Kreis Pinneberg

Ingeborg Triskatis hinterlässt eine große Lücke

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Andreas Daebeler
Ingeborg Triskatis ist mit 69 Jahren unerwartet gestorben.

Ingeborg Triskatis ist mit 69 Jahren unerwartet gestorben.

Foto: HA / Burkhard Fuchs

Trägerin des Bundesverdienstkreuzes stirbt unerwartet mit 69 Jahren. Die Pinnebergerin gründete den Förderverein des Regio Klinikums.

Pinneberg.  Wenn Ingeborg Marie Triskatis einen Raum betrat, nahm sie ihn ein. Mit ihrem Lachen. Mit einem großen Optimismus. Der konnte fordern, anstecken und mitreißen. Und Ingeborg Triskatis wusste, diese Gabe einzusetzen. Sie engagierte sich ehrenamtlich, feuerte und packte an. Vor allem für den Förderverein des Pinneberger Krankenhauses. Den hatte sie 1998 mit dem damaligen SPD-Landtagsabgeordneten Bernd Schröder aus der Taufe gehoben. Die Freunde des Klinikums werden jetzt ohne ihre Vorkämpferin auskommen müssen. Ingeborg Triskatis ist plötzlich und unerwartet im Alter von 69 Jahren gestorben.

Pinneberg trauert um eine Frau, die Spuren in der Stadt hinterlassen hat. Tiefe Spuren. Einen Raum, den Ingeborg Triskatis oft betreten hat, gäbe es ohne sie wohl gar nicht. Er ist im zweiten Stockwerk des Pinneberger Krankenhauses zu finden. Die Rede ist vom Raum der Stille des Klinikums am Fahlt. Der war eines der ersten Projekte, das der Förderverein unter ihrer Regie verwirklicht hat. Gemeinsam mit der befreundeten Künstlerin Gisela Meyer-Hahn entstand nach Monaten der Vorbereitung ein ganz besonderer Rückzugsort für Patienten und Angehörige. „Uns verband etwas sehr Tiefes“, sagte Meyer-Hahn am Sonntag. Unvergessen das Zusammenwirken der Beiden, als es um eines der größten Kunstprojekte in der Geschichte der Stadt ging. „Pinneberg im Licht“ ließ 2010 Gebäude, Plätze und sogar die Hochbrücke leuchten.

Für Ingeborg Triskatis war das Projekt eine Herzensangelegenheit. Auch weil sie selbst ihre Stadt in einem anderen, helleren Licht sah als manch Nörgler. An den Chroniken von Pinneberger Schulen hat Ingeborg Triskatis ebenfalls mitgeschrieben. So setzte sie sich 15 Jahre lang als Vorsitzende des Elternbeirats der Grundschule am Rübekamp für die Interessen der Kinder und Familien ein. Auch an der Johannes-Brahms-Schule werden viele sich an sie als Elternvertreterin erinnern. In der Kommunalpolitik war Ingeborg Triskatis stets präsent, wenn auch nicht in erster Reihe. Für die Christdemokraten war sie bis zuletzt als Schriftführerin des Pinneberger Stadtverbands aktiv.

Die Notwendigkeit einer vernünftigen medizinischen Versorgung war früh ein Fixpunkt im Leben von Ingeborg Triskatis. Schon 1982 gründete sie die Bürgerinitiative „Notarztwagen in Pinneberg rund um die Uhr“ und drei Jahre später gemeinsam mit Ärzten die Bürgerinitiative „Neues Krankenhaus Pinneberg“. Später setzte sie sich stark für die Hospizbewegung in der Region ein. Im Jahr 2012 bekam Ingeborg Triskatis für ihr ehrenamtliches Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht. Sie finde, dass andere Ehrenamtliche in Krankenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen, die sich dort mehrmals die Woche einsetzten, eine solche Auszeichnung mehr verdient hätten als sie, sagte sie damals. Und nahm die Ehrung als Ansporn, noch mehr für den Verein der Freunde des Klinikums in Pinneberg zu trommeln.

Mit Erfolg: 2015 konnte die Spenden-Schallmauer von 500.000 Euro durchbrochen werden. Geld, das in Fortbildungen und Projekte wie die Klinik-Clowns, die der Vereinschefin besonders am Herzen lagen, investiert wurde. Auch ein notwendiger Strategiewechsel wurde 2009 bewältigt. Das vorhandene Betriebsvermögen des Krankenhauses am Fahlt darf seit der damaligen Privatisierung des Klinikums durch Spenden nicht mehr gesteigert werden. Aus der Not machte der Vorstand um Triskatis eine Tugend. Und konzentrierte sich darauf, Patientenzimmer und andere Räume zu verschönern. Immer wieder konnten Künstler für Kooperationen gewonnen werden.

Bis zuletzt arbeitete Ingeborg Triskatis unermüdlich für den Verein der Klinik-Freunde, leitete im Februar die Jahreshauptversammlung und erlebte im März noch mit, wie ein in der Christuskirche geplantes Benefizkonzert wegen der Corona-Krise abgesagt werden musste. Bis mindestens 2021 hätte sie als Vorsitzende amtiert. „Sie hat sich bis zum Schluss für andere eingesetzt, noch Danke-Körbe für die Stationen gepackt“, so Vorstandskollegin Maren Schwartz am Sonntag.

Das Team der Regio Kliniken hat bereits Abschied genommen und sich für unerschöpfliche Leidenschaft bedankt. Man habe eine Freundin verloren, heißt es in der Traueranzeige. Das werden viele in Pinneberg so empfinden. Ingeborg Triskatis hinterlässt vier Kinder, viele Enkel und ihren Mann Helmut, einen bekannten Pinneberger Juristen. Die Trauerfeier fand im engsten Familienkreis statt.

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