Klinikum Pinneberg

Unfallchirurgie-Patientin mit Coronavirus infiziert

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Joana Ekrutt
Der Eingang zum Regio Klinikum Pinneberg. Im Haus sollen keine Coronapatienten behandelt werden, weil das Elmshorner Krankenhaus nun das Covid-19-Zentrum für den Kreis Pinneberg ist.

Der Eingang zum Regio Klinikum Pinneberg. Im Haus sollen keine Coronapatienten behandelt werden, weil das Elmshorner Krankenhaus nun das Covid-19-Zentrum für den Kreis Pinneberg ist.

Foto: Katja Engler

Die Frau zeigte plötzlich Symptome. Krankenhaus in Pinneberg lässt daraufhin weitere 81 Personen auf Covid-19 testen. Vier sind positiv.

Pinneberg.  Eine Patientin des Regio Klinikums Pinneberg ist positiv auf Covid-19 getestet. Laut Angaben der Klinik habe die Patientin während eines stationären Aufenthalts in der Unfallchirurgie erkältungsähnliche Symptome entwickelt, woraufhin bei ihr ein Abstrich wegen des Verdachts auf das Coronavirus vorgenommen wurde. Nach Angaben der Patientin ist bei ihr kurz vor der Aufnahme in die Klinik bereits ein Covid-19-Test erfolgt, der allerdings negativ ausgefallen sei.

Nachdem am Montag das positive Testergebnis der Patientin vorlag, sind direkte und indirekte Kontaktpersonen im Klinikumfeld ermittelt und ebenfalls getestet worden. Insgesamt wurden von 82 Personen Abstriche genommen, darunter 23 Patienten und 59 Mitarbeiter. Vier weitere Personen wurden positiv getestet. Am Mittwoch gab es Entwarnung: Die übrigen 77 Tests fielen negativ aus.

Bei den infizierten Personen handelt es sich um zwei Patienten, die ebenfalls auf der unfallchirurgischen Station behandelt wurden, sowie zwei Mitarbeiter der Klinik. Die drei positiv getesteten Patienten wurden bereits in das Corona-Zentrum in Elmshorn verlegt und werden dort isoliert behandelt. Die beiden Mitarbeiter befinden sich in häuslicher Quarantäne. Die Klinik geht davon aus, dass sich die übrigen Betroffenen bei der zuerst infizierten Patientin angesteckt haben.

Betroffene Station ist für Neuaufnahmen gesperrt

„Die betroffene Station ist vorerst für Aufnahmen gesperrt“, sagt Birga Berndsen, Sprecherin der Regio Kliniken. Unfallchirurgische Patienten werden jedoch weiterhin in Pinneberg aufgenommen und derweil auf einer anderen Station versorgt. Im Laufe des Wochenendes soll die gesperrte Station voraussichtlich wieder geöffnet werden.

Erst in dieser Woche sind die Umstrukturierungen der Regio Kliniken für das geplante Covid-19-Zentrum in Elmshorn mit allen dazugehörigen Abteilungsumzügen abgeschlossen worden (wir berichteten). Am dortigen Standort sollen künftig alle Patienten mit einer Coronavirusinfektion behandelt werden, sowohl solche, die ausschließlich am Coronavirus erkrankt sind, als auch infizierte Personen mit weiteren Erkrankungen. Patienten ohne Covid-19-Befund sollen währenddessen in Pinneberg aufgenommen werden. Zur Entlastung der beiden Notfallkliniken ist die geplante Schließung des Standorts Wedel vorerst ausgesetzt worden.

„Es war und ist klar, dass es auch an unserem Standort in Pinneberg passieren kann, dass trotz aller Sicherheitsvorkehrungen Mitarbeiter oder Patienten positiv getestet werden“, sagt Berndsen angesichts des nun eingetretenen Falls. Dr. Stefan Sudmann, Chefarzt der Zentralen Notaufnahmen in Pinneberg und Elmshorn, mahnt: „Dieser Fall veranschaulicht die Herausforderung, die stationäre Versorgung und die Sicherheit der Patienten und von Mitarbeitern in diesen Zeiten zu gewährleisten.“ Das sei auch deshalb so, weil viele Covid-19-Infizierte zunächst oder sogar über die Dauer der Erkrankung keine Symptome aufwiesen. Dass Klinikpersonal sich bei Patienten oder auch im privaten Alltag ansteckt, könne nicht ausgeschlossen werden: „Auch wir sind Menschen mit Familien, die einkaufen gehen und an die Tankstelle fahren.“ Eindämmen könne man das Problem nur durch schnelles Handeln. „Das haben die Kolleginnen und Kollegen getan. Und ich danke ihnen für ihren Einsatz“, so Sudmann, der appelliert: „Wir alle möchten die Bevölkerung bitten, möglichst zu Hause zu bleiben und Kontakte zu vermeiden.“

Kontaktpersonen Infizierter werden bevorzugt getestet

Nachdem das positive Testergebnis der Patientin in Pinneberg vorlag, habe die Klinik auch Patienten informiert, die eventuell Kontakt mit der infizierten Patientin hatten und bereits entlassen worden waren. „Abhängig von ihrem Gesundheitszustand erfolgt die Information gegebenenfalls an den Hausarzt“, so Berndsen. In der Kassenärztlichen Notfallpraxis liege eine Liste mit den Namen der ehemaligen Patienten aus, damit diese bevorzugt einen Covid-19-Abstrich vornehmen lassen können. Neben den beiden positiv getesteten Mitarbeitern, die sich in Quarantäne befinden, blieben derzeit auch alle Mitarbeiter, die Kontakt zur erkrankten Patientin hatten und Erkältungssymptome aufweisen, zu Hause und ließen sich regelmäßig testen. Das gelte auch für Mitarbeiter mit Erkältungssymptomen, die keinen Kontakt zu einer der positiv getesteten Personen hatten.

Der Krisenstab der Regio Kliniken habe nach den aktuellen Entwicklungen entschieden, dass trotz begrenzter materieller Ressourcen alle klinisch tätigen Mitarbeiter ab sofort mit einem Mundschutz arbeiten. Diese Entscheidung sei auch auf den starken Anstieg der Infektionszahlen im Kreis Pinneberg zurückzuführen.

Am Coronazentrum will man laut Chefarzt Sudmann weiter festhalten: „Dass wir positiv getestete Patienten umgehend in unser Covid-19-Zentrum nach Elmshorn verbringen können, ist eine gute und sinnvolle Maßnahme, um unseren Standort in Pinneberg weiterhin möglichst frei von Infizierten zu halten. Nach wie vor bietet diese Aufteilung unserer Häuser unseren Patienten eine größere Sicherheit.“

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