Kreis Pinneberg

Homeoffice im Hotelzimmer – darf man das überhaupt?

| Lesedauer: 3 Minuten
Joana Ekrutt
Büro mit Aussicht: Das Hotel Bokel-Mühle am See vermietet während der Coronakrise Hotelzimmer als Homeoffice.

Büro mit Aussicht: Das Hotel Bokel-Mühle am See vermietet während der Coronakrise Hotelzimmer als Homeoffice.

Foto: Alexander Erich / Hotel Bokel-Mühle

Das Hotel Bokel-Mühle vermietet in der Corona-Krise Arbeitsplätze mit Seeblick – und sieht sich wegen einer Ausnahme im Recht.

Bokel.  Zu Hause arbeiten? In Zeiten der Coronapandemie ist das Homeoffice für viele Menschen keine Option, sondern Notwendigkeit. Nicht jedem fällt das leicht. Ob es die Kinder sind, die nebenbei betreut werden müssen, der Partner, der ebenfalls ans Homeoffice gefesselt ist oder die schlechte Internetverbindung – Gründe, warum sich nicht jedes Zuhause auch als Büro eignet, gibt es viele.

Ein Hotel in Bokel hält indes aus der eigenen Not heraus eine kreative Alternative zum heimischen Schreibtisch bereit: Seit einigen Tagen bietet das Landhotel Bokel-Mühle Hotelzimmer als Homeoffice an. „Ihr Traumarbeitsplatz mit Seeblick in Zeiten der Krise!“ – Mit diesem Facebook-Post fing alles an. „Wir haben noch nie so eine überschwängliche Resonanz auf unserem Kanal bekommen“, sagt Alexander Erich, Mitglied der Geschäftsführung.

Highspeed-Internet, Telefon und Toilettenpapier satt

Ein Homeoffice-Zimmer am Bokeler See gibt es ab 79 Euro pro Woche. „Unsere Zimmer verfügen über Highspeed Internet, kostenlose Festnetztelefonie, TV, Badezimmer und WC mit ausreichend Toilettenpapier“, bewirbt das Hotel seine Zimmer mit einem Augenzwinkern auf seiner Facebook-Seite. Das größte Zimmer, die Suite mit Seeblick, kostet 250 Euro für eine Woche. Allzu teuer wolle man die Zimmer nicht vermieten, so Erich. „Einige Arbeitnehmer übernehmen die Kosten eines externen Arbeitsplatzes für ihre Mitarbeiter. Wenn die Preise zu hoch sind, tun sie das vielleicht nicht mehr.“

Die Idee, die Hotelzimmer als Homeoffice zu vermieten, habe Hoteldirektorin Caroline Fuhrmann gehabt. „Ich fand die Idee sofort genial“, sagt Erich. Auch in der Vergangenheit habe es häufig Geschäftsreisende gegeben, die erst spät ausgecheckt haben, um noch im Hotelzimmer zu arbeiten. „Unsere Loft-Zimmer mit direktem Blick auf den Bokeler See sind ideale Arbeitsplätze, in denen die Gäste gern die Büroarbeit erledigen, bevor es zum nächsten Termin geht. Daher fanden wir es alle sofort plausibel, dass wir in der Coronazeit unsere Zimmer als Homeoffice-Plätze anbieten.“

Coronakrise trifft die Hotelbranche hart

Geschuldet ist die ungewöhnliche Nutzung der Zimmer den Einbußen im normalen Hotelgeschäft. „Unser Kerngeschäft ist um 85 bis 90 Prozent eingebrochen“, sagt Erich. Zwar sind die Hotels in Deutschland im Gegensatz zu Restaurants weiterhin geöffnet, doch übernachten dürfen dort keine Touristen mehr, sondern nur noch Geschäftsreisende. Da jedoch auch Übernachtungen aus unternehmerischen Gründen kaum noch gebucht werden, steht der gesamte Sektor vor riesigen wirtschaftlichen Problemen.

„Die Krise trifft unsere Branche mit am härtesten“, sagt Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Schleswig-Holstein. Daher hätten manche Hotels nun das Homeoffice für sich entdeckt. In Schleswig-Holstein seien es bislang drei. Neben dem Bokeler Hotel im Kreis Pinneberg böten noch ein Hotel in Kiel und eines in Glückstadt die alternative Zimmervermietung an.

„Die Rückendeckung vom Gesetzgeber ist da“, betont Scholtis. Hotels dürften Gäste aufnehmen, die dort Homeoffice machen wollen. „Die Hauptsache ist, der Gast arbeitet und macht keinen Urlaub.“ Übernachtungen seien in dem Fall nicht gestattet. Im Hotel Bokel-Mühle müssten die Gäste daher beim Einchecken versichern, dass sie das Zimmer beruflich nutzen, sagt Landhotel-Geschäftsführer Erich. Das Angebot werde gut angenommen. „Wir hatten bereits einige Homeoffice-Buchungen.“ Dennoch hoffe man auf bessere Zeiten. „Es soll keine Kernkompetenz des Hotels bleiben, dass wir Arbeitsplätze vermieten.“ Doch neben dem Ausgleich des finanziellen Verlusts wolle man vor allem eines: „Eine positive Botschaft senden.“

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