehr als 100 Tagen im Amt ist allemal. Die digitale Vorstellung der Exponate, deren Idee aus der Zeit des geschlossenen Museums entstanden ist, sei jedoch nicht auf die Zeit der derzeit noch bis mindestens 3. Mai geltenden Kontaktsperre beschränkt. „Die Serie ist auch nach der Krise ausbaubar.“ Objekte aus seinem Fachgebiet, der Steinzeit, sollen schließlich auch noch vorkommen.

Wie der Name für die Videoreihe entstanden ist? „Dazu gibt es eine lustige Anekdote“, sagt Junker. So sei er bekannt dafür, bei seinen Museumsführungen immer zu sagen: „Das ist jetzt mein absolutes Lieblingsstück!“ Und das nicht nur einmal. „Das ist ein Running Gag geworden.“

So lange er keine Menschen real durch das Museum führen kann, nimmt Holger Junker sie digital mit. Immer mit dem Ziel vor Augen, dass das Stadtmuseum sobald wie möglich wieder seine Türen öffnet. Denn für den Experimental-Archäologen und Erlebnispädagogen gilt: „Ein Museum ohne Besucher ist wie ein Hafen ohne Schiffe.“

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