Kreis Pinneberg

Elmshorner Krankenhaus wird zur reinen Coronaklinik

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Joana Ekrutt
Das Elmshorner Krankenhaus auf einer Luftaufnahme aus dem Archiv. Es wird eine Covid-19-Klinik.

Das Elmshorner Krankenhaus auf einer Luftaufnahme aus dem Archiv. Es wird eine Covid-19-Klinik.

Foto: Regio Klinik

Trennung zum Schutz der Kranken: Alle Patienten, die nicht mit dem Coronavirus infiziert sind, kommen in die Pinneberger Klinik.

Elmshorn. Eine komplette Klinik für Coronapatienten; in Elmshorn ist das schon bald Realität. Derzeit richten die Regio Kliniken an ihrem dortigen Standort ein Covid-19-Zentrum ein. Außer den ausschließlich infolge einer Coronainfektion erkrankten Patienten sollen in der Klinik auch infizierte Personen mit weiteren Erkrankungen behandelt werden. Patienten ohne Coronavirusinfektion sollen währenddessen in Pinneberg aufgenommen werden.

Zur Entlastung der beiden Notfallkliniken ist die geplante Schließung des Standorts Wedel vorerst ausgesetzt worden. Während der Pandemie werden dort Patienten der Geriatrie und der Palliativmedizin, die nicht mit dem Coronavirus infiziert sind, versorgt. Für diese Umstrukturierungen braucht es einige Umzüge. „Das ist eine logistische Mammutaufgabe, die binnen kürzester Zeit gestemmt werden muss“, sagt Dr. Stefan Sudmann, Chefarzt der Zentralen Notaufnahmen der Regio Kliniken.

Sudmann leitet auch den Krisenstab der drei Kliniken, der momentan täglich tage - auch am Wochenende. Eine komplette Abteilung umziehen zu lassen würde normalerweise mehrere Monate dauern. Nun müssen die Umzüge innerhalb von zwei Wochen vollzogen sein. „Es packen alle mit an. Die Mitarbeiter sind hochmotiviert“, sagt Sudmann. Während in der vergangenen Woche bereits die Urologie, die Unfallchirurgie sowie die Thorax- und Allgemeinchirurgie von Elmshorn nach Pinneberg sowie die Pneumologie von Wedel nach Elmshorn verlagert worden sind, folgt in dieser Woche der Umzug der internistischen Bereiche – und zwar von Elmshorn nach Pinneberg.

Durch die Umzüge aus Wedel werden alle Intensivbetten der Regio Kliniken an den Standorten Elmshorn und Pinneberg gebündelt. Vor allem im Hinblick auf die Erfahrungen, die andere Länder bereits gemacht haben, sei es wichtig, eine medizinische Infrastruktur zu schaffen, die es ermöglicht, mit dem Coronavirus infizierte Patienten von anderen zu trennen, so Sudmann. Bereiche innerhalb eines Hauses abzutrennen sei jedoch oft schwierig. So sei die Idee für die Einrichtung eines kompletten Hauses ausschließlich für Covid-19-Patienten entstanden.

Durch die Absage von planbaren Operationen sowie Entlassungen seien derzeit 300 freie Betten über alle drei Standorte verteilt verfügbar. Am Standort Elmshorn wurden die Intensiv-Beatmungsplätze von 18 auf 32 aufgestockt. Für nicht infizierte Patienten stehen in Pinneberg zwölf Intensiv-Beatmungsplätze zur Verfügung. Weitere 20 Beatmungsgeräte wurden für das Corona-Zentrum angefordert. Ebenfalls warte man, wie derzeit in fast allen Kliniken, auf die Lieferung weiterer Schutzkleidung.

Durch die bereits erfolgte Entlassung regulär stationär aufgenommener Patienten sowie die medizinisch vertretbare Verschiebung von Eingriffen stünden derzeit auch mehr Mitarbeiter zur Verfügung, sagt Birga Berndsen, Sprecherin der Regio Kliniken. Dadurch könne auch das Personal für die Intensivversorgung erhöht werden. Mit speziellen Schulungen wurde bereits begonnen. „Aufgrund der Umzüge sind teils Mitarbeiter sehr eingespannt, teils nutzen sie zurzeit die Möglichkeit, Überstunden abzubauen, um in den kommenden Wochen in den Einsatz gehen zu können“, so Berndsen.

Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch in Pinneberg ein Notfallpatient eingeliefert wird, der mit dem Coronavirus infiziert ist, dieses jedoch entweder selber nicht weiß oder angibt, wurden dort ebenfalls ein Infektionsbereich und ein Infektionsschockraum eingerichtet. „Dadurch können wir sicherstellen, dass infizierte Patienten auch in Pinneberg notfallmedizinisch versorgt werden können“, so Chefarzt Sudmann. Anschließend sollen sie dann in das Covid-19-Zentrum in Elmshorn verlagert werden.

Der Wedeler Standort mit der dort ansässigen Geriatrie biete als „infektionsfreies Haus insbesondere älteren Menschen, die extrem gefährdet sind, einen besonderen Schutz“. Derzeit werden in Elmshorn sechs positiv getestete Patienten stationär behandelt, drei von ihnen befinden sich auf der Intensivstation. Die Ruhe vor dem Sturm? „Es ist nicht planbar, aber wir stellen uns auch auf größere Szenarien ein“, sagt Sudmann. Durch die frühzeitig ergriffenen Maßnahmen blickt man in den Regio Kliniken laut Berndsen dennoch positiv in die Zukunft. Sie sagt: „Wir fühlen uns gut vorbereitet.“

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