Kreis Pinneberg

Coronakrise trifft arme Kinder besonders hart

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Arne Kolarczyk
Jan Hayunga (Edeka) überreicht Dienstag die ersten Lebensmittelgutscheine an Elke-Maria Lutz (M.) und Sarah Hentenaar vom Kinderschutzbund.

Jan Hayunga (Edeka) überreicht Dienstag die ersten Lebensmittelgutscheine an Elke-Maria Lutz (M.) und Sarah Hentenaar vom Kinderschutzbund.

Foto: Arne Kolarczyk

Der Kinderschutzbund Elmshorn verteilt Gutscheine an einkommensschwache Familien – und erhält auch Hilfe vom Abendblatt.

Elmshorn.  Elke-Maria Lutz macht sich Sorgen. Sorgen um ihre Kinder. Die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Elmshorn hat am Dienstag begonnen, Lebensmittelgutscheine an die armen Familien der Stadt auszuteilen. „Wir hoffen ganz dringend auf weitere Geldspenden für diese Aktion.“

Laut der Statistik wachsen in Elmshorn mindestens 2366 Kinder in Familien auf, die für ihren Lebensunterhalt öffentliche Leistungen benötigen. „Diese Familien leben regelmäßig in kleinen Wohnungen. Die Kinder haben keinen Garten, in dem sie ihren Bewegungsdrang ausleben können, und Spielplätze dürfen sie nicht mehr betreten“, sagt Elke-Maria Lutz.

Das sei jedoch noch nicht das drängendste Problem. „Nach Schließung der Kitas und Schulen ist nun auch das kostenlose Mittagessen für diese Kinder ersatzlos weggefallen“, so die Vorsitzende des Kinderschutzbundes. Das treffe ihre Schützlinge am stärksten, denn sie müssten Hunger leiden. „Lebensmittel sind am wichtigsten, alles andere kann warten“, sagt die ehemalige Jugendrichterin.

Sie hat nach Absprache mit dem Vorstand 2000 Euro lockergemacht, weitere 1000 Euro privat gegeben. Mit der Summe konnte sie 120 Gutscheine à 25 Euro bei Edeka Hayunga erwerben, weitere fünf Gutscheine gab der Edeka-Chef dazu. „Als örtlicher Kaufmann stehe ich in langjährigem Kontakt zum Kinderschutzbund und helfe gern, wenn ich die Möglichkeit dazu habe“, sagt Jan Hayunga.

Weitere 50 Gutscheine, die in Elmshorner Lebensmittelgeschäften eingelöst werden können, bekommt der Kinderschutzbund vom Abendblatt-Verein „Kinder helfen Kindern“. „Ich freue mich, dass auch wir als Metropolregion bedacht werden“, sagt Elke-Maria Lutz. Sie hatte sich sofort beworben, als sie im Abendblatt von der Aktion gelesen hatte und auch innerhalb kurzer Zeit eine Zusage erhalten. Die Gutscheine werden in dieser Woche per Post bei Elke-Maria Lutz eintreffen.

Das alles ist für die resolute Chefin des Kinderschutzbunds jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie fordert von der Politik, den armen Familien als Ausgleich für das eingestellte kostenlose Mittagessen der Kinder unbürokratisch monatlich 90 Euro zu zahlen. „Diese Maßnahme müsste sofort und rückwirkend zum 16. März beschlossen werden“, sagt Lutz. Und sie ergänzt: „Das Geld steht zur Verfügung, da das Mittagessen in Schule und Kita für diese Kinder ja derzeit entfällt. Die Familien benötigen das Geld auch dringend, denn das Arbeitslosengeld II sieht lediglich fünf Euro pro Tag für Essen und Trinken eines Jugendlichen vor.“

Zur Unterstützung der Wirtschaft in Deutschland seien inzwischen sehr großzügige finanzielle Hilfen beschlossen worden. „Das Problem des wegfallenden kostenlosen Mittagessens wurde bei der Entscheidung über die Schließungen in Deutschland offenbar nicht gesehen“, bedauert die Kinderschutzbundchefin.

Sie will nun mit der Verteilung der Gutscheine ein Zeichen setzen. Bereits Dienstagnachmittag begannen die Helfer damit, vor dem Büro an der Jürgenstraße die ersten Hilfsschecks auszugeben. „Die von uns regelmäßig betreuten Familien haben wir telefonisch benachrichtigen können“, so Lutz weiter. Schließlich seien die Räume des Kinderschutzbundes seit Beginn der Coronakrise verwaist.

Normalerweise tobt dort täglich das Leben. Es gibt zweimal die Woche einen offenen Kindertreff, ein Nachhilfeangebot, ein Mütterfrühstuck oder auch einen Integrationskurs mit Kinderbetreuung. „Aktuell haben wir alle Angebote einstellen müssen. Ich war am Dienstag nach zwei Wochen wieder das erste Mal in unserem Büro“, sagt die Vorsitzende. Sie wünscht sich, möglichst bald wieder die Arbeit aufnehmen zu können.

So lange das nicht klappt, wünscht sich Elke-Maria Lutz möglichst viele Geldspenden, um sie in Lebensmittelgutscheine umwandeln zu können. „Wir haben alle unsere Mitglieder schriftlich gebeten, uns weitere Spenden zukommen zu lassen“, berichtet die Vorsitzende. Sie will auch Edeka Jensen in die Gutscheinaktion einbinden, mit dem der Kinderschutzbund bei einem Essensprojekt in Hainholz kooperiert. 140 Mitglieder hat der Verein derzeit. Darunter befinden sich Privatleute, aber auch Jugendhilfeträger. „Die Jugendhilfeträger, die bei uns Mitglied sind, können diese Essensgutscheine per Post erhalten“, erläutert die ehemalige Jugendrichterin.

Voraussetzung ist allerdings, dass dank weiterer Spenden neue Gutscheine erworben werden können. „Wir bitten alle, die bisher durch die Coronakrise keine finanziellen Einbußen hatten, uns eine Spende für den Erwerb von Gutscheine zukommen zu lassen“, so Elke-Maria Lutz.

Spenden: Der Kinderschutzbund verfügt über zwei Kontoverbindungen – bei der Sparkasse Elmshorn unter der IBAN-Nummer DE 30 2215 0000 0001 1204 33 und bei der Hypovereinsbank, wo die IBAN DE 55 2003 0000 0010 2899 59 lautet. Für alle Spenden über 200 Euro kann der Kinderschutzbund eine Spendenbescheinigung ausstellen, daher sollten Namen und Adressen auf dem Überweisungsbeleg vermerkt werden. Spenden bis 200 Euro werden vom Finanzamt auch ohne Bescheinigung akzeptiert.

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