Pinneberg

750 Löcher für die XXL-Gastrasse durch die Marsch

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Joana Ekrutt
Pinneberg: Für die geplante Erdgastransportleitung werden Bodenuntersuchung zur Erkundung der Trasse durchgeführt.

Pinneberg: Für die geplante Erdgastransportleitung werden Bodenuntersuchung zur Erkundung der Trasse durchgeführt.

Foto: Klaus Andrews

Betreiberfirma Gasunie intensiviert Baugrund-Untersuchungen der geplanten Pipeline zwischen Brunsbüttel und Hetlingen.

Hetlingen. Das geplante Pipelineprojekt zwischen Brunsbüttel und Hetlingen wird immer konkreter. Die Betreiberfirma Gasunie hat die bereits Ende 2019 begonnenen Baugrunduntersuchungen in den von der XXL-Gastrasse betroffenen Ämtern und Gemeinden der schleswig-holsteinischen Kreise Dithmarschen, Pinneberg, und Steinburg nun intensiviert. Die Arbeiten, für die rund 750 Punkte im Verlauf der Trasse untersucht werden, sollen etwa acht Monate andauern.

„Auf Grundlage der im Oktober durch das Land Schleswig-Holstein erteilten landesplanerischen Feststellung nehmen wir jetzt die Vorzugstrasse noch einmal genau in Augenschein“, sagt Projektleiter Arndt Heilmann. Ziel sei es, die endgültige Trassenführung zu ermitteln, mit der Gasunie ins Planfeststellungsverfahren gehen will. „Nur dann, wenn wir verlässliche Daten, insbesondere auch zum Untergrund vorliegen haben, sind wir in der Lage, die Leitung unter Berücksichtigung der örtlichen Bodenverhältnisse und Drainagen optimal zu planen und zu bauen.“

Etwa zehn Personen eines spezialisierten Fachunternehmens sollen die im Vorfeld festgelegten Punkte untersuchen. Für die oberflächennahen Untersuchungen bis zu einer Tiefe von etwa fünf Metern kommt ein Kleinbohrgerät zum Einsatz. Damit ließen sich laut Gasunie die wichtigsten Daten für die Verlegung des Pipelinerohres mit der gesetzlichen Anforderung von mindestens einem Meter Erdüberdeckung erheben.

Dort, wo die Trasse tiefer verlegt werden müsste, beispielsweise bei der Unterquerung von Bundesstraßen, Bahnlinien oder Gewässern, kommen größere Untersuchungsgeräte zum Einsatz, mit denen Informationen über die Bodenbeschaffenheit in 20 Metern Tiefe oder noch tiefer gelegener Schichten gewonnen werden sollen. Beide Verfahren sollen zuverlässige Angaben über die Bodenschichtung, die vorhandenen Bodenarten und deren Dichte ermöglichen.

Das gewaltige Infrastrukturprojekt hatte in der Vergangenheit viel Protest hervorgerufen. Vor allem Landwirte zeigten sich angesichts der Pipeline-Pläne besorgt um ihre Marschböden. Sie fürchten eine Zerstörung des Entwässerungssystems. Im Kreis Pinneberg wären von dem Bau der Gasleitung neben Hetlingen auch die Kommunen Raa-Besenbek, Seester, Neuendeich, Seestermühe, Groß Nordende, Moorrege, Haselau, Haseldorf, Heist und Uetersen betroffen. Hetlingens Bürgermeister Michael Rahn (FW) und die Landtagsabgeordnete Barbara Ostmeier (CDU) kritisierten neben den klimapolitischen Auswirkungen auch die zögerliche Informationspolitik der Gasunie. Nun sei das Unternehmen um Transparenz bemüht.

Den Ängsten der Bauern versucht das Unternehmen jetzt nämlich etwas entgegenzusetzen. „Bereits im vorigen Jahr haben wir entlang der von uns ins Auge gefassten Vorzugstrasse Öffentlichkeitsveranstaltungen durchgeführt, die sich schwerpunktmäßig an die Flächenbesitzer und Landwirte richteten“, sagt Projektleiter Heilmann. Das Thema Bodenverhältnisse sei dabei mit allen Beteiligten intensiv diskutiert worden. Erkenntnis: „Gerade das Thema Böden in der Marsch fordert von uns ein hohes Maß an Umsicht.“

Deshalb würden bereits jetzt alle Arbeiten durch einen Sachverständigen zum Bodenschutz begleitet. Aus dessen weiteren Untersuchungen soll sich das Konzept für Bodenschutz und –management entwickeln, das laut Gasunie wichtiger Bestandteil der Planfeststellungsunterlagen sein wird. Auch auf die vorhandenen Drainagen zur Entwässerung der Flächen geht das Unternehmen ein.

„Um hier Beschädigungen zu vermeiden, hat Gasunie im Verlauf der Wegerechtsverhandlungen bereits Informationen über vorhandene Drainagen aufgenommen“, so Heilmann. „Überall, wo Drainagepläne vorhanden waren, haben wir die Flächenbesitzer gebeten, diese an uns zu übergeben, damit wir diese wichtigen Informationen bereits bei der Planung berücksichtigen können.“

Mit der rund 60 Kilometer langen Pipeline soll Erdgas, das über das noch zu bauende LNG-Terminal in Brunsbüttel importiert wird, in das deutschlandweite Gasnetz eingespeist werden. Das Terminal in Brunsbüttel wäre das erste deutsche Import-Terminal für verflüssigtes Erdgas. Im vergangenen Jahr hat sich das Kieler Innenministerium mit einer Landesplanerischen Feststellung für die vom Leitungsbauer bevorzugte Trasse von Brunsbüttel nach Hetlingen entschieden.

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