Kreis Pinneberg

Lesen in Coronazeiten: „Wenigstens in Gedanken reisen“

| Lesedauer: 5 Minuten
Thomas Pöhlsen
Gruppenbild in Zeiten von Corona: Die Buchhändlerinnen Rebekka Petersen (v.l.), Doris Gumprecht und Ulrike Krödel von der Buchhandlung Lavorenz in Uetersen geben Lesetipps 

Gruppenbild in Zeiten von Corona: Die Buchhändlerinnen Rebekka Petersen (v.l.), Doris Gumprecht und Ulrike Krödel von der Buchhandlung Lavorenz in Uetersen geben Lesetipps 

Foto: Thomas Pöhlsen

Serie: In loser Folge geben Buchhändler aus dem Kreis Pinneberg Lesetipps für die Zeit der Krise. Heute: Was Lavorenz in Uetersen empfiehlt.

Uetersen.  „Es spricht sich langsam rum“, sagt Ulrike Krödel von der Buchhandlung Lavorenz. Das Uetersener Familienunternehmen versorgt die Leseratten und Bücherwürmer auch in den Zeiten der Corona-bedingten Schließung des Geschäfts in der Fußgängerzone mit Nachschub.

Zwei Möglichkeiten gibt es für die Kunden, an den bestellten Lesestoff zu kommen. Sie können sich die Bücher liefern lassen, und das ist bei Lavorenz Chefsache. Geschäftsführer Thorsten Vietheer setzt sich ins Firmenauto, um die Bücher zum Kunden zu bringen. Die Möglichkeit zwei wird nach Auskunft von Ulrike Krödel von den Kunden allerdings stärker genutzt und ist eine typisch Uetersener Zusammenarbeit. Die Bücher können im Tabakstübchen bei Edeka Ermeling am Gerberplatz abgeholt werden. Horst Ermeling und die Familie Lavorenz sind zwei wichtige und traditionsreiche Player im Einzelhandel der Rosenstadt.

Kunden ziehen örtliche Läden dem Versandhandel vor

Hauptsächlich sind es Stammkunden, die auch in schwierigen Zeiten nicht ohne Lesenachschub auskommen wollen. Ulrike Krödel macht daneben eine zweite wichtige Gruppe aus: Junge Familien bestellen nicht nur Bücher, sondern auch gleich noch Stifte und Malpapier für die Kinder mit. In der aktuellen Situation verstärkt sich ein Trend, den die Buchhändlerin bereits seit einiger Zeit beobachtet hat. Vermehrt befinden sich junge Familien unter den Kunden, die ursprünglich aus Hamburg kommen und nach Uetersen oder in eine der umliegenden Dörfer gezogen sind. Vielen Kunden ist es gemein, dass sie sich nicht von Amazon oder einer anderen Internet-Firmen beliefern lassen wollen. Sie möchten dem lokalen Einzelhandel auch in dieser komplizierten Situation die Treue halten und ihn stärken.

Auch wenn sie nicht mehr ins Geschäft kommen können: Der persönliche Kontakt ist vielen Lesern bei dem Bestellvorgang nach wie vor wichtig. Die meisten Orders werden nach Auskunft von Ulrike Krödel per Telefon aufgegeben. Danach folgt die Bestellung per E-Mail, und ganz am Ende rangiert die Kommunikation über die Website der Buchhandlung. Bei der Abarbeitung der Bestellungen werden natürlich die gebotenen Regeln in Zeiten von Corona eingehalten. Nur jeweils eine der Mitarbeiterinnen der Buchabteilung arbeitet im Haus am Großen Sand.

Immer noch sind die Meinungen und Hinweise der Fachfrauen wichtig für die Kaufentscheidung. Ulrike Krödel und Doris Gumprecht, die beiden leiten das Team der Lavorenz-Buchhandlung, sowie Rebekka Petersen haben gemeinsam die aus ihrer Sicht besten Bücher für die langweiligen Zeiten zu Hause ausgesucht. Jeweils drei Bücher für Erwachsene und Kinder legen sie den Lesern ans Herz. Alle Werke, die die Frauen empfehlen, stammen übrigens aus der Feder von Frauen.

Für Erwachsene empfehlen sie „Die Mühlenschwestern“ von Jana Lukas. Die Trilogie beschreibt den Weg einer jungen Frau aus der Enge des Dorfes hinaus in die weite Welt. Ein traumatisierendes Ereignis lässt sie zurück in die Heimat ziehen, wo sie für sich einen neuen Anfang finden. „Ganz großartig ist die schöne Landschaft im Berchtesgadener Land beschrieben. So können wir wenigstens in Gedanken reisen“, steht für Ulrike Krödel fest.

Roadtrip in der Krise, Achterbahn der Gefühle

Gefühlvoll geht es auch in dem Debütroman „Marianengraben“ von Jasmin Schreiber zu. „Eine ganz besondere Stimmung“ habe die Autorin geschaffen, urteilen die Uetersener Buchexpertinnen. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, aus der Bahn geworfen durch den tödlichen Unfall des kleinen Bruders. Durch Zufall trifft sie auf einen älteren, etwas schräg ins Leben gestellten Mann, mit dem sie auf einen Roadtrip geht. „Man will weinen und gleichzeitig lachen, es ist eine Achterbahn der Gefühle, aber von der guten Art.“

Für Krimifreunde und in bester Suspense-Manier geschrieben ist „Blind“ von Christine Brand. Der blinde Nathanael wird am Telefon Zeuge eines Mordes, doch niemand glaubt ihm. So muss er sich selbst auf die Suche nach dem Mörder machen. „Meisterhaft schafft es die Gerichtsreporterin, die Spannung bis zum Schluss zu halten“, lautet das Urteil der Uetersenerinnen.

Auch für Kinder haben sie Tipps parat. „Kronenherz“ ist das Debüt der Schriftstellerin Jana Hoch und zugleich der Auftakt ihrer Serie „Royal Horses“. Eine spannend-romantische Geschichte mit vielen Wirrungen und Geheimnissen für Jugendliche ab zwölf Jahre. Ein Mädchen an der Schwelle zur Frau, Pferde, blöde und nette Jungs, Blaublüter und wunderbare englische Landschaften bilden den Rahmen.

Für junge Harry-Potter-Fans, die von dem Fantasy-Genre nicht genug bekommen können, ist die Reihe „Die Drachenschule“ von Emily Skye bestens geeignet. Im ersten Band ist die Hauptfigur Henry noch der festen Überzeugung, dass es keine Drachen gibt. Im dritten Band erlebt er zusammen mit anderen Schülern auf der „Wolkenburg“ spannende Abenteuer. Genau richtig zum selbst lesen für Kinder ab acht Jahre oder zum Vorlesen ab sechs Jahre.

Ebenfalls in Serie sind die Abenteuer von Pauline, Ben, Flora, Lennart und Jannik gegangen. Als „Strandpiraten“ decken sie „Giftgefahr unter Wasser“ auf, kümmern sich um „Greifvögel in der Falle“ und machen „Jagd auf die Müllmafia“. Andrea Poßberg und Corinna Böckmann haben Krimis für Kinder geschaffen, denen ihre Umwelt wichtig ist.

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