Kreis Pinneberg

Wedeler Naturkita: Elternwille wird entscheidend sein

Spielzeug liegt in einem Sandkasten in einer Kindertagesstätte (Symbolbild). Wie es für den Wedeler Naturkindergarten weitergeht, müssen die Eltern entscheiden.

Spielzeug liegt in einem Sandkasten in einer Kindertagesstätte (Symbolbild). Wie es für den Wedeler Naturkindergarten weitergeht, müssen die Eltern entscheiden.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Stadt will die Kinder auf andere Einrichtungen aufteilen, Insolvenzverwalterin den Trägerverein retten und Betrieb aufrechterhalten.

Wedel.  Im Streit zwischen der Stadt Wedel und Insolvenzverwalterin Jennie Best um den Fortbestand der Naturkita Wedel wird es auf die Eltern ankommen. Sollte es der Stadt gelingen, die meisten Eltern von ihrer neuen Betreuungsform zu überzeugen, und sollten diese ihre Kinder dorthin wechseln lassen, dürfte Jennie Best keine wirtschaftliche Perspektive für eine Fortführung der Aktivitäten am Fährenkamp mehr haben.

Wie berichtet, wollte die Insolvenzverwalterin einen Wechsel der Trägerschaft zum April erreichen. Drei Träger, darunter zwei erfahrene Betreiber, hatten sich beworben. Einer sollte den insolventen Trägerverein ablösen. Doch die Stadt lehnte überraschend alle Vorschläge ab und erklärte, am Fährenkamp keine Kita mehr bezuschussen zu wollen.

Die Stadt begründet dies in einer Mitteilung damit, „nachhaltige Lösungen mit bewährten Trägern“ gefunden zu haben. In Zusammenarbeit mit den Betreibern Fröbel und Lebenshilfe würden an den Standorten der Fröbel-Kita „Wasserstrolche“ und in den bereits zuvor von der Lebenshilfe für Kita-Betrieb genutzten Räumen des TSV Wedel an der Bekstraße insgesamt 35 bis 37 neue Kita-Plätze geschaffen, die alle betroffenen Kinder der Kindertagesstätte Fährenkamp aufnehmen können.

Diese Träger hätten durch ihre langjährige Arbeit in Wedel bewiesen, dass sie einen nachhaltig, störungsfreien Kitabetrieb in geeigneten Räumen gewährleisten könnten. Das traut die Stadt der Naturkita auch unter neuer Führung offenbar nicht zu. Nach der in relativ kurzer Zeit bereits zweiten Insolvenz des Betreibervereins am Fährenkamp und der dadurch entstandenen großen Unruhe und Unsicherheit für die betroffenen Familien und Mitarbeiter setze die Stadt nun auf eine Alternative. Die neuen Träger seien grundsätzlich bereit, auch Mitarbeiter der Naturkita zu übernehmen.

Laut Mitteilung der Stadt unterstützt der Kreis als zuständige Behörde diesen Lösungsansatz. Die Plätze würden zur Verfügung stehen, sobald der wegen der Coronakrise ausgesetzte Kitabetrieb wieder freigegeben wird. Die Eltern, mit denen in den nächsten Tagen ein Gesprächstermin angesetzt worden sei, könnten sich bereits jetzt an die Träger Lebenshilfe und Fröbel wenden.

In der Fröbel-Kita werde eine zusätzliche familienähnliche Gruppe für die Krippenkinder und einige Elementarkinder eingerichtet. Die Lebenshilfe werde die Räumlichkeiten im Gebäude des Wedeler TSV wieder für eine Elementargruppe nutzen können. Der Stadt Wedel sei „bewusst, dass der Wechsel eines Kindes im Kita-Alter in eine neue Tagesstätte eine große Herausforderung darstellt“, heißt es weiter. Kinder würden ein planbares, stabiles Umfeld benötigen, um Sicherheit gewinnen zu können. Genau aus diesem Grund habe sich die Stadt Wedel für die neue Lösung entschieden, um genau diese Stabilität langfristig und ohne neue Unsicherheiten sicherstellen zu können.

Aufgeben will Insolvenzverwalterin Jennie Best jedoch noch nicht. Nach der Ablehnung des neuen Trägers und der Weigerung der Stadt, mit ihm einen neuen Zuschussvertrag abzuschließen, prüft Best die Möglichkeit eines Insolvenzplanverfahrens. Die Gläubiger würden ein Teil ihrer Forderungen erhalten, am Ende wäre der Trägerverein schuldenfrei und könnte weiterarbeiten. Auf diese Weise blieben die Betriebserlaubnis und der bisherige Zuschussvertrag in Kraft. Das macht jedoch nur Sinn, wenn die Eltern bei der Stange bleiben.