Pinneberg
Corona-Krise

Yachthafen Wedel: Wo Boote und Hamburger draußen bleiben

Yachthafen Wedel: Gerhard Gehrke, Zweiter Vorsitzender der Hamburger Yachthafen-Gemeinschaft, und der Vorsitzende Jörg-Michael Satz sind mit der Situation selbst auch überhaupt nicht zufrieden.

Yachthafen Wedel: Gerhard Gehrke, Zweiter Vorsitzender der Hamburger Yachthafen-Gemeinschaft, und der Vorsitzende Jörg-Michael Satz sind mit der Situation selbst auch überhaupt nicht zufrieden.

Foto: Joana Ekrutt / HA

Vorstand der Hamburger Yachthafen-Gemeinschaft wirbt um Verständnis und verweist auf Regeln in Schleswig-Holstein.

Wedel.  Schon von Weitem sind die rot-weißen Verkehrskegel auf der langen Zufahrtsstraße zu erkennen. Das Schiebetor dahinter ist verschlossen. Ein Pförtner lässt nur hin und wieder ein Auto passieren. Wo sonst Segler zu ihren Booten fahren, herrscht zurzeit, wie fast überall, gähnende Leere. Denn auch der Hamburger Yachthafen ist zur Eindämmung des Coronavirus’ gesperrt. Seit dem 23. März stehen die Hafenanlagen und deren Einrichtungen nicht zur Verfügung. Diese Regelung gilt für alle – sowohl für Hamburger als auch für Schleswig-Holsteiner. Der Beschluss dazu fußt auf einer Landesverordnung zur Bekämpfung der Ausbreitung von SARS-CoV-2 in Schleswig-Holstein.

Bootseigner die ihren Erstwohnsitz in Schleswig-Holstein haben, dürfen das Gelände unter Einhaltung der gebotenen Abstandsregeln für Winterlagerarbeiten an ihren Booten jedoch aufsuchen. Dass dies nur Schleswig-Holsteinern gestattet ist, sorgt bei vielen Bootsbesitzern im Nachbarland für Unmut. „Viele Hamburger haben sich beschwert. Das verstehen wir“, sagt Gerhard Gehrke, stellvertretender Vorsitzender der Hamburger Yachthafen-Gemeinschaft. „Aber nicht wir verbieten ihnen den Zutritt, sondern wir müssen uns an die geltenden Reisebeschränkungen für Touristen halten.“ Die Polizei kontrolliere mehrmals täglich das Gelände, um zu überprüfen, ob die Regeln auch eingehalten werden. Seit Beginn der Einschränkungen seien die Vorstandsmitglieder bei der Beantwortung von Anfragen kaum noch hinterhergekommen. „So viel wie in den letzten Wochen hatten wir noch nie zu tun.“

Wedel: Boot zu fahren ist ein verbotener Freizeitzweck

Laut einer Allgemeinverfügung des Landes sind Reisen aus touristischem Anlass nach Schleswig-Holstein untersagt. Das gilt auch für Reisen, die zu Freizeitzwecken unternommen werden, worunter auch Freizeitaktivitäten an Sportbooten im Wasser oder an Land zählen. „Wir haben keinen Einfluss darauf“, betont der Vorsitzende der Hamburger Yachthafen-Gemeinschaft, Jörg-Michael Satz. „Wir unterliegen den Bestimmungen des Landes Schleswig-Holstein.“

Denn der Hamburger Yachthafen, einst aus einer Gemeinschaft Hamburger Segler entstanden und Heimatbasis für mehr als 50 Vereine, befindet sich in Schleswig-Holstein auf dem Gebiet der Stadt Wedel. Doch nicht nur Bootsbesitzer ärgern sich über das Vorgehen des Nachbarlandes.

Besonders groß war das Unverständnis über die vorübergehende Anordnung, nach der Hamburger, die sich in ihren Ferienwohnungen und -häusern an den Küsten aufhielten, aufgefordert wurden, diese umgehend zu verlassen (wir berichteten). Die Regeln wurden nach starkem Protest zwar wieder geändert, doch nach wie vor kommt es an den Grenzen zu kuriosen Szenen, etwa wenn Fahrradfahrer oder Spaziergänger aus der Hansestadt von der Polizei aufgefordert werden, wieder umzukehren. Das Einreiseverbot, das die Landesregierung in Kiel für Touristen, Tagesausflügler und Zweitwohnungsbesitzer erlassen hat, gilt vorerst bis zum 19. April.

Erst 150 von 1900 Booten sind im Wasser

Im Hamburger Yachthafen werde die Zeit, in der die Boote nicht bewegt werden dürfen, genutzt, um erforderliche Reparaturen an der schwimmenden Anlage vorzunehmen. „An dem Tag, an dem die Beschränkungen aufgehoben werden, wollen wir vorbereitet sein“, sagt Satz. Anfang Mai würden eigentlich die rund 1900 Liegeplätze belegt sein. Derzeit sind allerdings erst 150 Schiffe im Hafen vertäut. „Wir fangen im März an, die Schiffe ins Wasser zu bringen. In diesem Jahr mussten wir am 25. März aufhören.“ Das erklärt, warum die eine Seite des Hafenbeckens komplett leer ist. „Um diese Zeit würden wir normalerweise alle 20 Minuten ein Schiff ins Wasser bringen. Ende April wären wir dann fertig“, so der Vereinsvorsitzende. Bis der Hafen voll ist, dauere es vier bis sechs Wochen. Da aufgrund der Coronakrise nur eine Woche Boote ins Wasser gesetzt werden konnten, sind nun noch fünf Wochen offen.

Besonders ärgerlich ist die Zwangspause für Eigner von Holzbooten. „Sie müssen von unten nass sein. Durch eine lange Liegezeit an Land trocknen sie aus und werden rissig“, erklärt Gehrke. Die beiden Vereinsvorsitzenden, von denen einer in Hamburg und der andere in Wedel wohnt, sagen: „Alle haben ein starkes Interesse daran, dass es wieder losgeht. Sowohl Hamburger als auch Schleswig-Holsteiner.“