Kreis Pinneberg

Einzelhandel in der Region atmet auf: Es geht weiter!

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Joana Ekrutt
Beate Gesing hat die Zwangspause genutzt, um ihren Laden namens Livet an der Pinneberger Dingstätte zu renovieren. Am Montag öffnet sie wieder.

Beate Gesing hat die Zwangspause genutzt, um ihren Laden namens Livet an der Pinneberger Dingstätte zu renovieren. Am Montag öffnet sie wieder.

Foto: Joana Ekrutt

Geschäftsleute im Kreis Pinneberg sind „positiv überrascht“, dass sie ab Montag wieder öffnen dürfen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

Pinneberg.  Liegt es an den milden Temperaturen? Daran, dass Markttag ist? Oder sind die am Mittwoch von Bund und Ländern beschlossenen vorsichtigen Lockerungen der Coronamaßnahmen dafür verantwortlich, dass durch die Pinneberger Innenstadt ein Hauch von Aufbruchsstimmung weht? Deutlich mehr Menschen sind am Donnerstagvormittag auf den Straßen unterwegs als in den vergangenen Wochen. Zum ersten Mal seit langer Zeit ist wieder Straßenmusik zu hören. Es wird freundlich gegrüßt, hier und da geplaudert. Aber alles auf Abstand.

Ab Montag sollen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen dürfen. Für so manchen Ladenbesitzer bedeutet das jetzt: Vorbereitungen treffen. Die meisten Pinneberger Geschäfte liegen jedoch auch einen Tag nach der Verkündung noch im Dornröschenschlaf. Die Türen sind verschlossen, in den Schaufenstern kleben die Zettel mit der voraussichtlichen Länge der Schließungszeit.

In manchen Läden wird jedoch schon fleißig gewerkelt. So auch bei Livet, einem Geschäft für nordische Mode und Design an der Dingstätte. Inhaberin Beate Gesing kniet neben einem großen Topf voll weißer Farbe und streicht Regalböden. Dass sie ihren kleinen Laden so schnell wieder öffnen darf, damit habe sie nicht gerechnet, sagt sie. „Vor dem 1. Mai hätte ich das nicht erwartet.“ Die offene Ladentür lockt erste Kunden an. Eine Frau bleibt stehen und erkundigt sich nach einem Kleid im Schaufenster. Beate Gesing hängt es für sie zurück – noch ist der Laden geschlossen. Doch die Kauflust der Menschen ist spürbar.

45 Quadratmeter Verkaufsfläche misst Gesings Geschäft. Viel Platz, um einander auszuweichen, gibt es zwischen den Regalen nicht. Um die Abstandsregeln zu wahren, können sich künftig maximal zwei Personen bei ihr im Laden aufhalten. Über die Regel mit den 800 Quadratmetern sei sie daher erstaunt gewesen. „Bei kleinen Läden ist es viel schwieriger, die Abstandsregeln einzuhalten.“

Während der Arbeitszeit wolle sie von nun an einen Mundschutz tragen. „Man macht alles, um sich und die Kunden zu schützen“, betont Gesing. Was sie während der Zwangspause gemacht hat? „Ich habe die Zeit effektiv genutzt, um alles zu renovieren und hübsch zu machen.“ So hat die studierte Innenarchitektin den Laden neu gestrichen, umdekoriert und neue Regale gebaut. „Ich habe das realisiert, was man während des Geschäftsbetriebs nicht schafft.“

Mehr als vier Wochen Zwangspause bedeuten jedoch auch Umsatzeinbußen. Daher freut sich Gesing nun sehr über die Lockerungen. „Es ist schön, dass es jetzt wieder losgehen kann.“ Das sieht auch Tim Glindmeyer so, Geschäftsführer vom Mode- und Wäschehaus Glindmeyer ein paar Türen weiter. 750 Quadratmeter Verkaufsfläche misst das Modehaus, das Wäschehaus direkt gegenüber hat eine Fläche von 200 Quadratmetern. Somit fallen beide Glindmeyer-Häuser unter die neuen Regeln und dürfen demnach am kommenden Montag voraussichtlich wieder öffnen.

Viereinhalb Wochen Pause waren geschäftsschädigend

Seit Mittwoch werden daher bereits Vorbereitungen in beiden Geschäften getroffen. Durch die Schaufenster sind etliche Verkäufer zu sehen, die Wäsche und Kleidung sortieren und neu platzieren. „Viereinhalb Wochen zu schließen war sehr geschäftsschädigend“, sagt Glindmeyer. „Schließlich laufen die Kosten weiter.“ Die Mitarbeiter werden nun in zwei Schichten aufgeteilt, damit sich weniger Personen gleichzeitig im Geschäft aufhält. Zur Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln wurde vor den Kassen ein Plexiglasschutz montiert und wurden Abstandsmarkierungen angebracht. Zudem werden alle Mitarbeiter mit einem Mundschutz ausgestattet.

Claudia Patt von der Wirtschaftsgemeinschaft Pinneberg findet die Lockerungsregelungen einerseits verständlich. Wie Beate Gesing hat sie jedoch auch Bedenken in Bezug auf die Größenordnung. „In größeren Geschäften sind die Abstandsregeln leichter einzuhalten als in kleineren.“ Dennoch seien die vorsichtigen Öffnungen gut, „damit die Wirtschaft nicht völlig den Bach runtergeht“. Welche Auswirkungen das auf die Infektionszahlen habe, müsse sich dann jedoch erst noch zeigen.

Songül Aksu, Centermanagerin des Stadtzentrum Schenefeld, möchte sich zu den Lockerungen nicht äußern, bevor alle offiziellen Details geklärt sind.

In Elmshorn seien viele Ladenbesitzer von den frühen Lockerungen positiv überrascht gewesen, sagt Manuela Kase vom Stadtmarketing. „Jeder Tag zählt. Gerade bei den kleineren Fachgeschäften.“ Nun müssten Mitarbeiter zurückgeholt und Überlegungen zur Umsetzung der Hygieneregeln getroffen werden. „In den Geschäften laufen die Drähte heiß“, sagt Kase, die bereits mit einigen Geschäftsinhabern gesprochen hat. „Wir hoffen, dass es für alle weitergeht und die Wirtschaft sich ganz schnell wieder erholt.“

Modehaus Geschäftsführer Tim Glindmeyer spricht sicherlich vielen Händlern aus der Seele, wenn er sagt: „Wir sind bereit, durchzustarten.“

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