Kreis Pinneberg

468 Infizierte: Nur ein neuer Fall, weil Labore pausierten

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Über die Feiertage wurde auch weniger getestet, hier die Corona-Drive-in-Station in Elmshorn auf einem Archivbild.

Über die Feiertage wurde auch weniger getestet, hier die Corona-Drive-in-Station in Elmshorn auf einem Archivbild.

Foto: Arne Kolarczyk

Kreis führt niedrige Zahl auf Ostereffekt zurück. Wedeler Hilfsfonds zahlt Geld aus. Edeka-Kaufmann spendet Schoko-Hasen.

Kreis Pinneberg.  Die Osterfeiertage haben sich auch am Dienstag noch auf die aktuellen Coronazahlen ausgewirkt. Denn wegen geschlossener und stark eingeschränkt arbeitender Testlabore meldete das Gesundheitsamt des Kreises lediglich einen neuen bestätigten Fall einer Covid-19-Erkrankung von Montag auf Dienstag. Damit stieg die Zahl aller bisher nachgewiesenen Coronainfektionen im Kreis nur marginal auf 468. Von allen Erkrankten mussten bisher 88 stationär in einem Krankenhaus aufgenommen werden. Nach wie vor sind zwölf Menschen bis zum Dienstagabend an der Infektion gestorben, überwiegend Bewohner der besonders betroffenen Altenheime in Tornesch und Rellingen. 133 Coronapatienten gelten inzwischen als genesen.

In ganz Schleswig-Holstein war der Zuwachs an Neuerkrankungen ebenfalls gering. Nur 27 bestätigte Infektionen kamen dazu, was die Fallzahl im Land auf 2162 steigen ließ. Noch nicht eingerechnet ist allerdings ein Ausbruch in einem Pflegeheim im Kreis Stormarn, wo 72 Menschen positiv getestet worden waren. Landesweit sind schätzungsweise 1400 Personen genesen. Die Gesamtzahl der Todesfälle beträgt bisher 49.

Wedels Hilfsfonds fördert die ersten 32 Antragsteller

Soforthilfe für durch die Coronakrise in Bedrängnis geratene Unternehmen: Nach der ersten Sitzung der Vergabe-Kommission des Hilfsfonds Wedel haben die ersten Antragsteller Hilfe erhalten. Kleine Betriebe mit bis zu zehn Beschäftigten und Freiberufler, die durch die Ausgangsbeschränkungen besonders stark betroffen sind, können jeweils bis zu 3000 Euro beziehen.

Der Hilfsfonds wurde vor rund zwei Wochen von der Stadt, der Stadtsparkasse Wedel, Wedel Marketing und dem Zusammenschluss der Wedeler Kaufleute ins Leben gerufen (wir berichteten). Die Stadtsparkasse lieferte das Startkapital von 100.000 Euro und startete einen Spendenaufruf. Bis vergangene Woche seien zusätzlich Zahlungen in Höhe von 150.000 Euro eingegangen. „Allein 20.000 Euro stammen von Privatpersonen - eine beachtliche Zahl und ein starkes Signal für die Solidarität der Wedelerinnen und Wedeler untereinander“, sagt Claudia Reinhard, Geschäftsführerin von Wedel Marketing. Bis vergangenen Dienstag waren 60 Anträge bei der Stadt eingegangen. „Das hat gezeigt, dass die Einschnitte durch die Coronakrise vor allem im örtlichen Einzelhandel und Gastronomiebetrieben gravierend sind“, sagt Marc Cybulski, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse. 42 Antragsteller hätten einen positiven Bescheid erhalten, da sie Kriterien erfüllen wie Angestellte zu haben oder ein Geschäft oder Restaurant zu betreiben, das für die Infrastruktur Wedels von Bedeutung ist.

Senioren-Union warnt: Ältere nicht wegsperren

„Wir sind zwar alt, können aber mit der Coronakrise gut umgehen und brauchen keine Sicherungsverwahrung“: Mit dieser Feststellung wehrt sich der Vorsitzende der Senioren-Union im Kreises Pinneberg, Josef Werner, gegen Überlegungen, im Zuge einer Lockerung der Quarantänemaßnahmen ältere Menschen vom öffentlichen Leben auszuschließen.

Er verweist auf die Erfahrungen der Senioren im Umgang mit schwierigen Zeiten, sagt: „Wer heute 8o oder älter ist, hat in den Jahren 1943 bis 1948 wirklich schwere Zeiten erlebt und bewiesen, dass er damit fertig werden kann.“ Dagegen seien die heutigen Einschränkungen zwar schwierig, aber erträglich und ohne Gejammer zu bewältigen. Werner weiter: „Deshalb müssen ältere Menschen auch keine Freiheitsbeschränkungen hinnehmen, es sei denn, es ergibt sich ein Risikoprofil zum Beispiel bei Menschen in Seniorenpflegeheimen, die erkrankt sind.“

Auch dann müsse aber geprüft werden, ob im Einzelfall eine besondere Isolation erforderlich ist. „Im Selbstbild der Senioren und Seniorinnen ist eine Bevormundung jedenfalls abzulehnen“, so Werner. Nicht zu unterschätzen seien auch die negativen Auswirkungen einer Isolation auf die Gesundheit und die Psyche der Menschen. Bei den anstehenden politischen Entscheidungen seien deshalb das Selbstbestimmungsrecht und die Freiheitsrechte auch der älteren Personen in besonderer Weise zu beachten. In diesem Zusammenhang wehrt sich Werner auch gegen eine zunehmende Zahl von „Witzchen“ vor allem jüngerer Menschen über „senile Senioren“ in der Coronakrise, die ihnen ihre Zukunft verspielt hätten. „Wir müssen uns von Rotznasen nicht noch lächerlich machen lassen.“

Edeka-Hayunga spendet große Mengen an Osterhasen

In Zeiten der Coronakrise wurden Osterartikel teilweise zum Ladenhüter. Davon profitiert hat der Kinderschutzbund in Elmshorn, der einer der Nutznießer einer Großspende des Edeka-Kaufmanns Jan Hayunga ist. Der hat nicht verkaufte Osterschokolade kostenlos abgegeben.

„Wir haben eine riesige Lieferung von Osterschokolade erhalten“, sagt Elke-Maria Lutz vom Kinderschutzbund. Zwei Mitarbeiter von Hayunga brachten am Sonnabend zum Geschäftsschluss die Schokohasen und die anderen Naschereien zum Büro des Kinderschutzbundes an der Jürgenstraße.

Dienstag haben die ehrenamtlichen Helfer damit begonnen, die Schokoüberraschungen an die Kinder zu verteilen. Dies passiert im Rahmen der Lebensmittelgutscheinaktion, die der Kinderschutzbund für bedürftige Kinder ins Leben gerufen hat. Die Gutscheine über 25 Euro, die sich rein aus Spenden finanzieren, werden werktags von 10 bis 11 Uhr an der Jürgenstraße ausgegeben. Sie gehen an die Mütter der Kinder. Die Schlange ist teilweise so lang, dass die Helfer über die angesetzte Stunde hinaus mit der Verteilung beschäftigt sind. Dienstag wurden weitere 80 Gutscheine verteilt, insgesamt haben Elke-Maria Lutz und ihr Team bisher 461 ausgegeben. 100 weitere Gutscheine hat Lutz Dienstag geordert.

Rote Striche auf dem Gehweg weisen auf die Abstandsregeln hin. Polizei und Ordnungsamt haben dies mehrfach kontrolliert. Beanstandungen gab es laut Elke-Maria Lutz nicht.

( nib/joa/kol/HA )

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