Kreis Pinneberg

Kurzarbeit – Und plötzlich kommt die Antragsflut

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Thomas Kenntemich ist Chef der Agentur für Arbeit in Elmshorn. Seine Mitarbeiter bearbeiten zurzeit viele Anträge auf Kurzarbeit.

Thomas Kenntemich ist Chef der Agentur für Arbeit in Elmshorn. Seine Mitarbeiter bearbeiten zurzeit viele Anträge auf Kurzarbeit.

Foto: Michael Schick

2300 Anzeigen im Arbeitsagentur-Bezirk. Arbeitslosigkeit sinkt zwar auf dem Papier, in Wirklichkeit bleiben viele Neueinstellungen aus.

Elmshorn.  Auf dem Papier ist die Welt noch in Ordnung: Die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Pinneberg ist abermals gesunken, die Quote liegt im März bei 4,6 Prozent – und damit um 0,1 Punkte niedriger als im Februar. Frühjahrsbelebung! Von wegen. Dieser Tage zeigt sich, wie schnell die Realität jahrzehntelang bewährte Statistik überholen kann. „Die heute veröffentlichen Arbeitsmarktdaten wurden Mitte März erhoben und zeigen daher den Arbeitsmarkt zum Zeitpunkt einer einsetzenden Frühjahrsbelebung“, sagt Thomas Kenntemich, Chef der Agentur für Arbeit Elmshorn.

Der aktuelle Blick zeige ein anderes Bild: Die meisten Neu- und Wiedereinstellungen blieben wegen der in weiten Teilen ruhenden Wirtschaft aus. Kenntemich: „Die Folgen für unseren regionalen Arbeitsmarkt werden wir erst ab dem nächsten Monat statistisch dokumentieren können.“

Die Zahl der Anträge auf konjunkturelle Kurzarbeit ist dagegen in den letzten beiden März-Wochen sprunghaft angestiegen. Im Agenturbezirk Elmshorn, zu dem auch der Kreis Segeberg gehört, wurden von den Unternehmen 2300 Anzeigen auf Kurzarbeit aufgrund der Coronakrise eingereicht. „In der derzeitigen Situation kommt es darauf an, Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Es ist vernünftig, dass die Unternehmen die Kurzarbeit so zahlreich in Anspruch nehmen“, so Kenntemich. Davon profitierten beide Seiten. Die Beschäftigten, weil ihre Arbeitsverhältnisse bestehen bleiben, aber auch die Arbeitgeber, die ihr eingearbeitetes Personal behalten. „Das erlaubt den Unternehmen, den Betrieb nach der Krise schneller wieder anzufahren, und vermeidet die aufwendige Suche nach neuem Fachpersonal,“ erläutert Thomas Kenntemich.

Er berichtet: „Die Anzeigeflut traf uns praktisch von einem Tag auf den anderen. Wir haben sofort reagiert und das Kurzarbeitergeld-Team personell aufgestockt.“ Mitarbeiter aus anderen Teams erhielten die notwendigen Schulungen und stiegen in die Bearbeitung der Anzeigen und Abrechnungen ein. Kenntemich: „Den Unternehmen wollen wir zeitnah eine Rückmeldung zu ihren Anträgen geben.“ Und er appelliert: „Helfen können die Betriebe uns, wenn sie nach der Anzeige von wiederholten Nachfragen zum Bearbeitungsstand absehen. Meine Kolleginnen und Kollegen arbeiten mit Hochdruck daran, die notwendigen Rückmeldungen zu geben. Wir tun alles, um Arbeitsplätze und Existenzen zu sichern!“

Wenn die Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld erfüllt sind, folgt die schriftliche Anzeige bei der Arbeitsagentur. Aktuelle Informationen, Erklärvideos, Merkblatt und Vordrucke gibt es online unter der Internetadresse www.arbeitsagentur.de. Die Anzeige ist mit wenigen Angaben ausgefüllt und kann dann sofort online oder postalisch übermittelt werden. Nach erfolgter Förderzusage werden monatlich die tatsächlich entstandenen Ausfallzeiten abgerechnet.

( sul )

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