Pinneberg
Wedel/Itzehoe

Wedeler soll mit Teelichtern Feuer gelegt haben

Das Landgericht in Itzehoe.

Das Landgericht in Itzehoe.

Foto: Bodo Marks / dpa

Ein 27-Jähriger steht vor Gericht. Laut Anklage zündelte er in einem Wedeler Obdachlosenheim, um eine neue Bleibe zu bekommen.

Wedel/Itzehoe.  In Handschellen wird Adrian W. am Donnerstag in den großen Saal des Landgerichts Itzehoe geführt. Der Prozessauftakt gegen den in Poznian (Polen) geborenen Mann, der zuletzt in Wedel in einem Obdachlosenheim lebte, stößt in Corona-Zeiten auf wenig Interesse. Im Zuschauerraum herrscht gähnende Leere.

Versuchten Mord und schwere Brandstiftung wirft die Staatsanwaltschaft dem 27-Jährigen vor. Er soll am 26. September vorigen Jahres sein Appartement in der Unterkunft an der Holmer Straße angezündet haben – weil er sich laut Anklage eine andere Wohnung wünschte!

Dieses Ziel hat Adrian W. erreicht. Seit dem 27. September, also einen Tag nach der Tat, befindet er sich in der Justizvollzugsanstalt Itzehoe in Untersuchungshaft. Ob es ihm dort besser gefällt als in der Obdachlosenunterkunft, ist allerdings nicht überliefert. Laut der Anklage soll der Pole am Tatabend gegen 21 Uhr in seinem Appartement mit der Nummer 11 mehrere Teelichter angezündet haben. Ein brennendes Teelicht stellte er demnach auf sein Bett, ein zweites auf die Fensterbank, ein drittes auf den Fernseher. Als der Fernseher Feuer fing, verließ der 27-Jährige laut Anklage den Raum, ohne sich weiter um die Entwicklung des Feuers zu kümmern.

Seine Habseligkeiten verpackte er in eine Plastiktüte

Seine wenigen Habseligkeiten nahm der Angeklagte mit – verpackt in einer Papiertüte. Das Appartement in der Schlichtunterkunft brannte vollständig aus, obwohl einer der Mitbewohner das Feuer früh entdeckte und mit einem weiteren Bewohner der Unterkunft zu löschen versuchte.

Auch die Wedeler Feuerwehr wurde zur Hilfe gerufen. Immerhin konnte mit vereinten Kräften verhindert werden, dass sich der Brand auf die Nachbarappartements ausbreitete. Der Angeklagte habe dies laut Anklageschrift billigend in Kauf genommen, als er die brennende Unterkunft verließ, ohne seine Mitbewohner zu warnen. 13 Personen befanden sich zum Brandausbruch in der Schlichtunterkunft. Sie alle hätten laut Anklage bei einem anderen Verlauf und der nicht rechtzeitigen Entdeckung sterben können.

Daher wirft die Staatsanwaltschaft Adrian W. Heimtücke vor. Er habe mittels gemeingefährlicher Mittel versucht, Menschen zu töten und dafür ein Gebäude, das der Wohnung von Menschen dient, in Brand gesetzt. Die Polizei hatte den Schaden auf 100.000 Euro geschätzt.

Adrian W. erschien zwei Stunden nach dem Feuer auf der Wache in Wedel und erkundigte sich, was in seinen Räumen passiert war. Dass er es wusste und offenbar auch dafür verantwortlich war, offenbarte der Wedeler erst einige Zeit später. Er soll im Laufe des Ermittlungsverfahrens dann ein Geständnis abgelegt haben, was zu wesentlichen Teilen in die Anklage einfloss. Ob der 27-Jährige das Geständnis in dem Verfahren wiederholt, ist unklar. Er wird vom Rellinger Anwalt Henry Brendel als Pflichtverteidiger vertreten. Sollte eine Einlassung des Angeklagten erfolgen, passiert dies frühestens am 29. April. Zuvor findet zwar am 9. April noch ein Verhandlungstag statt, der jedoch angesichts der Corona-Krise nur als Stütztermin gedacht ist.

Dem Wedeler droht eine mehrjährige Haftstrafe

Das Verfahren begann am letzten Tag vor Ablauf der Sechs-Monats-Frist, die bei Untersuchungshaft gilt. Einen Tag später hätte das Oberlandesgericht die Aufrechterhaltung des Haftbefehls prüfen müssen.

Dem Wedeler, der in Deutschland unter Betreuung steht, droht im Falle einer Verurteilung eine mehrjährige Haftstrafe. Ob er voll oder lediglich vermindert schuldfähig ist, soll der Psychiater Prof. Arno Deister klären. Er wird auch eine Empfehlung abgeben, ob im Falle des Wedelers eine Unterbringung in der Psychiatrie angebracht wäre.