Pinneberg
Kreis Pinneberg

Einsteigen, bitte – aber die Angst bleibt draußen

Busfahrer Heinrich Stannek fühlt sich bei der Arbeit gut geschützt. Und das obwohl er mit 69 Jahren zur Risikogruppe gehört.

Busfahrer Heinrich Stannek fühlt sich bei der Arbeit gut geschützt. Und das obwohl er mit 69 Jahren zur Risikogruppe gehört.

Foto: Malte Liedtke / KViP

Heinrich Stannek arbeitet als Busfahrer trotz Coronakrise, denn der Nahverkehr muss weiter rollen. Wie sich das anfühlt? Fast normal, sagt er.

Uetersen. Rot-weißes Absperrband flattert provisorisch zwischen zwei Haltestangen, es riegelt den Fahrerbereich ab. „Bitte nutzen Sie ausschließlich die hinteren Türen zum Ein- und Ausstieg“, steht auf dem daran befestigten Informationsschild. Kein Fahrkartenverkauf, kein Stehen oder Sitzen in der Nähe des Fahrers. So sieht es derzeit in den Bussen der Kreisverkehrsgesellschaft Pinneberg aus. Die Maßnahmen dienen dem Schutz der Busfahrer vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Denn: Während viele Branchen stillgelegt sind oder so weit wie möglich ins Homeoffice verlagert wurden, fließt der Nahverkehr weiter. Doch reichen die getroffenen Schutzmaßnahmen aus?

Im Kampf gegen das Coronavirus haben Bund und Länder beschlossen, dass viele Geschäfte schließen müssen. Viele, aber längst nicht alle. Supermärkte, Apotheken, Banken und Tankstellen bleiben geöffnet. Ebenso Reinigungen und Drogerien, und der Nahverkehr soll auch nicht zum Erliegen kommen. Die Beschäftigten in diesen Berufen haben täglich direkten Kundenkontakt. Wie fährt es sich also Bus in diesen Tagen, in denen die Angst vor Ansteckung ständiger Begleiter ist?

„Was das Virus angeht, mache ich mir bei meinem Job keine Sorgen“, sagt Busfahrer Heinrich Stannek und betont: „Mit den Fahrgästen habe ich zurzeit ja nichts zu tun.“ Und daher auch nicht mit dem Geld für die Fahrscheine. Grundsätzlich würde sich auch jeder an die Anweisungen halten und hinten einsteigen. „Alle haben sich daran gewöhnt“, so Stannek. Und: „Das Gros hat eh eine Monatskarte oder kauft über die App.“

Nur ab und an würde jemand aus Gewohnheit nach vorne laufen, dann aber direkt wieder umkehren. „Die Fahrgäste reagieren ganz gelassen.“ Probleme erlebe der Moorreger, der seit 40 Jahren Bus fährt, in der aktuellen Situation keine. „Es ist eigentlich eine entspannte Lage.“ Durch die getroffenen Maßnahmen wie der Abstandsregelung im Bus fühle er sich gut geschützt. Wegen der Ausgangsbeschränkungen sei auch das Fahrgastaufkommen nicht so hoch. Seit vergangener Woche gelten deshalb die Ferienfahrpläne. Auch auf dem Weg zur Arbeit setze er sich keinem Risiko aus, da er mit dem Rad fahren könne, so Stannek.

Los geht es jeden Tag auf dem Betriebshof in Uetersen. Und dann durch den gesamten Kreis. Denn er sei auf allen Linien unterwegs. Besondere Vorsichtsmaßnahmen treffe Stannek nicht. Zwar habe er immer einen nassen Lappen dabei, um vor Dienstantritt über das Armaturenbrett zu wischen, doch das habe er auch vor der Krise schon getan. „Mein Verhalten ist eigentlich nicht anders geworden.“ Er finde es wichtig, dass der Personenverkehr auch in der aktuellen Ausnahmesituation fährt.

Im Umgang mit Kollegen nehme er allerdings einen Unterschied wahr. „Wir begrüßen uns spaßeshalber mit dem Ellenbogen. Es gibt keine herzlichen Umarmungen mehr.“ Fahrgäste mit Mundschutz seien nach wie vor die absolute Ausnahme. Also alles ganz normal? „Es ist insgesamt weniger Verkehr. Man muss jetzt darauf achten, dass man nicht zu früh losfährt“, sagt Stannek und lacht.

Durch die geringen Fahrgastzahlen sei es im Bus auch zwischen den Passagieren möglich, die derzeit gebotenen 1,5 Meter Abstand zueinander einzuhalten. Obwohl Stannek trotz der Krise arbeiten muss und mit Menschen in Kontakt steht, habe er keine Angst. Und das, obwohl er mit seinen 69 Jahren der Risikogruppe angehört. „Ich hätte deshalb die Möglichkeit, zu Hause zu bleiben“, sagt er. Das sei für ihn jedoch keine Option: „Ich fahre Bus, weil ich das immer schon gerne gemacht habe. Es macht mir einfach Spaß.“

Das wisse auch seine Frau, die sich ebenfalls keine Sorgen um ihn machen würde. „Wichtig ist, dass es mir gut geht und ich fit bin.“ Und das ist er. Für einen Ausgleich zur Arbeit halte er sich viel an der frischen Luft auf. „Ich bin gerne draußen, habe einen großen Garten und Pferde, zu denen ich regelmäßig in den Stall fahre.“ Lediglich die Trainingsmöglichkeiten beim Reiten seien zurzeit wegen der Allgemeinverfügungen des Landes und des Kreises eingeschränkt.

Ob sich Menschen für seine Arbeit bei ihm bedanken? „Bedanken beim Busfahrer, das ist so eine Sache“, sagt er und hält kurz inne, bevor er hinzufügt: „Das kommt grundsätzlich nicht so häufig vor.“ Im Endeffekt sei es schließlich eine Dienstleistung. Ein Beruf, für den man bezahlt werde. Bei seinen stolzen 69 Jahren stellt sich durchaus die Frage, wie lange er grundsätzlich noch arbeiten will. Und auch darauf hat Stannek eine klare Antwort: „So lange ich gesund bin und fidel bleibe.“